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Robert La Roche, Sonnenbrille, Modell S-58 © Robert La Roche

Sichtwechsel

Text: Lena Style Fotos: MAK

Er hat den totalen Durchblick, was Trends angeht und gilt als Pionier der modischen Brillen von heute: In der Ausstellung Robert La Roche – Personal View widmet sich das MAK von 4. Mai bis 25. September dem Werk des Österreichers, der seine Brillen als resche Kaisersemmeln unter den Fabrik-Brötchen sieht. 

Intelligenzprothese, Nasenfahrrad, Spekuliereisen – ja, die Brille wurde bereits mit vielen unrühmlichen Synonymen belegt. Zumal sie doch vor ein paar Jahrzehnten eher als nötiges Übel galt und nicht als etwas, das man sich freiwillig gleich in mehrfacher Ausführung zulegen wollte. Dass die Sehhilfe heute sogar als modisches Accessoire gilt, verdanken wir nicht zuletzt den Visionen der Designer. Brillen machen, das können heute viele, Brillen-Couturiers dürfen sich dagegen nur sehr wenige nennen. Einer davon: Robert La Roche. Vorreiter, Trendsetter, Entrepreneur. Diese hochtrabenden Titel hat er sich durchaus verdient, denn mit klassischen und extravaganten Brillenkollektionen, die zur Zeit ihres Erscheinens als besonders mutig galten, hat der österreichische Designer eine Weltmarke kosmopolitischer Prägung geschaffen. Viele seiner zwischen 1973 und 1999 kreierten Brillen zeichnen sich durch kräftige Farben und markante Designs aus, dennoch steht La Roche insbesondere für zeitlose, hochwertige Klassiker, die heute noch als Original-Vintage-Modelle sehr gefragt sind. Auch jenen Ausstellungsbesuchern, die diesen Namen bis jetzt noch nicht gehört haben, wird früher oder später etwas bekannt vorkommen. Denn viele seiner selbst inszenierten Werbekampagnen sind ähnlich kultig wie die Brillenmodelle selbst.

Von großen Plänen, neidigen Kollegen und Freunden namens Calvin Klein

Gemeinsam mit einem kleinen Team hat der 1938 geborene Wiener mit hugenottischen Wurzeln ein ganzes Lebenswerk aus dem Nichts geschaffen. In Kontakt mit Brillen war La Roche in den frühen 1970er Jahren gekommen, als er nach beruflichen Auslandsaufenthalten begann, für die Firma Optyl zu arbeiten. Durch seine Tätigkeit für Porsche Design, Carrera oder den Produzenten von Christian Dior, war sein Plan geboren, aus der Fehlsichtkorrektur ein Statement-Accessoire zu machen. La Roches Entschluss, als Quereinsteiger selbst Brillen zu entwerfen, führte ihn zunächst in die italienischen Dolomiten, wo er das Brillenhandwerk und die Verarbeitung von Acetat, einem Kunststoff auf Basis von Baumwollflocken, erlernte. Damals begann er bereits, neu und alt geschickt miteinander zu verbinden: Er fertigte seine neuartigen, kreativen Gestelle mit den erlernten traditionellen Manufakturmethoden. So gelang es ihm, sich nicht nur von den Optyl-Brillen optisch abzuheben, sondern auch international neue Maßstäbe zu setzen. Die spezielle farbliche Nuancierung wurde zu einem von La Roches Markenzeichen, ebenso wie die Feinheit der Gestelle, die er bis an die Grenzen der technischen Machbarkeit entwickelte. Was als Ein-Mann-Unternehmen im achten Wiener Bezirk begonnen hatte, entwickelte sich binnen kurzer Zeit vom Insidertipp zu einem weltweit gefragten Label mit ausgewählten Vertriebsorten wie Venedig, Mailand, Paris, Amsterdam oder Hamburg. Natürlich kamen diesem Geheimtipp auch bald einflussreiche Modemagazine auf die Spur. Die allererste Ausgabe des „Wiener“ in der die österreichische Kreativ-Avantgarde des Jahres 1979 im Zentrum stand, widmete sich nicht nur dem bis dahin kaum bekannten Modedesigner Helmut Lang, sondern druckte auch ein mehrseitiges Interview mit Robert La Roche. Namhafte Magazine wie „Details“ oder Andy Warhols „Interview“ folgten. Nach einem zweiten Büro in München konnte sich La Roche 1985 mit einer eigenen Dependance in New York etablieren. Irgendwann wurde auch der Designer der Stunde, Calvin Klein auf den Österreicher aufmerksam, der jemanden brauchte, um seine Brillenkollektion aufzubauen – eine vier Jahre anhaltende, sogar freundschaftliche Arbeitsbeziehung als Designberater entstand.

Das La-Roche-Prinzip

Ein kometenhafter Aufstieg, so scheint es zumindest. Aber auch die Marke La Roche ging durch schwierige Zeiten, wusste sich mit ein paar geschickten Schachzügen jedoch immer wieder neu ins Gespräch zu bringen. Als Selfmademan mit nur wenigen, dafür umso effizienteren Mitarbeitern bot ihm die schlanke Struktur seiner Marke gegenüber Branchenriesen einen entscheidenden Vorteil: Er konnte kurzfristiger als die Konkurrenz agieren, spontan seinem Trendgespür folgen und einige Nischen besetzen. Aber auch die markeneigene Werbestrategie war ein großer Teil des internationalen Erfolgs. Für die gelungene Inszenierung seiner Marke holte La Roche hochkarätige Unterstützung aus der österreichischen Werbeszene mit an Bord. Österreichische Starmodels wie Cordula Reyer oder Werner Schreyer liehen den vielfach im In- und Ausland ausgezeichneten Kampagnen ihre Gesichter. Sein kreatives Potenzial nutzte La Roche während der aktiven Entwurfsphase bis zum Verkauf seiner Marke im Jahr 1999 übrigens nicht nur für eigene Kreationen, sondern auch für Kooperationen mit Escada, Beatrice Hympendahl oder Palmers. Einmal drohte der Hersteller der Ray-Ban-Brillen dem Haus La Roche in den USA sogar mit einer Klage, weil die Aussprache der damaligen Kollektion „Ichi Ban“ zu ähnlich klingen würde, weshalb die Kollektion nur in Europa zu haben war. 

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 

 

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