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Böse Tante

Gerade mal ein Jahr ist es her, seit ein derangierter Mickey Rourke zu Wrestling-Streifzügen jenseits der amerikanischen Superstar-Serien WWE und WCE animiert hat. Das mediale Resultat: Die berühmten 15 Minuten für stickige Trainingshallen, skurrile Kostümierungen und theatralische Provinz-Muskelprotze. Eine Gruppe blieb jedoch selbst im hollywoodbedingten Hype unbemerkt: Catchende Frauen werden nachwievor eher mit Schlamm und YouPorn denn mit professionellem Wrestling assoziiert – erst recht in einer Entertainment-Provinz wie Österreich. Dabei gibt es sie, die prügelnden Ring-Grazien, deren femininer Einsatz nachwievor Nischenprogramm ist.

Ein Streifzug durch eine bizarrere Szene, die in Österreich eine One-Woman-Show ist.

1.

Eigentlich hat alles gut begonnen. Schon in der Antike huldigte man der Mischung aus Muskelkraft,  Körperbeherrschung und Kampfeskunst, indem man das Ringen unter dem Namen „Pale“ zur olympischen Disziplin erhob. Jahrhunderte bevor Jesus geboren war, kämpften nackte Griechen vollkommen unabhängig von Gewicht und Körpergröße um das dreimalige Umwerfen ihres Gegners. Auch die neuzeitlichen Olympiaden, nahmen den antiken Kampfsport von Anfang an in ihr Programm auf. Insofern ist das Ringen – gerade die Griechisch-Römische Variante davon (auch „Greco“ genannt) – ein ehrwürdiges und vor allem traditionsreiches Genre. Von Frauen ist in diesen Gefilden seit den Athener Jubiläumsspielen 2004 die Rede: Damals wälzten sich erstmals weibliche Wesen „Freistil“ über die Matten. Alle Zeichen stünden auf gesellschaftliche Akzeptanz ... Wäre da nicht eine kleine Gruppe von anarchistischen Showkämpfern, die Stein und Bein schwören, dass die Ursprünge ihres Sports in den elaborierten Griffen der ehrwürdigen Greco-Ringer liegen würden.

Der Name ihrer Kampfsport-Interpretation: Pro-Wrestling (nicht zu verwechseln mit „Wrestling“, der englischen Übersetzung von „Ringen“).

Der Ort ihres Treibens: Je nach Professionalisierungsgrad große Showhallen, etwas kleinere Feuerwehrfeste oder winzigkleine Backsteinkeller.

Ihre Ausstattung: Kunterbunte Stretch-Kostüme, die je nach persönlichen Vorlieben mit Accessoires wie Masken, Hüten oder Umhängen gepimpt werden.

Ihre Regelauslegung: Wo’s nur geht Schlagen, Treten, Stoßen und Würgen, also alles, was beim klassischen Ringen verboten ist – und das auch noch gefakt, also ohne wahrhaftig kompetitiven Hintergrund.

Die Helden der Antike würden wohl vom Olymp runterspucken, könnten sie sehen, wer sich hier auf ihre Tradition beruft. Und sie wären überrascht, dass man selbstbewusst zurückspuckt – auch das gehört zum Standardprogramm eines waschechten Pro-Wrestlers.

Irgendwann würden sie dann Aphrodite hilfesuchend herbeirufen. Denn als wäre der sportliche Affront nicht schon genug, haben sich mittlerweile auch Frauen dem bizarren Treiben angeschlossen. Sie kratzen, beißen, reißen an den Haaren, lecken aufreizend an Lollipops, um kurz darauf ihre Gegenerin mit einem unendlich kompli¬zierten Move auf den Ringboden zu schicken. Aphrodite wäre schockiert, würde sie die Outf ts sehen, mit denen sich ihre Geschlechtsgenossinnen von Ecke zu Ecke prügeln. Und sie würde die überzogenen Fratzen verachten, die je nachdem Provokation, Aggressivität, Schmerz oder irgendeine andere gewaltaffine Emotion suggerieren sollen.

Doch sie könnte nichts dagegen ausrichten. Denn die Globalisierung ist anno 2010 längst Realität. Wo also zuerst eingreifen, wenn von den großen USA bis ins kleine Österreich weltumspannend gecatcht wird, was das Zeug hält?

