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Arms into Art

Text: Andrea Schellner Fotos: Andrea Schellner

Hinter einem riesigen Waffenkonstrukt im Hafen von Maputo, unmittelbar vor dem populären „Waterfront“-Restaurant, umgeben von Palmen, hebt sich die Skyline der Stadt ab. Mit seiner Skulptur hat der mosambikanische Künstler Cristovao Canhavato, besser bekannt als Kester, dem Unabhängigkeitskampf in seinem Heimatland ein beeindruckendes Monument gesetzt

Kalaschnikow-Komfort auf dem vermutlich schwersten Sofa der Welt, ein Thron aus Waffen für den König von Afrika, ein Baum des Lebens mit Ästen aus Gewehren. In einer alten Villa in Maputos verträumter Rua de Argelia verschweißen die Künstler von Núcleo de Arte alte Pistolen und Patronen, Gewehre und Granaten aus Mosambiks Bürgerkrieg (1976–1992) zu makabren Möbelstücken, Skulpturen und anderen Mahnmalen gegen einen 16jährigen Kampf, der über eine Million Todesopfer forderte.

Das älteste Künstlerkollektiv des Landes zählt rund 100 Maler, Bildhauer und Keramiker und spielte eine wichtige Rolle in Sachen Versöhnung nach dem Bürgerkrieg. Es wurde international durch sein „Transforming Arts into Tools“-Projekt bekannt, das 1995 von Bischof Dorn Dinis Sengulane gegründet wurde und von Christian Aid unterstützt wird: Man appellierte an die Bevölkerung Mosambiks, versteckte Waffen abzuliefern – im Tausch für landwirtschaftliche Geräte. Die Waffen wurden danach funktionsunfähig gemacht und an die Künstler von Núcleo weitergegeben.

Humberto Delgado, der sich Núcleo im Jahr 1997 anschloss und dessen Skulpturen bereits in Ägypten, Australien, Frankreich und Italien gezeigt wurden, beschreibt das Credo von Núcleo folgendermaßen: „Kriege können überwunden werden. Versöhnung ist möglich. In unseren Skulpturen kommen Optimismus, Unverwüstlichkeit und Vertrauen in menschliche Leistungen zum Ausdruck.“ Und, so der 35jährige Autodidakt, der von seiner Kunst noch nicht leben kann, sondern sich seinen Unterhalt als Taxifahrer verdient, weiter:

„Meine Skulpturen sind zugleich Zeugen schwerer Zeiten und Symbole des Friedens.“ Delgado bringt es damit auf den Punkt: Auch wenn heute Kalaschnikows nicht mehr den Ton in Mosambik angeben, so lebt in den Kunstwerken von Núcleo doch ein Stück der Geschichte des Landes weiter.

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