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Unbegrenzter Eigensinn

Seit vier Jahrzehnten sind die Sparks Aushängeschilder für individuellen, witzigen und einzigartigen Pop. Nun vereinen sie sich unter dem Kürzel FFS für ein Album und eine Tour mit den schottischen Gitarrenpophelden Franz Ferdinand. Ein Musterbeispiel für generationenübergreifende Befruchtung.

Manche Ehen werden im Himmel geschlossen, andere am Wirtshaustisch. Im Fall der Zusammenarbeit zwischen den ewigen Kritikerlieblingen Sparks und den ehemaligen Trendsettern Franz Ferdinand fing alles beim Mittagessen in Los Angeles vor elf Jahren an. Alex Kapranos hatte zuvor in Interviews seine Ehrerbietung für die Sparks bekundet und so traf man sich zum Lunch. Russel Mael, die Stimme der Sparks, erinnert sich dunkel: „Wir wussten nicht viel von ihnen, aber uns gefiel ihr Kunst- und Stilverständnis und wir dachten, dass es ganz interessant wäre, mit Ihnen zu arbeiten.“ Man ging freundlich auseinander und versicherte einander, dass man unbedingt zusammen etwas produzieren solle. Dann vergingen zehn Jahre wie im Flug.

In diesen zehn Jahren sicherten Russel und Ron Mael ihren Rang als elder statesmen des fortgeschrittenen Pop. Ihre Karriere verlief, wenn man den Verkaufszahlen glauben darf, immer knapp oberhalb der Wahrnehmungsschwelle, dem Begriff Popstar wurden sie aber nie gerecht. Sie schafften mit „This Town Ain’t Big Enough For Both Of Us“ und „When Do I Get To Sing My Way“ zwei Hits in einer Karriere, die 1972 begann und noch lange dauern wird. Aber als amerikanische Künstler, die Humor besitzen, ihr geliebtes Los Angeles selten verlassen, ihr Arbeitstempo selbst bestimmen und Songs singen, die auch einmal aus dem Blickwinkel eines Spermiums oder von Mickey Mouse erzählt werden, ist es nicht verwunderlich, dass die größte Anzahl der Fans in England beheimatet ist. Die grundsätzliche Aufteilung ist in all den Jahren immer gleich geblieben: Russel Mael singt, Ron Mael, dessen Bühnenpersönlichkeit bei Buster Keaton in die Lehre gegangen ist, schreibt die Songs und sitzt meist stoisch hinter den Tasten. Bei jedem Konzert gibt er eine kurze Tanzeinlage zum besten, die auch als Skigymnastik durchgehen würde, und zieht sich dann sofort wieder auf seinen Stuhl zurück. Auf die Frage, wie man es als Band schafft, nicht zum eigenen Tribute-Act zu verkommen, wie etwa die Rolling Stones, hat Russel Mael eine ebenso gescheite wie höfliche Antwort parat: „Das wäre furchtbar für uns. Die erwähnte Band hat eine unglaubliche Geschichte hinter sich, aber sie schauen nicht nach vorne. Sie wirken etwas müde und wollen nichts mehr beweisen. Das ist der Hauptunterschied. Wir denken, dass wir unser Opus magnum noch nicht erschaffen haben und wollen unser Image von uns wie wir zu spielen haben und was wir zu spielen haben, immer verändern und brechen. Wir wollen keine Popband sein, die nur Erwartungen erfüllt.“ Wie man Erwartungen übererfüllt zeigten sie 2008, als sie alle ihre damals 21 Alben in chronologischer Reihenfolge an aufeinanderfolgen Abenden in London (wo auch sonst?) aufführten und begeisterte Kritiken einfuhren.

Im April 2013 traf Kapranos die Brüder Mael auf der Straße in San Francisco wieder. Er war eigentlich auf der Suche nach dem Zahnarzt, den ihm der Tourmanager von Huey Lewis empfohlen hatte, als er die Stimme von Ron Mael hörte. Die alte Freundschaft wurde aufgefrischt und diesmal bald darauf wirklich Ideen und Dateien ausgetauscht. Wie es sich für eine widerborstige und sich der eigenen Widersprüche immer bewussten Band gehört, war der erste Song der fertiggestellt wurde, „Collaborations Don’t Work“. Ein Manifest, das natürlich dazu aufruft widerlegt zu werden. So war es bald klar, dass ein gemeinsames Album im Entstehen ist. Eine Woche vor Beginn der Aufnahmen in London trafen sich die Bands und es zeigte sich, dass die Stimmen von Alex Kapranos und Ron perfekt zueinander passten. Auch wenn die Sänger der Sparks meint, dass „FFS nicht nach Franz Ferdinand und nicht nach den Sparks klingen, sondern wie eine komplett neue Band“, so dominiert natürlich das Songwriting von Ron Mael und das Popverständnis der Sparks. Aber es ist Franz Ferdinand hoch anzurechnen, dass sie sich darauf einlassen und vor allem für musikalische Eingängigkeit sorgen. Dazu kommt noch, dass die schottische Klarheit und Deutlichkeit eindeutig auf Songs wie „Piss Off“ Einfluss genommen hat. Dadurch werden die Maels wieder in eine Richtung gedrängt, die niemand von ihnen erwartet hat – und so erfüllen die Sparks wieder einmal ihre eigenen Vorstellungen.


FFS (Domino / Goodtogo)
FFS Live: 1.Juli Köln, Gloria, 10.Juli Pohoda Festival, Trencin, SK

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