So haben die modernen Wrestlerinnen leichtes Spiel. Oder auch nicht.

2.

Wer Okto schaut, Datum liest und auch sonst ein bisschen Medien konsumiert, kennt sie mittlerweile, die „Wrestling School Austria“ unter der Ägide von Gerhard Hradil, in Pro-Wrestling-Kreisen besser als „Humungus“ bekannt.

Möchte man im Dunstkreis der österreichischen Catcher-Szene recherchieren, führt kein Weg an der Institution im Zweiten Wiener Gemeindebezirk und ihrem Patron vorbei – egal, ob es sich um anstehende Happenings, Wrestling-Kurse oder eben kämpfende Damen handelt. Und so findet sich auf der Homepage der WSA auch prompt ein recht umfangreiches Namensverzeichnis, das auf eine prosperierende Frauenszene schließen lässt. Aus Österreich stammen beispielsweise Biker Bea, Vampiria (eigentliche Herkunft: Transylvanien – eh klar), Angel und XXXDream. Auf den zweiten Blick stellt sich die Situation etwas weniger rosig dar. Biker Bea betreibt zwar eine Website, wer sie allerdings unter der angegebenen E-Mail-Adresse buchen möchte, erhält eine Fehlermeldung. Vampiria hat das Dracula-Kostüm an den Nagel gehängt, um sich – laut Informationen ihrer ehemaligen Kollegen – „anderen Herausforderungen zu widmen“. Und Angel, eine Teenagerin serbischer Herkunft, ist seit geraumer Zeit nicht mehr zum Training erschienen. Einen Kontakt hat niemand, weil „die jungen Mädchen ihre Telefonnummern wechseln wie die Unterwäsche“. Bleibt nur noch XXXDream, die sich ebenfalls als schwer erreichbar herausstellt, weil sie im zivilen Berufsleben ziemlich eingespannt ist.

Kommunikation, so lernt man schnell, ist in Wrestler-kreisen überhaupt ein etwas gewöhnungsbedürftiger Modus. Man könnte den Kämpfern einen gewissen Unwillen unterstellen – bei genauerer Betrachtung erweisen sich die anfänglichen Interferenzen jedoch als stringente Kultivierung eines Images. Man will sich eben nicht als eloquente Plaudertasche präsentieren, weil eloquente Plaudertaschen in der Regel niemanden mit einem Klappstuhl verprügeln. Um solche einstudierten Verhaltensmuster konsequent zu verinnerlichen, muss die Attitüde gelegentlich auch mal ins reguläre Leben überschwappen. Denn Glaubwürdigkeit ist in einem Business, von dem jeder weiß, dass es im Grunde eine weitgehend harmlose Show ist, das Um und Auf – schließlich geht es darum, einen letzten Rest an gewalttätiger Illusion aufrecht zu erhalten.

Als wir das allererste Mal die Wrestling School Austria betreten, werden wir von Humungus begrüßt. Was so viel heißt wie: Wir werden nicht begrüßt. Der Cheftrainer befindet sich gerade im Infight mit Schützling Seth Raven. Und für uns wird das kleine Trainingsmatch – das lässt uns Humungus trotz Schwitzkasten und anschließendem Befreiungsschlag unmissverständlich spüren – ganz sicher nicht unterbrochen. Als wir Händeschütteln wollen, blitzen wir ebenfalls ab („ich gebe nicht gerne die Hand ... hab’ mir schon so oft die Finger gebrochen“). Spätestens jetzt hätte man ohne journalistisches Interesse die Schnauze voll. So lassen wir es einfach geschehen und fügen uns ein, in einen Kosmos, wo man coram publico selten eine vernünftige Antwort erhält. Wahrscheinlich ist das Teil der „Psychologie“, die Gerhard Hradil vor seinen Schülern immer wieder beschwört. Denn die pure Technik macht in erster Linie die Wrestler selbst glücklich. Das Publikum will jedoch einen Guten („Face“) und einen Bösen („Heel“) sehen, die ihre Rollen schlüssig abspulen und so eine moderne Interpretation des Ur-Kampfes Gut gegen Böse ermöglichen. Das müssen Hradils Schüler eben lernen, bevor sie einen echten Ring betreten dürfen. Und dazu gehört auch, dass man sich im Dunstkreis einer Wrestling-Schule keine Blöße gibt.

