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X-Men: Apocalypse

Oscar Isaac (Ex Machina, A Most Violent Yearist einer der spannendsten und vielseitigsten Schauspieler seiner Generation. Mit seiner Rolle als Bösewicht im neuen X-Men-Film Apocalypse wird er nun wohl endgültig zum Superstar. Ein Gespräch.

Die von Bryan Singer im Jahr 2000 für das Studio 20th Century Fox inszenierte Marvel-Comics-Adaption X-Men zählt zu den Pionieren des modernen Superheldenfilms. Der Film kam bei Publikum wie Kritik sehr gut an, machte Hugh Jackman zum Star und löste einen regelrechten Boom aus: Längst wollen alle Hollywood-Studios am Milliardengeschäft Superheldenfilm teilhaben. Singer, der es 1996 mit dem zweifach oscarprämierten Gangsterfilm The Usual Suspects zu internationaler Bekanntheit brachte, hat nun bereits zum vierten Mal einen X-Men-Film inszeniert – und es wird episch wie nie zuvor. In X-Men: Apocalypse sieht sich die Gruppe mit einem uralten, unglaublich mächtigen Mutanten konfrontiert, der nach tausenden Jahren aus seinem Schlaf erwacht und beschließt, dass die Welt der 1980er einen großen Neustart braucht.

Diese komplexe, gottgleiche Figur erweckt der großartige Oscar Isaac, Jahrgang 1979, zum Leben. Seit seinem Durchbruch in All About the Benjamins in 2002 hat Isaac durchgehend beim Film gearbeitet, unter anderem in Body Of Lies (2008), Sucker Punch (2011) oder The Bourne Legacy (2012). In Meisterwerken wie Inside Llewyn Davis (2013), A Most Violent Year (2014) oder Ex Machina (2015) hat der US-Schauspieler mit Wurzeln in Guatemala in höchst unter-schiedlichen Rollen gezeigt, wie charismatisch und wandelbar er ist. Auch in Star Wars: The Force Awakens (2015) – dem wohl größten Franchise der Gegenwart – konnte sich Isaac eine der begehrten Rollen sichern. Seinen Status als Star wird er nun mit X-Men: Apocalypse ziemlich sicher festigen.

Im Interview spricht Isaac über die Philosophie des Bösewichts Apocalypse, die Arbeit mit Kollegen wie Jennifer Lawrence, Michael Fassbender oder James McAvoy, seine früh erwachte Liebe zu den „X-Men“ und wie es ihm trotz einer Menge Prothesen im Gesicht gelang, Emotionen zu vermitteln.

Wie sehr waren Sie mit den „X-Men“ vertraut?

Ich war ein großer Fan der „X-Men“-Comics! Im Speziellen habe ich die „X-Factor“-Hefte gesammelt, die ich sehr mochte. Apocalypse hatte dort seinen ersten Auftritt. Als ich gehört habe, dass ein X-Men-Film mit Apocalypse als Bösewicht gedreht wird, habe ich mir die Rolle ausgesucht, weil ich den Charakter früher so geliebt habe. Ich war sehr neugierig, was sie damit machen würden.

Mit welcher Perspektive ging Bryan Singer an ihn ran?

Im Grunde ist die Idee: „Stell dir vor Gott war die letzten 3.000 Jahre begraben. Dann wacht er morgens auf, schaut sich um und realisiert ,Nein, wir haben alles ruiniert, es ist nicht so wie es hätte sein sollen‘, und beschließt, die Dinge zu ändern.“ Das ist es: Was wäre, wenn Gott aufwacht und stinksauer ist!
Es ist das Konzept der Wiederkunft – Christus kehrt zurück, um die Auserwählten mitzunehmen und den Rest mitsamt der Welt zu zerstören. Es ist sehr intensiv und sehr heftig und der Charakter ist die Verkörperung dieser Idee. Oder zumindest von jemanden, der glaubt, das sei seine Mission. Auf der anderen Seite, der nicht-religiösen Seite, steht die Frage „Was ist, wenn er der erste Mutant wäre, und als Erster über die Fähigkeit verfügen würde, das Bewusstsein tatsächlich, physisch vom Körper zu trennen, im Grunde eine biologische Seele zu haben?“ Diesen Sci-Fi-Gedanken fand ich in seiner spaßigen, herausfordernden Art und Weise sehr interessant. Es macht auch Spaß, sich der verschiedenen Iterationen des Comics zu bedienen, weil er sich von Reihe zu Reihe stark verändert hat, sei es „Apocalypse Vs. Dracula“ oder das original „X-Factor“ aus den Achtzigern oder der Cartoon. Er bewegt sich von einem Wirt zum nächsten und es ist Teil eines Plans, bis dieser an einem Punkt für tausende Jahre unterbrochen wird. Als er aufwacht, beschließt er, Ordner der restlichen Menschheit und Evolution zu sein, aber nicht nur physisch oder biologisch, sondern auch spirituell. Und wenn das in Gefahr gerät, macht er den Boden frei für neues Wachstum, wie er es in der Vergangenheit schon so oft getan hat.

„X-Men“-Filme haben immer große Themen, und auch „Apocalypse“ scheint diese mitzubringen.

Ja. Es passiert eine Auslöschung, das ist ein Teil eines größeren Motivs. Wie auch die Idee eines zornigen Gottes und was das bedeutet. Aber „Apokalypse“ als Wort bedeutet nicht zwingend „zerstören“. Es bedeutet zu „offenbaren“, und er offenbart das wahre Potenzial der Macht jener Leute, die beschließen, ihm zu folgen. Das ist teils der Grund warum sie ihm folgen: weil sie sehen, dass dieses Wesen ihnen tatsächlich erlaubt, ihr mächtigstes Selbst zu offenbaren. Und seine Überzeugungskraft ist eine seiner größten Stärken ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 

X-Men: Apocalypse
Comic-Verfilmung, USA 2016
Regie Bryan Singer Drehbuch Simon Kinberg
Kamera Newton Thomas Sigel Production Design Grant Major
Kostüm Louise Mingenbach Music John Ottman
Mit Jennifer Lawrence, Rose Byrne, Michael Fassbender, Oscar Isaac,
Hugh Jackman, James McAvoy, Sophie Turner
Verleih 20th Century Fox, 135 min
Kinostart 20. Mai 2016

 

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