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Alptraumfabrik

„Trumbo“ wirft einen kritischen Blick auf ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte Hollywoods.

Das Leben hätte für Dalton Trumbo eigentlich nicht viel besser verlaufen können. Nachdem er sich als Journalist und Schriftsteller mit Romanen wie „Eclipse“ und „Johnny Got his Gun“ einen Namen machen konnte, begann er Drehbücher zu verfassen. Trumbo avancierte rasch zu einem der gefragtesten Autoren Hollywoods, die von ihm verfassten Skripts wurden von so bekannten Regisseuren wie Sam Wood (Kitty Foyle, 1940), Edward Dmytryk (Tender Comrade, 1943), Victor Fleming (A Guy Named Joe, 1943) oder Mervyn LeRoy (Thirty Seconds Over Tokyo, 1944) verfilmt. 1947 – hier setzt Trumbo ein – zählte er zu den bestbezahlten Drehbuchautoren der Traumfabrik. Als Dalton Trumbo zur Unterzeichnung eines neuen Vertrags von Louis B. Mayer, dem mächtigen Studiochef von Metro-Goldwyn-Mayer persönlich empfangen wird, scheint seine Karriere auf einen neuen Höhepunkt zuzusteuern – und doch beginnt hier bereits jener Schatten heraufzuziehen, der sich für viele Jahre über Dalton Trumbos Leben legen sollte. Denn Trumbo war auch ein politisch sehr bewusster Mensch, dessen Engagement in gesellschaftspolitischen Fragen sich in Sympathie für die Kommunistische Partei der Vereinigten Staaten niederschlug, der er 1943 schließlich auch beitrat. Derartige politische Sympathiebezeugungen waren unter kreativen Persönlichkeiten, die in der Filmindustrie am Werk waren, in dieser Zeit nicht so ungewöhnlich, Dalton Trumbo stand da keineswegs allein.

Im Biopic erscheinen seine politischen Überzeugungen vielmehr idealistisch als ideologisch motiviert zu sein, einfach ein Bemühen, eine bessere und gerechtere Welt aufzubauen – und ein wenig auch einem unter Intellektuellen vorherrschenden Zeitgeist folgend. Doch der sollte sich dramatisch ändern, denn nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der vormalige Verbündete Sowjetunion rasch zum erklärten Feinbild, Sympathisanten galten bald als eine Art Fünfte Kolonne Moskaus und damit als Verräter. Insbesondere in der Filmindustrie vermeinten die rabiaten Proponenten unter den Kalten Kriegern bald eine Vielzahl kommunistischer Umtriebe zu verorten. Dass auch in Hollywood selbst ein rauer Wind zu wehen beginnt, bekommt Trumbo bald zu spüren.

Schauspieler wie John Wayne oder die berüchtigte Klatschkolumnistin Hedda Hopper zählen zu den Speerspitzen jener Gruppe, die reichlich heftig gegen „linke“ Akti-vitäten in der Filmindustrie vorzugehen pflegt. Doch noch glaubt Dalton Trumbo, sein Status erlaube es ihm, solche Anwürfe mit treffsicherem Sarkasmus abblocken zu können. Doch als er vor das berüchtigte „House Committee on Un-American Activities“, einem Gremium des Repräsentantenhauses, zitiert wird, bekommt die ganze Angelegenheit eine erschreckende Dimension. Dalton Trumbo soll vor diesem Ausschuss aussagen, ob sich kommunistische Aktivisten zusammengeschlossen haben, um die Unterhaltungsindustrie zu unterwandern und systematisch subversives Gedankengut zu verbreiten. Und vor allem sollen Namen vor diesem Ausschuss genannt werden. Weil Trumbo das nicht nur faktisch für absurd und zudem für Gesinnungsschnüffelei übelster Sorte hält, beruft er sich auf seine Rechte, die er durch die amerikanische Verfassung gut geschützt glaubt. Einige seiner ebenfalls vorgeladenen Kollegen tun es ihm gleich und verweigern die Aussage, doch die Gruppe, die als „Hollywood Ten“ bekannt werden sollte, muss einen hohen Preis für ihre aufrechte Haltung zahlen. Sie werden wegen Missachtung des Kongresses gerichtlich verurteilt, Trumbo wandert für elf Monate ins Gefängnis. Als der noch vor kurzem gefeierte Autor seine Haftstrafe verbüsst hat, steht er längst auf der berüchtigten „schwarzen Liste“ und zählt damit zu jenen Personen, die in Hollywood wegen ihrer politischen Ansichten nicht mehr beschäftigt werden.

Es mag auf den ersten Blick ein wenig überraschen, dass mit Jay Roach ein Regisseur, der sich in erster Linie im Komödienfach seine Meriten verdiente, sich eines hochbrisanten Themas, das noch dazu ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte Hollywoods behandelt, angenommen hat. Wobei Roach neben schrägen, ein wenig überdrehten Komödien, wie den drei Austin-Powers-Filmen oder Meet the Parents und das Sequel Meet the Fockers, sich in jüngerer Vergangenheit auch mit Themen aus der US-amerikanischen Innenpolitik auseinandergesetzt hat. Recount, der die umstrittene Auszählung der Stimmen im Verlauf der Präsidentenwahl 2000 thematisierte und Game Change, in dem Roach die kontroversielle Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin kritisch beleuchtete, war zwar nicht jener ökonomische Erfolg beschieden, wie Roachs teils recht deftigen Komödien, doch es waren durchaus feine, gelungene Arbeiten.

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 


TRUMBO
Biopic, USA 2015 – Regie Jay Roach
Drehbuch John McNamara nach dem Buch von Bruce Cook
Kamera Jim Denault Schnitt Alan Baumgarten Musik Theodore Shapiro
Production Design Mark Ricker Kostüm Daniel Orlandi
Mit Bryan Cranston, Michael Stuhlbarg, Diane Lane, Helen Mirren,
David James Elliott, Dean O’Gorman, Christian Berkel, John Goodman
Verleih Constantin Film, 124 Minuten
Kinostart 11. März

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