Als ich von „Mirko – The Balkanbutcher“ in etwas zu amikalem Tonfall wissen will, ob er nun ein „Guter“ oder ein „Böser“ ist, fährt er mich an, dass das eine blöde Frage sei. Während ich mir das erste Mal über die wahre Bedeutung des Sprichworts „Es gibt keine blöden Fragen sondern nur blöde Antworten“ bewusst werde, legt Mirko nach. „Was glaubst du: Sind Jugos gut oder böse?“ Die Antwort liegt für ihn offenbar auf der Hand (welche Hand das ist, weiß ich bis heute nicht). Mit meiner Replik, dass ich zu keiner Ethnizität, auch nicht zu Jugos, eine generelle Wertung vornehmen kann, habe ich endgültig ausgeschissen.

Weit und breit keine catchende Frau.

Warum sind wir nochmal hier?

3.

Trotz solcher Episoden wäre es verkehrt, das Auftreten der Wrestler mit ihrem tatsächlichen Wesen oder gar ihrem Intellekt gleichzusetzen. Bestes Beispiel ist Humungus selbst – gelernter Chemiker, ausgebildeter Kampfsport¬ler, Gründer der Wrestling School Austria, Produzent der Okto-Sendung „Wrestling Fightnight“ und gelegentlich sogar Mitwirkender am Wiener Burgtheater. Wem es ge¬lingt, den Wiener Wrestling-Veteranen außerhalb seines handfesten Wirkungsradius’ zu erwischen, erlebt einen durch und durch eloquenten Geschäftsmann, der zwar nicht kuschelweich, aber immerhin recht verbindlich sein kann. Darüber hinaus hat Gerhard Hradil erhebliche Teile seiner Kampfsport-Skills in Japan erlernt, wo man großen Wert auf eine tiefergehende Lehrer-Schüler-Beziehung legt. In philosophischen Momenten spricht „der Chef“, wie ihn alle nennen, auch vom „Einklang von Körper und Geist“, fordert „die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper“ und reflektiert über kampfbedingte Schmerzerfahrungen, die „einen jungen Menschen dreimal nachdenken lassen, bevor ich diesen Schmerz auch anderen zufüge“. Alles in allem können Hradil’s Schüler „immer kommen, wenn sie über den Sport hinaus Probleme haben“. Natürlich darf man solche Bekenntnisse nicht überbewerten, denn wie der Chef der WSA ganz unumwunden bekennt: „Ich will mit dem Wrestling in erster Linie Geld verdienen. Dass ich dabei Spaß habe und Schüler in positive Bahnen lenken kann, sind angenehme Nebeneffekte.“ Und trotzdem: Für so manchen Jungkämpfer wurde der angenehme Nebeneffekt zum primären Kriterium, wenn es um die Motivation ging, sich drei Mal die Woche in einem kleinen Kellerlokal in der Leopoldstadt zu schinden.

Warum all das in einem Bericht über Frauen-Wrestling von Relevanz ist? Weil die einzige verbliebene Frauen-Wrestlerin XDream aufgrund Humungus’ Mentorenrolle an der WSA festhält.

Ansonsten hätte sie schon hingeschmissen – sagt sie nicht, lässt sie aber durchblicken. Zum Beispiel, als es ihr mit meiner Vision von einem ganz persönlichen Porträt zu viel wird. „Ich mache das nicht für mich, sondern für die WSA und für das Frauen-Wrestling ... auch um Nachwuchs zu rekrutieren“, lässt sie mich wissen.

So eine Loyalität kommt nicht von ungefähr.

Doch alles der Reihe nach.

4.

XDream heißt im bürgerlichen Leben eigentlich Renee. Ob es sich dabei um eine Art Sub-Pseudonym oder den echten Namen handelt, weiß man nicht so genau. Generell geht die Wienerin sparsam mit jenen Informationen um, aus denen sich ein privates Bild oder gar eine intime Lebensgeschichte ableiten lässt – da macht sie bei mir keine Ausnahme. Und wenn sie es tut, muss ich versprechen, bestimmte Facetten nicht zu publizieren.

