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Perfume Genius © Dominik Schmidt

Taschensinfonien des Schmerzes

Der queere amerikanische Musiker Mike Hadreas ist unter seinem Nom de Guerre Perfume Genius im Begriff, in den Olymp des avancierten Pops aufzusteigen. Mit seinem vierten Album, „No Shape“, setzt er Maßstäbe in Sachen Intensität und Dringlichkeit. 

Wir befinden uns im New Yorker Club Brook-lyn Steel am 16. Mai dieses Jahres, was heutzutage mittels YouTube bekanntlich kein Problem darstellt. Zu Klavierklängen betritt ein attraktiver Mittdreißiger in einem seltsamen, bodenlangen Nadelstreifkleid, dessen Oberteil wegen der nicht vorhandenen Brüste auffällig nach vorne hängt, die Bühne, und beginnt die Show konsequent mit „Otherside“, dem ersten Stück seines neuen Albums No Shape. Dabei bewegt sich Mike Hadreas somnambul lasziv, völlig in den Song versunken. Man kann förmlich spüren, wie hier einer als Performer seiner eigenen Musik eine beinahe magische Präsenz entwickelt und eins wird mit seiner Band. Nach „Otherside“ ein schüchternes „Thank you all for coming“ zum Publikum, und weiter geht diese leidenschaftliche, den Schmerz, die Hingabe und die Liebe zelebrierende Prozession.

Internet-Rundumversorgung

Angesichts der Alles-immer-Verfügbarkeit medialer Inhalte zeigt sich in solchen Momenten der Recherche (bei all den unbestrittenen überwiegenden Vorteilen) auch ein Nachteil der Internet-Rundumversorgung: Man weiß schon heute genau, wie das Konzert von Perfume Genius im August in der Wiener Arena ablaufen wird. Vorbei die Zeiten, in denen die Fans mit vagen Vorstellungen und Erwartungen, dafür mit umso größerer, unbestimmter Vorfreude in die Konzerte ihrer Favoriten gepilgert sind, und erst vor Ort Imagination und Realität abgleichen konnten. Das hatte schon auch seinen Reiz, und lässt sich natürlich, wenn man nicht allzu neugierig ist, auch heute noch praktizieren ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.


Perfume Genius
Live: 21. August, Arena Wien


Tags:

  • Fotos: Dominik Schmidt
  • Issue: 43
  • Keywords: Music