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Prinzip Destruktion

Text: Roland Schöny Fotos: Press

Die Verletzung des Körpers als Kunstwerk

Das gesteigerte Interesse an Konzepten der Demontage, der Zerstörung und schließlich auch Verletzung des eigenen Körpers in der Kunst seit den 1950er Jahren reflektiert das breit angelegte Ausstellungsprojekt „Damage Control“, das in Graz gleich an zwei Orten über die Bühne geht: Im Kunsthaus und im Bruseum, das rund um das Werk von Günter Brus als einem der wichtigsten Vertreter dieser radikalen Strömung performativer Kunst aufgebaut ist. Auch wenn es oft sehr vereinzelte und zutiefst persönliche Aktionen waren, muss die Art of Destruction vor dem Hintergrund von zwei Weltkriegen, von industrieller Massenvernichtung und des realen Einsatzes der Atombombe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelesen werden.

Und der nächste logische Schritt wäre dann der Suizid gewesen. Von zumindest zwei der extrem selbstverletzenden Aktionen des Günter Brus (*1938 Ardning) wird dies behauptet. Es war dies die „Zerreißprobe“ am 1. Juli 1970 im Aktionsraum München und zuvor „Der helle Wahnsinn“ im Reiffmuseum Aachen (1968), wo Brus so weit an die Grenzen ging, dass er seinen eigen Körper in zwei länglich verlaufenden Schnittwunden aufritzte bis sich parallele Linien aus fließendem Blut bildeten. Währenddessen quälte sich der New Yorker Künstler Stephen Laub (*1945) in seiner Performance „Smile Support“ (1969) ein Lächeln ab, indem er sein Gesicht mit an den Mundwinkeln befestigten Schnüren und daran hängenden Gewichten so abspannte, dass Lippen und Wangen nach außen hin gezerrt wurden. Durch die außergewöhnliche Belastung des Körpers und den sichtlich zugefügten Schmerz schien dieser Performance jegliche Ironie abzugehen. Sie lässt sich auch als Kommentar zu den gesellschaftlichen Verhältnissen draußen zur Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg verstehen. Dennis Oppenheim (*1938, Electric City – 2011, New York) wiederum schob sich einen Speil, ein dünnes Stäbchen aus Holz, langsam, wie in Zeitlupe unter die Haut; ein selbst für das heute bloß mit der Dokumentation konfrontierte Publikum höchst schmerzhaft wirkender Vorgang.

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 
  

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