Wie auch immer: Renee’s persönliche Wrestling-Historie beginnt in den 90ern genau so, wie man sich das als Außenstehender vorstellt: Sie sieht die amerikanischen Superstars im Fernsehen und versucht die halsbrecherischen Moves in einem Turnsaal auf einem Weichboden nachzustellen. Aus dem losen Hobby wird eine regelmäßige Obsession. Als ein Freund auf die neugegründete Wrestling School Austria von Humungus und seinem Kompagnon Romeo hinweist, gehört Renee – mittlerweile auch im Leistungs- und Kraftsport engagiert – zu den ersten, die sich professionell ausbilden lassen.

XDreams erste Schritte auf den Brettern, die zwar nicht die Welt aber immerhin eine ausgefallene Show bedeuten, leiten eine Trainer-Schützling-Beziehung ein, die seit nunmehr einem Jahrzehnt hält und viele Höhen und Tiefen durchgemacht hat. Mit „Tiefen“ meint XDream keine sportlichen Jammertäler.

2005 konterkariert Renee die Klischees der derben, un-verwüstlichen, oberflächlichen Wrestling-Kultur und schlittert in eine fundamentale Lebenskrise, die mit Arbeitslosigkeit und sozialer Isolation einhergeht. Was genau die österreichische Damen-Nationaltrainerin so aus der Bahn geworfen hat, möchte sie nicht erzählen.

Eigentlich eine Lüge meinerseits – denn sie erzählt es, verbietet mir aber, darüber zu schreiben.

Nur so viel: Die Reaktionen der vermeintlich knallharten Fighter-Kollegen auf XDreams private Probleme zeigen, dass im Wrestling grundsätzlich nichts so ist, wie man es vermuten würde. Der bis zur Glatze tätowierte Humungus avanciert von der sportlichen zur menschlichen Stütze. „Der Chef ist für mich eher Mentor als Trainer“, wie XDream immer wieder betont. Und auch sonst hält das WSA-Umfeld zu seinem weiblichen Aushängeschild.

Es dauert ein bisschen – genau genommen zwei Jahre – bis Renee wieder Fuß fasst. Eine schwere Schulter-Verletzung macht die Chose nicht weniger kompliziert.

Ihren Re-Start leitet sie mit neuem Image, neuem Künstlernamen und neuer Kostümierung ein.

Das Pseudonym „XXXDream“ mit seinem pornografischen Querverweis soll zum Sinnbild eines sexualisierten Wrestling-Traums werden. Doch schon bald merkt Renee, dass das Publikum in ihr nicht den geilen „Face“ sondern den femininen „Heel“ sieht. Aus XXXDream wird nun XDream, diesmal Sinnbild für eine extreme und vor allem surreale Wrestling-Identität. Mittlerweile ist sogar die Ergänzung „Böse Tante“ hinzugekommen – ein Tribut an das Bad Girl-Image und die private Liebe zur deutschen Hardrock Formation Böhse Onkelz.

Im Hier und Jetzt bestreitet XDream de facto keine Kämpfe mehr.

Das hat mehrere Gründe:

Zum Einen, fühlt sich Renee noch nicht hundertprozentig in Form – ein Umstand, der auch mit ein paar missglückten Fights im Jahr 2009 zu tun hat. Eines dieser „Fehl-Bookings“ fand im Juni vor dem Wiener Ernst Happel Stadion statt. XDream musste damals gegen Nachwuchstalent Angel (sie wissen schon: die, die nicht mehr beim Training auftaucht) antreten und bezahlte das ungleiche Kräftemessen mit massiven Schmähungen aus dem Publikum. Als auch noch ein Security in den beleidigenden Chor einstimmte, spuckte XDream dem – eigentlich zur Sicherheit der Wrestler abgestellten – Riegel einen kräftigen Schluck Mineralwasser ins Gesicht. Die Aktion endete mit einer Beinahe-Schlägerei im Backstage-Bereich. Soviel zum Professionalitätsgrad der heimischen Szene. Zum Anderen fehlen schlicht und ergreifend Gegnerinnen. Und das Booken von internationalen Kontrahentinnen kostet einfach zu viel Geld, zumal auch österreichische Zugpferde fehlen, die das Investment wieder einspielen. Es steht also nicht gut, um das heimische Frauen-Wrestling. Während der Sport in Japan ganz groß ist und auch in den USA eine vitale Subkultur existiert, macht sich im kleinen Österreich Stagnation breit.

