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Out of this World, aus Otherworldly © Gestalten 2016

Welten entfernt

Ungläubige Blicke, Schockmomente, Gänsehaut – auch Mode kann eine extraterrestrische Erfahrung sein. Der im Verlag Gestalten erschienene Bildband „Otherworldly“ zeigt eine Avantgarde, die sich im Grenzbereich zwischen Futurismus und Fetisch bewegt. Tragbarkeit? Wird überbewertet. Denn für die Mode der Zukunft gelten ganz andere Gesetze. Die kreative Arbeit, die hier gezeigt wird, ist frei von jeglichen Zwängen und schreckt auch nicht vor Schockierendem zurück. Spektakulär, subversiv und radikal posthuman. Auf 304 Seiten eröffnet sich dem Betrachter eine andere Welt, in der Mode und Fotografie so weit vom Mainstream entfernt sind wie die nächste Galaxie. Dabei schaffen die technischen Errungenschaften unserer Zeit mehr Raum für Gestaltung als jemals zuvor. Neue Technologien und Materialien ermöglichen Dinge, die noch vor kurzem nicht einmal denkbar gewesen wären. Hightech-Stoffe lassen Modedesigner zu modernen Bildhauern werden und treiben sie in ungeahnte Sphären. Schmelzende Materialien und in Form gegossene, tragbare Skulpturen sind nicht mehr bloß Science-Fiction sondern werden zur Realität. Da ist das Wort Prêt-à-porter so verpönt wie Kleidung von Outlet-Wühltischen. Dabei ist das Spiel mit dem Surrealen keine Neuheit. Schon immer experimentierten Modeschaffende damit, ihrer Fantasie freien Lauf und Träume Realität werden zu lassen. Angefangen bei jenen, deren Arbeit es noch knapp in die Kategorie des Tragbaren schafft, bis hin zur völligen Verfremdung der menschlichen Silhouette. Eine neue Art der Freiheit, die nicht zuletzt mutigen Vorreitern zu verdanken ist. Genau diese finden in dem reich-bebilderten Buch auch die gebührende Aufmerksamkeit. Da wären so klingende Namen wie Jean Paul Gaultier, der Korsagen zu neuer Attraktivität verhalf, Martin Margiela, der stark-konzeptionelle Kollektionen erst en vogue machte oder Alexander McQueen, dessen abgründige Thematik bis heute fasziniert. Trotz ihrer Radikalität schafften sie es, sich in der Modewelt zu etablieren. Aber auch aufsehenerregende Arbeiten aufstrebender Designer werden gezeigt. Junge Talente aus aller Welt, wie Úna Burke, Lucy McRae, Peter Popps oder der österreichische Exportschlager Marina Hoermanseder werden vereint durch ihren Hang zum Besonderen. Ein Ziel haben sie alle gemein: die Grenzen nicht nur verschwimmen zu lassen, sondern sie gleich komplett zu sprengen. Was ist noch Mode und was ist bereits Kunst? Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

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Otherworldly
Avant-Garde Fashion and Style

Gestalten 2016
Herausgeber: Theo-Mass Lexileictous,
Sven Ehmann, Robert Klanten
Format: 24.5 × 33 cm
Full color, Hardcover, 304 Seiten, € 45

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