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Glenn Branca © Magdalena Blaszczuk

Backstage – Glenn Branca

Ein YouTube-User schrieb als Kommentar zu Glenn Brancas 16. Symphonie „Orgasm“: „Bitte hört das mit guten Kopfhörern, es ist zu viel, es ist wie eine Massage für das Gehirn.“ Damit hat der Hörer viel gesagt, denn es gibt viele Beschreibungen für den New Yorker Komponisten: Vordenker, Klangrevolutionär, Erneuerer, Grenzenüberwinder, Visionär oder elektrischer Mozart. Alle diese Worte bestätigen, dass Branca einer der großen Freigeister der Klangforschung war. Nur er hatte den Mumm, eine Symphonie für 100 Gitarren zu komponieren und sie „Hallucination City“ zu nennen. Seine Arbeit führt auf direktem Weg und natürlich auch über persönliche Freundschaften zu stilprägenden Bands wie Sonic Youth, die ohne Branca nie die Inspiration gefunden hätten, ihren Weg zu gehen. Diese Einschätzung gilt auch für alle Szenen, die sich auf Noise oder laute elektrische Klangflächen beziehen. Generationen von Musikern gingen durch die Hörschule von Branca, aber nur er führte seine Zuhörer – nicht nur mit den Symphonien – an den Rand der Belastbarkeit, und wenn es ging, noch ein Stück darüber hinaus. Für ihn sollte die Musik für sich alleine, also frei stehen können, ohne Tänzer, bewegte Bilder oder Feuerwerke. Freiheit war ein zentraler Begriff in seinem Denken, was ein Zitat unterstreicht: “Ich will die Menschen inspirieren, das zu tun, was sie wollen und nicht das zu tun, was die Kultur von ihnen will.“ Glenn Branca starb am 13. Mai 2018 in New York.

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© Magdalena Blaszczuk

Die Fotos wurden bei seinem nachhaltigen Auftritt mit 20 Gitarren
beim Donaufestival 2010 aufgenommen.

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