Was also tun, um die One-Woman-Show wieder in breitere Bahnen zu lenken?

5.

Im Training ist Humungus nie um eine Anweisung verlegen. Sportliche und theatralische Einwürfe halten sich die Waage: So müssen die schmächtigen Youngsters nicht nur gute Kampfsportler sondern auch gute (Achtung: Castingshow-Unwort) „Performer“ sein. Man könnte fast meinen, Gerhard Hradil hat sich ein paar Tricks von seinen Burgtheater-Regisseuren abgeschaut. Wie ein selbstgefälliger Maestro streunt er rund um die Trainingsmatten. Wenn ein juveniler Revoluzzer aufmuckt, wird der Chef laut und begründet seine Autorität auch mal mit einem pathetischen „That’s why I am fucking Humungus“. Auch wir sind vor Hradil’s Omnipräsenz nicht gefeit. Ich kassiere einen Anschiss, weil ich mit Straßenschuhen durch den heiligen Ring gehen will – Fotograf Daniel Shaked macht sich unbeliebt, als er eigenmächtig versucht, ein Poster abzuhängen.
Wenn es um Strategien gegen den akuten Wrestlerinnen-Mangel geht, ist der WSA-Boss etwas weniger forsch.
Seine Problemanalyse ist, ganz im Sinne der wrestling-typischen Zweigesichtigkeit, präzise und reflektiert vorgetragen:
„Erstens: Wrestling ist irrsinnig anstrengend. Man muss viel essen, ist muskulös und oft auch fett. Das führt mich zu zweitens: Inwieweit Wrestling typisch weiblichen Attributen schmeichelt, sei dahingestellt – das finden auch viele abschreckend. Drittens: Ich muss mich ständig im engsten Ganzkörperkontakt auf einer Matte herumwälzen. Im Training passiert das oft mit Männern – das ist auch ein abschreckendes Moment. Und viertens: Andere Kampfsportarten haben es geschafft, sich durch den Selbstverteidigungsaspekt bei Frauen zu vermarkten – das ist bei Wrestling weniger der Fall.“
Mittlerweile intensiviert die Wrestling School Austria ihre Suche nach weiblichen Talenten. So findet sich sogar in Renees E-Mail-Signatur ein Hinweis, dass „die Fem Pro Wrestlerin Boehse Tante XDream“ Nachwuchs sucht. Wenn sie als faq-Leserin also „an Wrestling interessiert sind, gerne im Mittelpunkt stehen und sich gerne prä¬entieren“, sind Sie „zu einem gratis Probetraining im WSA Trainingscenter Hofenedergasse 3, 1020 Wien eingeladen“. Womit auch dem Versprechen, ein bisschen die Werbetrommel für die WSA zu rühren, Genüge getan worden wäre.

6.

Irgendwie wirkt Renee wie ein Fremdkörper, wenn Sie im Keller der WSA etwas abseits auf der Couch sitzt, neben ihr Humungus, der in leisem Tonfall auf sie einredet, nur zwei Meter entfernt vier junge Männer, die für einen Traum schwitzen, der sich für XDream längst erledigt zu haben scheint.
Introvertiert ist sie, ruhig, übervorsichtig – genau das Gegenteil jener Kunstfigur, deren Verkörperung sie im Ring Kampf für Kampf hinterherhechelt. Nichts ist wie es ist, im Wrestling – das haben wir mittlerweile gelernt. Abschließend machen wir Fotos in der WSA. Vor Betreten des Kellers gehe ich noch mit meiner Hündin spazieren während Fotograf Daniel Shaked schon mal alles vorbereitet. Als Humungus hört, wo ich bin, poltert er los: „A Hund kummt ma garantiert net eine. Ich hasse Hunde!“

Mit fünf Minuten Verspätungen steige ich ins Souterrain hinunter – meine Hündin im Schlepptau.
Humungus sagt kein Wort.
Das ist das entscheidende Prinzip: Einmal kräftig aus-holen und dann knapp vor der Nase abbremsen. Ob es XDream noch einmal anwendet, steht in den Sternen.

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