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Design-Impressionen

Text: Peter Schernhuber Fotos: MAK

Anlässlich seines 150-jährigen Bestehens blickt das MAK im Rückspiegel nach vorne. Für die Ausstellung „Vorbilder“ haben neun markante Stimmen des Gegenwartsdesigns in der ehrwürdigen MAK-Sammlung gestöbert und sich zu Ausstellungsbeiträgen inspirieren lassen.  

Um als Institution ein Jubiläum zu feiern, kann man unterschiedliche Formen wählen. Oder aber man verzichtet auf nichts und wählt jenes Medium, das sämtliche Möglichkeiten – vom bewegten Bild über Audio und Text bis hin zu begleitenden Gesprächen – zulässt. Die Ausstellung „Vorbilder“ im MAK bietet derzeit eine Design-Totale ohne dabei stupide Objekte aneinanderzureihen. Steht man vor dem markanten Bau des Museums für Angewandte Kunst, so braucht es einen genaueren Blick, um das die Fassade umlaufende Fries zu entdecken. Künstler der Renaissance sind hier in Reliefs als Agenten der Geschichte des Kunstgewerbes, wie Design früher bezeichnet wurde, zu sehen. Die Filmemacher Pavel Cuzuioc und Michael Schindegger haben in ihrer Arbeit Das Band die Darstellungen auf Heinrich von Ferstels programmatischem Ringstraßenbau (1868–1871) aufgenommen und sie als Video an den Beginn der Ausstellung gestellt. Es ist kein fortlaufendes Band, das die beiden zeigen. Der Screen ist in mehrere Bildabschnitte unterteilt, die honorigen Herren sind als Bricolage aneinander montiert. Die am Eingang stehende Installation fasst stellvertretend das von Gastkuratorin Tulga Beyerle und MAK-Kurator Thomas Geisler entworfene Ausstellungskonzept zusammen: Es geht um das Zusammenwirken des Erbes alter Meister mit neuen Technologien und dem nonlinearen Verlauf der Geschichte – jener des Hauses am Ring, der Institution Museum und seiner Objekte. Und es geht um Personen der Geschichte und womöglich der Zukunft. Neun diskursprägende Akteure waren eingeladen, in Beiträgen über Teilaspekte dessen, was gegenwärtig Design sein kann, zu sinnieren. Zusammengedacht ergibt sich ein widersprüchliches und dichtes Panoptikum.

Der Kurator Jan Boelen kommt für seinen Beitrag etwa mit nur einer Kommode aus. In drei mal drei Schubladen wirft der Designexperte Themenfelder des Social Design auf. Sein Kästchen erinnert dabei an eine Renaissance-Wunderkammer (oder auch jene Mini-Setzkästen, in die man Überraschungseier-Figuren oder Radiergummis drapiert). Nichts anderes macht „Vorbilder“. Jeder der neun Experten hat einige wenige Artefakte versammelt, an denen Fragen, die das MAK beschäftigten, beschäftigen und beschäftigen sollten, kristallisieren. Für sich genommen sind die Objekte stille Dokumente, ähnlich der Knex- und Lego-Spielbausteine, die in einer von Jan Boelens Schubladen zu sehen sind. Free Universal Construction KIT heißt eine Designentwicklung, die mithilfe 3D-gedruckter Bindeglieder die unterschiedlichen Systeme kompatibel macht. Jan Boelens kleine Metapher auf die Funktionsweise von gutem Design zieht sich auch durch die Ausstellung. Aufgezeigt werden die Querverbindungen, Entwicklungsstränge, Brückenschläge und Parallelläufe der Designgeschichte. Im Zentrum stehen das Prozesshafte und Impulsgebende.

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