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© Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris

Der entscheidende Augenblick

„Die Wirklichkeit bietet sich in einer solchen Überfülle dar, daß man nur hineinzugreifen braucht, um vereinfachend und sichtend etwas herauszuholen.“
Henri Cartier-Bresson (1908–2004)

Ich hatte immer eine Leidenschaft für die Malerei. Als Kind malte ich jeden Donnerstag und Sonntag und träumte die ganze übrige Woche davon. Ich besaß zwar auch, wie viele Kinder, eine Brownie Box, aber ich benutzte sie nur von Zeit zu Zeit, um Photoalben mit Schnappschüssen aus den Ferien anzufüllen. Erst sehr viel später fing ich an, etwas verständnisvoller durch den Apparat zu blicken. Meine kleine Welt begann sich auszuweiten, und die Zeit der Ferienphotos war vorbei.

Außerdem gab es das Kino: Die Geheimnisse von New York mit Pearl White, die großen Filme von Griffith, Broken Blossoms, die ersten Filme von Stroheim, Greed, die Filme Eisensteins (Panzerkreuzer Potemkin) und Dreyers Jeanne d’Arc. Sie lehrten mich sehen.

Später lernte ich dann Photographen kennen, die noch Abzüge von Atget besaßen. Diese machten mir großen Eindruck, und ich kaufte mir daraufhin ein Stativ, ein schwarzes Tuch, eine 9x12-Kamera in einem Nußbaumgehäuse und mit einem Verschluß, den man mit der Hand auf- und absetzte. Dank dieser Besonderheit konnte ich mich nur mit Motiven beschäftigen, die sich absolut ruhig verhielten. Alle anderen Sujets waren entweder zu kompliziert oder kamen mir zu „amateurhaft“ vor – ich glaubte mich ganz der „Kunst“ zu weihen. Das Entwickeln und Abziehen besorgte ich selbst, in einer gewöhnlichen Waschschüssel, und diese Bastelei machte mir großen Spaß. Ich hatte kaum eine Ahnung davon, daß manche Papiere weicher waren und andere die Kontraste stärker herausbrachten; das interessierte mich auch nicht so sehr. Aber wenn überhaupt keine Bilder herauskamen, war ich wütend.

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Die umfassende Retrospektive „Henri Cartier-Bresson“ findet von 12.Februar bis 9.Juni 2014 im Centre Pompidou (Galerie 2), Paris, statt.

Fünf Monografien aus dem Verlag Schirmer/Mosel:
Henri Cartier-Bresson. Sein 20. Jahrhundert. € 58,00
Wer sind Sie, Henri Cartier-Bresson? Das Lebenswerk in 602 Bildern. € 39,80
Henri Cartier-Bresson. Meisterwerke. € 6,95
Henri Cartier-Bresson. Der Schnappschuss und sein Meister. € 14,80
Henri Cartier-Bresson. Á propos de Paris. € 19,80

www.schirmer-mosel.de
 

Tags:

  • Fotos: Henri Cartier-Bresson © Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris
  • Issue: 26
  • Keywords: Art, Photography