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¡Colombia!

Das noch in manchen Köpfen verankerte schlechte Image Kolumbiens samt der Nachrichten über FARC, Drogengeschäfte und die (mittlerweile gesunkene) Mordrate in Medellín bedarf einer Berichtigung!

EINE FOTOGRAFISCHE REISE VON CAROLA LEITNER

Angesprochen wird man auf den Straßen Kolumbiens in hoher Häufigkeit, aber nicht – wie vielleicht vermutet – wegen eines Kokaindeals, sondern weil nachgefragt wird, woher man komme und wie es einem hier gefalle. Das anfängliche Misstrauen mancher Reisender gegenüber Land und Leute verschwindet langsam. Die Schauergeschichten von stattgefundenen Überfällen, verschwundenem Gepäck, Drogengeschäften und schlimmeres sind allgegenwärtig – im Ausland. Viele Kolumbienreisende sind Einheimische, die ihr Heimatland kennen lernen wollen. In den touristischen Zentren wie dem Ausgehviertel Parque Lleras in Medellín findet sich eine hohe Konzentration von partyhungrigen, musizierenden und kiffenden Backpackers in den Unterkünften. Aber ebenso ist dieses Areal ein kleines feines Shoppingparadies mit vielen Designerläden, die neue junge kolumbianische Labels vertreiben. Die Blick vom Torre Colpatria bietet einen grandiosen Rundumblick auf Bogotá. Jeden Sonn- und Feiertag findet in Bogotá die Ciclovía statt: 120 Kilometer des Straßennetzes werden ausschließlich für Radfahrer, Skater, Spaziergänger und Co freigegeben. Bogotabiketours bietet geführte Touren an. Man kann die Stadt auch allein erkunden, in manche der besuchten Zonen, wie das Rotlichtviertel, sollte man jedoch keineswegs allein radeln. Ruhesuchenden sei das idyllische Salento empfohlen. Die kleine Ortschaft ist der ideale Ausgangspunkt zu einer Jeepfahrt inklusive Wanderung ins Valle de Cocora, das mit seinen 60 Meter hohen Wachspalmen einzigartig ist. Ausritte in die Zona Cafetera lohnen sich – je nach Mut und Können des Reiters. Im „Rincón de Lucy“ lässt es sich gut zu Mittag essen. Die Trucha (Forelle) gibt es in unterschiedlichsten Variationen. Karte gibt es keine, aber der Chef rattert gerne und schnell das Menü des Tages runter ...

Die historische Hafenstadt Cartagena hat in jüngerer Zeit wieder mehr von seiner einstigen Bedeutung gewonnen: es beherbergt den zweitwichtigsten Hafen des Landes und hat sich zum touristischen Ziel ersten Ranges entwickelt. Seit 1985 zählt die Stadt zum UNESCO Kulturerbe: Cartagena gilt als die schönste koloniale Hafenstadt Amerikas. Ihr Wahrzeichen ist die beinahe vollständig erhaltene Stadtmauer. Die Pferdekutschen in den malerischen Gassen und die schönen alten Häuser vermitteln fast schon kitschigen Postkartenflair. Von Cartagena aus starten viele zur Isla de Providencia, das etwa 700 Kilometer vor dem Festland liegende Eiland ist via Flugzeug zu erreichen, der Seeweg dauert eine kleine Ewigkeit, oder zur Playa Blanca einem der schönsten Strände des Landes. Wobei der entspannende Strandbesuch durch den möglichen hohen Wellengang bei der Bootsrückfahrt die Entspannung beeinträchtigen kann. Eine Anreise auf dem Landweg ist zwar möglich, aber nicht sonderlich ratsam – zu weit, zu lang, zu heiß.

