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Rei Kawakubo (Japanese, born 1942) for Comme des Garçons (Japanese, founded 1969), Not Making Clothing, spring/summer 2014 Courtesy of The Metropolitan Museum of Art © Paolo Roversi

Rei Kawakubo – Comme des Garçons

Anfangs verspottet, heute gefeiert: Der japanischen Designerin Rei Kawakubo wird mit der Metropolitan Museum of Art Gala und einer Ausstellung eine rare, aber gebührende Ehre zu Teil.

Das zweite Mal erst wird die alljährliche Gala des Metropolitan Museum of Art in New York einer noch lebenden Mode-Ikone gewidmet. Zuletzt war das im Jahr 1983 der Fall, als ein junger Modeschöpfer die Welt mit seinen visionären Entwürfen immer wieder aufs Neue beeindruckte – Yves Saint Laurent. Zwei Jahre davor beging Rei Kawakubo gerade erst ihr Laufsteg-Debüt. Und nun, nach einer ebenso langen wie erfolgreichen Karriere, die noch lange nicht vorbei ist, wird der japanischen Design-Rebellin der Event samt dazugehöriger Ausstellung gewidmet. Eine große Ehre, die – und da ist sich die Modewelt einig – absolut verdient ist. Die Ausstellung „Rei Kawakubo/Comme des Garçons: Art of the In-Between“ wird sich dem vollständigen Werk ihrer Modemarke Comme des Garçons widmen und insgesamt 120 verschiedene Kreationen zeigen. Angefangen von ihrem Laufsteg-Debüt bis hin zu den aktuellen Shows. Der Aufbau wird in kontrastierende Themenbereiche aufgeteilt: Ost/West, männlich/weiblich und Vergangenheit/Zukunft, um so Kawakubos Begeisterung für das Dazwischen-Sein auszudrücken. Aber was macht diese Modemarke samt der Frau dahinter seit Jahrzehnten so faszinierend? Um eine Ahnung davon zu bekommen, genügt bereits ein Rückblick auf die erste Comme-des-Garçons-Kollektion, die über den Pariser Laufsteg geschickt wurde.

Geburt des Hiroshima-Chic

Die Marke wurde zwar bereits 1969 gegründet, es war aber erst im Jahr 1981, als die aus Japan stammende Rei Kawakubo erstmals die Modewelt aufmischte. Die Kleider zeigten wie von Motten zerfressene Löcher, deformierte Formen, den Körper verhüllende Schnitte und Asymmetrie, wo zuvor noch keine denkbar war. Die Wogen gingen hoch. Als „Post-Atomar“ und „Hiroshima-Chic“ wurden ihre Entwürfe vor allem von der konservativen Presse zerstückelt. Als entsetzlich und politisch unkorrekt empfand man die sichtbaren „Auswucherungen“ der Kleidung. Um diese Verstörtheit zu verstehen, muss man auch die damalige Zeit betrachten, in die Kawakubo ihre Avantgarde-Mode hineingebar. Anfang der achtziger Jahre regierte der Glamour in Mode, Musik und Film. Die Fernsehserie Dallas mit ihren riesigen, in glitzerstoff gehüllten Schulterpolstern zeigte der breiten Masse, wie es gerade sein sollte. Gianni Versace und Thierry Mugler waren die von Luxus umwehten Designer der Stunde. In diese Welt schickte die Japanerin also ihre formlosen, schwarzen Stoffe, durchlöcherten Strickgewebe und zerfetzten Kleider. Natürlich fühlte sie sich missverstanden, äußerte sich aber mit starken Worten: „Ich war immer schon gegen Menschen, die mir sagen wollen, was ich zu tun habe.“

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.  

Die Ausstellung „Rei Kawakubo/Comme des Garçons: Art of the In-Between“ ist ab 4. Mai 2017 im Met Museum New York zu sehen.

Tags:

  • Fotos: Paolo Roversi
  • Issue: 41
  • Keywords: Fashion