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Der letzte Emotionale auf der Baustelle

Im Jahr 2002 gründeten Guido Trampitsch und Thomas Bärtl gemeinsam mit Michael Prodinger das Architekturbüro Söhne & Partner. Seit 2012 leiten Bärtl und Trampitsch das Büro zu zweit und verwirklichen Projekte im In- und Ausland.

Gibt es eine Geschichte zum Söhne & Partner Logo? Wie kann man die Form deuten?

Trampitsch: Das Logo hat Spirit Design damals für uns entwickelt. Die haben das Branding gemacht. Es gab lange Diskussionen, ob wir ein Wort, ein Bild oder eine Bild-Marke wählen. Wir haben uns für ein Wort-Bild entschieden. Wir waren ja ursprünglich bei der Bürogründung zu dritt.

Bärtl: Deshalb dieses Dreieck in der Mitte, an das wiederum drei Formen anschließen. Das kann man auch als erweiterbare Form sehen, sozusagen ein Bienenwaben-Logo.

Es wurden bereits einige internationale Projekte verwirklicht, wo immer auch mit Partnern vor Ort gearbeitet wurde. Wie verläuft da die Auswahl der Partner?

Trampitsch: In Äthiopien beispielsweise haben wir uns vor Ort einen Wettbewerbspartner gesucht. In Dubai gab es einen österreichischen Partner. Vor Ort haben wir uns dann noch ein Subunternehmen gesucht, welches aber nicht als kreativer Partner fungierte. Es ist in jedem Fall immer eine große Kunst, den richtigen Partner zu finden, das kann natürlich auch scheitern. Das ist ein Geben und Nehmen, die Balance muss natürlich stimmen. Gerade im internationalen Kontext ist das insofern schwieriger, da noch andere Faktoren dazu kommen: unterschiedliche Sprachen, die räumliche Entfernung, ein divergierendes Verständnis von Design, kulturbedingt abweichende Herangehensweisen.

Bärtl: Grundsätzlich ist eine Partnerschaft ein Kompromiss. Man muss das Gefühl einer Ausgewogenheit haben, beide Teams müssen in ihren Freiheiten arbeiten können, aber doch ein gemeinsames Ziel verfolgen. Wenn das nicht der Fall ist, geht das früher oder später in die Hose.

Was macht den Reiz internationaler Bautätigkeit aus?

Trampitsch: Es ist vor allem spannend von anderen Leuten und Kulturen zu lernen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Es ist auch spannend, neue Herangehensweisen von anderen Personen zu sehen, wie sie designen, wie sie ein Projekt managen und technisch abwickeln.

Bärtl: Es ist auch gut, ab und zu über das kleine Österreich hinwegzuschauen. Man hat dadurch einen größeren Spielraum um den eigenen Horizont zu erweitern.

Wie werden die Orte oder die Leute für ein Projekt ausgesucht?

Bärtl: Die Orte können wir uns leider nicht aussuchen. Das Projekt auf den Seychellen beispielsweise hat sich über den selben Bauherrn ergeben, mit dem wir in den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet haben.

Trampitsch: Das war auch zu einer speziellen Zeit in den Arabischen Emiraten. Gerade in Dubai gab es damals einen irren Bauboom. Das hat sich dann im Laufe der Zeit mit der Wirtschaftskrise geändert. Von den vielen, vielen Projekten und Entwürfen, die wir da gemacht haben, ist in Wahrheit eines in Verwirklichung.

Ist es Erfahrungssache, welchen Projekten man dann wie viel Zeit und Raum gibt und wie lange man ihnen nachgeht?

Trampitsch: Man kriegt mit der Zeit ein ganz gutes Gefühl dafür, beziehungsweise sollte man ein gutes Gefühl dafür haben, um abschätzen zu können, wie viel Energie ein Projekt wert ist.

Bärtl: Vor allem muss man auch darauf schauen, dass man etwas dafür kriegt. Wenn man schaut, dass man was kriegt dafür, können es ja hundert Projekte für die Schublade sein. Wenn es aber hundert Projekte für die Schublade sind und man kriegt gar kein Geld dafür, dann wird es schwierig.

Das ist ja auch die Gefahr des Architektur-Wettbewerbsystems ...

Bärtl: Das ist schon eine Gefahr für Architekten, diese Struktur und der Prozess des ständigen Wettbewerbs. Vom Studium weg wird ohne Einkommen gearbeitet, um Wettbewerbe zu machen. Aber da kommt man nicht weit, man muss irgendwann auch etwas bezahlt kriegen.

Müsste da nicht auch von Seiten der Architekten gehandelt werden?

Bärtl: Sicher. Es gibt zudem wenige Wettbewerbe und bei den Wettbewerben die ausgeschrieben werden, machen hundert Architekturbüros mit. Architekten geben sich viel zu billig für Wettbewerbe her, wenn man bedenkt, was da an Arbeit drin steckt.

Trampitsch: Das ist generell ein schwieriges System in der Architektur. Die offenen Wettbewerbe sind natürlich sinnvoll, weil junge Leute oder kleinere Büros eine Chance haben, überhaupt zu Aufträgen zu kommen. Andererseits ist es ein Verheizen von Ressourcen. Und auch geladene Wettbewerbe haben ihre Vor- und Nachteile, da läuft dann viel über Beziehungen. Es ist ein schwieriges Thema.

Ihr habt einige Skyscraper geplant. Was macht den Reiz solcher Projekte aus?

Bärtl: In Dubai war die Herausforderung die Vielfalt an Entwürfen, die nebeneinander gewürfelt stehen. Es gibt dort Unmengen solcher Türme, die nach dem Baumeisterprinzip entstehen: ‚Hier ist meine Mappe mit fertigen Türmen, wie wäre es mit der venezianischen Ausführung?‘

Trampitsch: Mich reizt die Technik, das ist fantastisch. Ich designe auch gerne die Hülle, aber das spannendste ist die vertikale Maschinerie dahinter. ... 

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