Der Karneval in Baranquilla ist weltweit der drittgrößte, nur übertroffen von Mardi Gras in New Orleans und dem Carnaval do Rio in Brasilien. Im Februar wird aber zur richtigen Zeit nicht nur halb Baranquilla für die Feierlichkeiten gesperrt, sondern auch in den umgebenden Orten finden Umzüge und Festlichkeiten statt: an jeder Ecke wird getanzt, getrunken und gefeiert. Der Trubel ist ansteckend und die Kolumbianer sind stolz auf ihre Tradition. Den Touristen, die sich beim Karneval unter die Einheimischen mischen, werden Hüte aufgesetzt und Getränke angeboten. Hier wie auch anderswo erfährt man von den Kolumbianern Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Touristen sind gern gesehen – blieben sie doch aus Sicherheitsgründen über einen langen Zeitraum weitgehend aus. Als leicht erkennbarer Nicht-Kolumbianer ist man beliebte Zielscheibe und oft gewähltes Opfer harmloser Angriffe aller Art wie Wasserbomben, Maizenaschlachten über Sprühschaumattacken. Wer es lieber etwas gesitteter mag, leistet sich einen Sitzplatz auf einer der vielen Zuschauerbühnen. Von diesen, deren Manko vielleicht die ungewohnte Lautstärke der Beschallung darstellt, hat man einen guten Blick auf das wohl farbenprächtigste und ausgelassenste Fest Kolumbiens. Den Auftakt bildet die Batalla de Flores, ein Umzug entlang der Via 40. Abseits der übervollen Straßenzüge mit den kleinen Ständen, wo Essen und Getränke angeboten werden, geht es ruhiger zu. Wenngleich auch hier in den Hinterhöfen und Vorgärten bei leckerem Essen und gut gekühltem Bier gefeiert – oder auch ferngesehen wird. Die Bildschirme zeigen die Umzüge, die nur wenige Straßen weiter zeitgleich stattfinden. Zu Zeiten des Karnevals sind viele Unterkünfte ausgelastet, dennoch lässt sich immer etwas finden. Bei der Hinreise nach Baranquilla ist mit Wartezeiten in den Busbahnhöfen zu rechnen. Die Schlangen, die sich an den Ticketschaltern bilden, sind lang, aber man kommt schnell mit den Wartenden ins Gespräch. Problematisch wird es möglicherweise beim Versuch die Karnevals-Stadt zu verlassen. Hat man ein freies Taxi gefunden, heißt das noch nicht, dass es auch den Weg aus den zahllosen Absperrungen findet und man selbst einen Bus in die richtige Richtung.

Die Ciudad Perdida, die verlorenen Stadt, zählt neben Machu Picchu zu den größten wieder-entdeckten präkolumbischen Städten Südamerikas. Die Anlage besteht aus etwa 200 ovalen und runden Terrassen, die durch Steinwege miteinander verbunden sind. Erreichbar ist sie zu Fuß durch den Dschungel und ausschließlich mit geführten Touren. Für die dicke Börse bietet sich die Möglichkeit via Helikopter die Anstrengung der Anreise zu mindern. Die Länge des lohnenswerten Marsches beträgt ca. 20 Kilometer – dies klingt für eine 5-Tages-Tour gut bewältigbar, ist aber in Anbetracht der ungewohnten Temperaturen nicht unanstrengend. Die Guides sprechen meist kein Englisch, dafür die Sprache der dort lebenden Kogi-Indianer. Der Besuch der Ciudad Perdida bei Sonnenaufgang ist ein einzigartiges Erlebnis, das man aufgrund der Strapazen, die viele abschrecken, nur mit wenigen teilen muss. Vor etwa 30 Jahren wurde auf den Terrassen Marihuana angebaut. Die früher angespannte politische Lage in der Region hat sich entschärft. Medellín ist die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Im Museo de Antioquia und auf der Plaza Botero sind zahlreiche Werke von Fernando Botero zu sehen. Neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten sind die Riesen-Freiluftrolltreppe im Stadtviertel Comuna und die Seilbahn in die Armenviertel Santo Domingo und San Javier einen Besuch wert. Die ehemals gefährlichste Stadt der Welt präsentiert sich heutzutage neu – man muss nur hinschauen!
  

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