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So viel Spaß muss sein

Text: Pamela Jahn Fotos: Filmladen

In seinem neuen Film „Maps to the Stars“ rechnet David Cronenberg bitterböse mit Hollywood ab und beweist dabei einmal mehr seinen delikaten Sinn für Humor und Präzision. 

In den mittlerweile 45 Jahren seiner Karriere als Regisseur haben sich die Filme von David Cronenberg gewandelt wie kaum ein anderes Blatt: von experimentellen Arbeiten (Stereo, Crimes of the Future) über extrem physischen Horror (Shivers, Rabid, The Brood) bis hin zu delikaten Familienaffären (A History of Violence, Eastern Promises) und höchst eigenwilligen Art-House-Mainstream-Hybriden (M. Butterfly, A Dangerous Method). Das eigentlich Faszinierende daran ist jedoch, dass die Filme des 71-jährigen Kanadiers trotz aller Eigenwilligkeit eine bemerkenswerte stilistische Homogenität und thematische Verbundenheit aufweisen und sich gleichzeitig konsequent jeglichen filmischen Moden widersetzen. Cronenbergs Begeisterung für die Art und Weise, wie körperliche Deformationen mit physischen in Verbindung stehen, ist in The Fly so präsent wie in seiner surrealen Meditation über William Burroughs’ Naked Lunch, während seine Leidenschaft für Autos und Geschwindigkeit sowohl in dem selten gezeigten Actionfilm Fast Company als auch in der berühmt-berüchtigten Adaption von J. G. Ballards Klassiker Crash ihren Ausdruck findet. Seit kurzem scheint sich daraus eine besondere Vorliebe für Limousinen zu kristallisieren, wie man unlängst in Cosmopolis bestaunen durfte, in der ein so bleicher wie agiler Robert Pattinson als junger Finanzberater Eric Packer im Fond einer edlen, komplett ausgestatteten Stretchlimousine durch Manhattan gondelt, während er seinen alltäglichsten Geschäften nachgeht, vom Börsencheck über Sex bis hin zum Wasser lassen – und das stets mit derselben Gleichgültigkeit im Blick.

Doch auch einzeln betrachtet erweisen sich Cronenbergs Filme als nicht weniger stimmig und virtuos in ihrer unbeirrt makellosen Mise en Scène, die dafür sorgt, das sämtliche Ereignisse auf der Leinwand immer mit derselben ruhigen Präzision vor den Augen des Zuschauers ablaufen. Das mag ironisch erscheinen, wenn man bedenkt, dass seine Helden nicht selten damit zu Kämpfen haben, ihre mühsam konstruierten Welten vor dem absoluten Chaos zu bewahren. Tatsächlich geht jene innere Distanziertheit des Regisseurs Hand in Hand mit einer intensiven emotionalen Bindung zu seinen Figuren, was vermuten lässt, dass Cronenberg selbst nicht weniger als sie darum bemüht ist, seinen sorgfältig arrangierten künstlerischen Raum vor den Gefahren emotionaler Unordnung und Entgleisung zu bewahren.

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