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Agenten leben einsam

Zum Start von „Jason Bourne“: Anmerkungen zu einem Agenten der etwas anderen Art.

Am Ende von The Bourne Ultimatum, dem dritten Teil der Reihe um den titelgebenden Spezialagenten, treibt Jason Bourne regungslos im Hudson River. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern hat er sich aus halsbrecherischer Höhe in den Fluss gestürzt. Fast könnte man meinen, die Häscher hätten Bourne schließlich doch noch erwischt, ehe er in der Schlusseinstellung zum Leben erwacht und davonschwimmt.
Die kurze Assoziation mit dem Tod seines Helden, die The Bourne Ultimatum in der finalen Sequenz erweckt, ist auch dem Umstand geschuldet, dass sich mit dem Bild des im Wasser treibenden Protagonisten der Kreis eigentlich perfekt geschlossen hätte.
Denn mit dieser Einstellung nimmt die Saga in The Bourne Identity (2002) ihren Anfang. Nach einem missglückten Einsatz findet sich Jason Bourne bewusstlos und von zwei Kugeln getroffen, im Mittelmeer, irgendwo vor der Küste Südfrankreichs wieder. Gleichsam in letzter Minute wird er von einem Fischerboot gerettet, doch Bourne hat nicht nur körperliche Verletzungen erlitten, sondern auch sein Gedächtnis verloren. Dass er als Teilnehmer eines streng geheimen Programms namens „Treadstone“, das selbst innerhalb der CIA nur wenigen bekannt war, Spezialaufträge ausführte – zumeist mit dem Ziel, unliebsame Personen zu liquidieren –, davon hat der Mann zunächst keine Ahnung, kennt er doch nicht einmal seinen Namen. Die einzige Verbindung zu seiner Identität ist vorerst ein sich unter seiner Haut befindliches Implantat, auf dem sich die Daten für ein Bankschließfach in Zürich befinden. Jason Bourne reist in die Schweiz, um hinter die Geheimnisse seiner Existenz zu kommen, doch seine früheren Auftraggeber betrachten ihn mittlerweile als unkalkulierbares Sicherheitsrisiko und haben sich bereits an seine Fersen geheftet. Es beginnt eine gnadenlose Jagd, die erst drei Filme später mitten in New York im Hudson River endet – vorläufig.
Bei James Bond weiß man zumeist ganz genau, woran man ist. Der berühmteste Agent im Auftrag ihrer Majestät sorgt für klare Fronten: Auf der einen Seite der smarte Spion, der für das Vereinigte Königreich und dessen Verbündete kämpft, auf der Gegenseite charismatische Bösewichte und Superschurken aller Couleurs. Ein Muster, dass aus der Zeit des Kalten Kriegs herrührte – in einigen von Ian Flemings Bond-Romanen sind die Widersacher ja tatsächlich noch sowjetische Geheimdienstler – und in seiner dramaturgischen Grundkonzeption in den Filmen beibehalten wurde ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 

Jason Bourne 
Thriller, USA 2016 – Regie Paul Greengrass 
Drehbuch Paul Greengrass, Christopher Rouse Kamera Barry Ackroyd
Schnitt Christopher Rouse Musik David Buckley, John Powell
Production Design Paul Kirby Kostüm Mark Bridges
Mit Matt Damon, Alicia Vikander, Tommy Lee Jones, Julia Stiles,
Vincent Cassel, Riz Ahmed, Scott Shepherd
Verleih Universal Pictures
Kinostart 11. August

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