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MACKAY-LYONS SWEETAPPLE ARCHITECTS, Nova Scotia, Kanada, Fotografie von Greg Richardson aus The Hinterland, Copyright Gestalten 2016

Into the Wild

Zurück zur Natur: Der Verlag Gestalten legt mit dem Bildband „The Hinterland“ eine fotografische Sammlung ebenso idyllischer wie architektonisch bemerkenswerter Rückzugsorte vor.

Als der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau im Jahr 1854 sein Buch „Walden; or, Life in the Woods“ veröffentlichte, schuf er damit einen nachhaltigen Klassiker für alle Ausstiegswilligen. Thoreau verstand die Schilderung seines Lebens in einer Blockhütte in den Wäldern von Massachusetts als Anstoß, sich der modernen industrialisierten Gesellschaft zu entziehen – eine trotz des Phänomens der Landflucht bis heute relevante Thematik. Nimmt man den nun bei Gestalten erschienenen Band „The Hinterland. Cabins, Love Shacks and Other Hide-Outs“ zur Hand, kommt man nicht umhin, sich ebenfalls beim Gedanken an Rückzug zu ertappen. Freilich ist für die abgebildeten Blockhütten, Holz- und Steinhäuser an idyllischen Orten auf der ganzen Welt wohl ein nicht unerhebliches Budget von Nöten – aber Träumen wird man ja noch dürfen.

Da gibt es etwa ein Baumhaus im Süden der Vereinigten Staaten, das mit seiner Hängebrücke an Peter Pans Neverland denken lässt oder eine Hütte in Norwegen, deren tunnelartiger Eingangsbereich an das Portal in eine andere Dimension erinnert. Überhaupt wirken viele der Gebäude geradezu skultpural, wie Kunstwerke, die man eben auch bewohnen kann. Unterstützt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass manche der Gebäude auf Stelzen stehen und so besonders intensiv zur Betrachtung einladen. Eine Reihe von Häusern im chilenischen Valparaíso erweckt mit ihren transparenten Fassaden wohl nicht von ungefähr Assoziationen an die Auslagengestaltung von Kunstgalerien.

Bei der Betrachtung des Buchs kommt man nicht umhin, das Geschick der Architekten zu Bewundern, die aus oftmals begrenztem Raum ein Maximum an Komfort herausholen konnten. Zudem gestaltet sich der Mix des Baumaterials – großteils Holz und Glas, aber auch Stein, Stahl und (selten) Beton – ebenso effizient wie ansprechend.

Doch sind viele der Hütten nicht nur zum reinen Wohnen gedacht: Auch die eine oder andere Sauna in den Wäldern findet sich im Band. Und dass sich im Titel auch die Bezeichnung „Love Shack“, also „Liebesnest“ findet, zeigt eine weitere mögliche Form der Nutzung auf.

Die exzellenten Fotografien vermitteln einen sehr guten Eindruck von Interieur und Exterieur als auch von der Umgebung der Häuser. Ergänzt werden die Abbildungen durch Kurztexte, die über Lage und Funktion der Hütten informieren. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Nordischer Minimalismus findet sich ebenso wie Avantgarde und Bodenständiges.

Kurz: „The Hinterland“ ist ein wunderschönes Buch, das Gedanken an Rückzug ebenso auszulösen vermag, wie es Lust auf Reisen an die porträtierten Örtlichkeiten macht. Friede den Hütten!

 

The Hinterland
Cabins, Love Shacks and Other Hide-Outs
Gestalten 2016
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Format: 25,3 x 30,7 cm
EUR  39,90 

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