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Peter Suschitzky © Tobis Film

Man With A Movie Camera

Text: Pamela Jahn Fotos: Press

Kameramänner sind oftmals die wahren Helden des Films. Der eigenwillige Brite Peter Suschitzky ist einer von ihnen und hat im Laufe seiner über fünfzigjährigen Karriere schon so manchem Regisseur zu einem Kultklassiker verholfen. Ein Gespräch über Cronenberg, „Stars Wars“ und die faden Belichtungsmethoden der Nouvelle Vague.

Wenn ein Regisseur ihn engagiert, wisse er, worauf er sich einlässt, sagt Peter Suschitzky. Der Sohn des österreichischen Fotografen und Kameramanns Wolfgang Suschitzky begann seine Karriere in den frühen sechziger Jahren mit Dokumentarfilmen, bevor er sich 1967 mit dem Zweite-Weltkriegsdrama It Happened Here seinen ersten Spielfilm-Auftrag sichern konnte. Danach ging es schnell bergauf für den in London geborenen Kamera-Veteranen, der in diesem Juli seinen 75. Geburtstag feiert. Neben seiner Arbeit für profilierte britische Regisseure wie Peter Watkins, John Boorman und Ken Russell war Suschitzky im Laufe der sechziger und siebziger Jahre immer wieder auch für internationale Regie-Größen wie Jaques Demy oder Joseph Losey tätig, bevor er 1980 mit Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back unter der Regie von Irvin Kershner seine erste große Hollywood-Produktion meisterte. Mit Dead Ringers – oder dem in diesem Fall passenderen deutschen Titel

Die Unzertrennlichen – begann Ende der achtziger Jahre eine enge, bis heute anhaltende Zusammenarbeit mit David Cronenberg, der seinem Kameramann nicht nur blindlings vertraut, sondern ihm auch schon mal hilfsbereit über die Schulter schaut, wenn es in einer Szene zu brutal oder düster wird. Denn von zu viel Gewalt und Horror im Kino hält Suschitzky noch weniger als etwa von der speziellen Belichtungstechnik in den Filmen der französischen Nouvelle Vague oder dem maßlosen Einsatz von Handkameras im zeitgenössischen Kino.

Herr Suschitzky, mittlerweile blicken Sie auf eine über fünfzig Jahre andauernde Karriere zurück. Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie zum ersten Mal eine Kamera in der Hand hielten?

Ja, so etwas vergisst man nicht. Das war eine Brownie Box Camera und ich war damals ungefähr fünf Jahre alt. Eine Freundin der Familie hatte mitbekommen, wie sehr ich mich schon als Kind für Fotografie begeisterte, und schenkte mir daraufhin ihre alte Kamera. Damit habe ich dann ungefähr bis zu meinem elften Lebensjahr fotografiert.

Ihr Vater Wolfgang Suschitzky war ebenfalls ein namhafter Fotograf und Kameramann. Würden Sie sagen, die Fotografie lag Ihnen gewissermaßen im Blut?

Ich wusste natürlich, womit mein Vater sein Geld verdiente, und er hat uns Kinder auch in seiner Freizeit sehr oft fotografiert. Ich erinnere mich noch gut an den Geruch, den die warmen Jupiter-Lampen erzeugten, und das Klicken der Verschlussklappe seiner Kamera. Und ich weiß noch, wie ich als Bub immer vor der Tür des Labors stand, das sich mein Vater zu Hause eingerichtet hatte, und ihn minutenlang anbettelte mich reinzulassen, bis er schließlich nachgab. Dann nahm er mich auf den Arm und zeigte mir ein weißes Blatt Papier, das sich ganz langsam nach und nach in ein Foto verwandelte. Für mich als Fünfjährigen war das natürlich reine Magie und ich wollte das unbedingt auch können. Mit dem Kino war es ganz ähnlich. Wann immer mein Vater am Abend ein paar Testfilm-Streifen mitbrachte, baute ich mir zu Hause mein eigenes Kino aus zwei Bausteinen, zwischen die ich den Testfilm spannte, um ihn dann von hinten mit einer Taschenlampe zu beleuchten. Das war, bevor ich selbst ins Kino durfte. Ich habe meine ganze Kindheit über weiter fotografiert und war als Teenager dann schon recht versiert darin, meine eigenen Bilder zu entwickeln.

Trotzdem wollten Sie zunächst Musiker werden, stimmt das?

Ja. Ich hatte von klein auf schon immer eine Leidenschaft für Klassik. Deshalb wollte ich nach der Schule zunächst ein Musikstudium aufgreifen, wovon meine Eltern mir letztlich abrieten. Mein Vater wusste natürlich, wie gut ich mit Film umgehen konnte, und bestärkte mich in dem Vorhaben, stattdessen doch lieber Kameramann zu werden, nachdem ich mir selbst eingestehen musste, dass meine musikalischen Fähigkeiten vielleicht doch nicht dem Topniveau entsprachen, das eine Musikerkarriere voraussetzt.

Hatten Sie jemals Bedenken, in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten beziehungsweise Ihren eigenen Stil als Kameramann zu finden?

Nein, weder das eine, noch das andere. Ich denke, es braucht grundsätzlich eine gewisse Zeit, bis man seinen persönlichen Stil, seinen eigenen Geschmack findet. Ob als Schriftsteller, Regisseur, Kameramann, was auch immer. Und vielleicht bin ich noch immer auf der Suche danach. Filmemachen war und ist für mich ein sehr intuitiver Prozess, der eng verbunden ist mit dem Kontext, dem Drehbuch, der Geschichte, die erzählt wird. Ich arbeite bei allem, was ich tue, stets aus dem Bauch heraus, und damit bin ich bis heute ganz gut gefahren.

Für jemanden, der Horrorfilme so sehr ablehnt wie Sie, scheint es auf den ersten Blick etwas merkwürdig, dass Sie Anfang der Achtziger ausgerechnet mit David Cronenberg zu drehen begannen, der sich gerade damit in den Jahren davor einen Namen gemacht hatte?

Das stimmt. Ich kannte tatsächlich keinen seiner früheren Filme, als wir uns zum ersten Mal trafen. Wie Sie schon sagen, ich persönlich halte herzlich wenig von Horrorfilmen und schaue mir auch keine an, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Und ich hatte ihn damals, zu Recht oder zu Unrecht, als Horror-Regisseur abgestempelt. Das heißt, unsere erste Zusammenarbeit ist eher zufällig zustande gekommen – wie aber fast alles im Leben dem Zufall überlassen ist. Das fängt schon bei der Geburt an, dafür müssen schließlich auch erst einmal zwei Menschen zueinander finden ... 

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.

 

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