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Auf der Couch

Zerbrechliches Organ, sparsame Instrumentierung, melancholische Grundstimmung: Die Musik des zu Geboltskirchen in Oberösterreich geborenen, seit vielen Monden in Wien lebenden Bernhard Eder passt wunderbar in die Selbstmordzeit Herbst. Der immer noch junge Mann hat sich eine durchaus beachtliche Fanbase aufgebaut, zudem bejubelte auch die Kritik jedes seiner bisher sechs Alben. Zu Recht, denn Eder ist ein musikalischer Tausendsassa. Bereits Ende der neunziger Jahre war er in der Band Wa:rum als Sänger, Songwriter und Gitarrist tätig, 2006 folgte mit „Lennox“ das erste Album als Solokünstler. Nach einer Phase in Berlin, die jeder zerrissene Kreative einmal durchlebt, kehrte er vor einigen Jahren wieder in die Bundeshauptstadt zurück. Dass er durch die Zeit im Ausland an Lockerheit gewonnen hat, zeigte sich 2015: Auf dem feinen Album „Nonesleeper“ findet sich nämlich mit „Turn on“ eine beschwingte Popnummer, die zum Mitsingen einlädt. Freilich ist Eder bereits davor nicht vor großem Pop zurückgeschreckt – allerdings setzte er bei seiner Coverversion von Johnny Cashs mehrdeutigem „Ring of Fire“ gekonnt auf Reduktion: Seine Stimme und eine akustische Gitarre reichten, um der Nummer, die je nach Auslegung von Analsex oder vom Verlieben handelt, sensible Facetten abzugewinnen. Das kommende Album „Remodel“, das ein Livekonzert vom letztem November beinhalten soll, will Eder per Crowdfounding finanzieren. Wer dem Künstler dabei unter die Arme greifen möchte, findet auf der Website www.bernhardeder.net die nötigen Informationen. Hin und wieder kann man schon mal eine gute Sache unterstützen.

rudelstorfer.photography

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