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Farbenfroh im Armenhaus

In Sean Bakers neuem Film „The Florida Project“, der die Bewohner eines Armenmotels ins Bild rückt, stehen kindliche Wahrnehmung und Erwachsenenwelt in einem ständigen Reibungsverhältnis. Brillant als Motelmananger: Willem Dafoe.

Das eigentliche Drama spielt sich hinter den Bildern ab. Nein, das stimmt so nicht ganz; was aber stimmt, ist, dass Moonee das Drama, das den Alltag ihrer Mutter Halley zunehmend bestimmt, erstmal gar nicht mitbekommt. Und auch als da eines Abends ein wildfremder Mann ins Badezimmer platzt, in dem sie gerade in der Wanne sitzt, und dieser von der Mutter schnell und ungeduldig wieder herausgezerrt wird, findet Moonee das wohl seltsam, aber noch nicht besorgniserregend. Aber was soll eine Sechsjährige in ihrem jungen Leben schon groß besorgniserregend finden? Zumal, wenn sie derart rotzfrech und quecksilber-quirlig auf Schabernack gebürstet ist wie diese Moonee, und von ihrer Mutter – die im Grunde selbst noch ein Kind ist, jedenfalls noch nicht wirklich erwachsen – in ihrem wilden Treiben eher bestätigt wird als gebremst. Dem Zuschauer hingegen wird an dieser Stelle möglicherweise bewusst, dass die vorangegangenen Szenen, in denen Moonee in der Badewanne herumplantschend zu sehen war, höchstwahrscheinlich gleichfalls mütterlichen Ablenkungsmanövern geschuldet waren. Mami nämlich verdient Geld auf alle möglichen, immer aber nicht ganz astreinen Weisen. Unter anderem, indem sie wildfremde Männer mit nach Hause nimmt und sich von diesen für sexuelle Dienstleistungen bezahlen lässt. Dass das den Vertretern der Staatsgewalt – also der Polizei und dem Jugendamt, aber auch dem Manager des Motels, in dem Mutter und Kind wohnen – nicht gefallen kann, ist klar – und so nimmt das Verhängnis seinen Verlauf.

Die Methode der dramatischen Zuspitzung, derer sich Sean Baker in seinem hier in Rede stehenden, hochgelobten Film The Florida Project bedient, ist ähnlich der, die er bereits in seinem Debütfilm Starlet (2012) angewendet hat. Auch da bekommt man erst recht spät und dann sehr beiläufig mit, dass es sich bei der Hauptfigur um eine Pornodarstellerin handelt, mitnichten also um eine glückliche, in ihrem Leben gefestigte, junge Frau. Eines Tages begleitet man Jane eben mit zur Arbeit, und das ist dann halt ein Pornodreh, und das ist das, niederschmetternd faktisch ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.


The Florida Project
Drama, USA 2017

Regie Sean Baker Drehbuch Sean Baker, Chris Bergoch
Kamera Alexis Zabe Schnitt Sean Baker Musik Lorne Balfe
Production Design Stephonik Youth Kostüm Fernando Rodriguez
Mit Willem Dafoe, Brooklynn Prince, Bria Vinaite, Valeria Cotto,
Christopher Rivera, Caleb Landry Jones, Macon Blair
Verleih Thimfilm, 115 Minuten
Kinostart 16. März

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