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Ed Sheeran, Foto: Greg Williams

Ed Sheeran

Von einem, der auszog, der Beste zu werden. Und warum versäumte Diagnosen Wunder bewirken.

Es ist eines der ältesten Unterhaltungsformate der Welt: Ein Mann oder eine Frau betritt eine Bühne oder macht sich am Lagerfeuer bemerkbar. Das Instrument, meistens eine Gitarre, wird ausgepackt, und es werden Lieder angestimmt, die die Zuhörer mitreißen, berühren, jedenfalls immer unterhalten sollen. In den letzten Jahrzehnten wurden neue Prototypen dieses Formats geschaffen: Bei den Männern schaut der Akteur oft unausgeschlafen aus, Karohemden sind nicht selten, Jeans Pflicht und die Gitarre wird im Konzertkontext natürlich an das Soundsystem angeschlossen. Frauen tendieren ebenfalls zu lockerer Kleidung, sind aber tendenziell vielfältiger im Auftritt. Dieses Auftrittsritual wiederholt sich täglich tausende Male in Wohnzimmern, Pubs, Hinterzimmer von Gasthäusern und kleinen und großen Konzertsälen.

Im Fall von Ed Sheeran ist das Ritual im Grunde ident – mit einem kleinen Unterschied: Wenn er seine Gitarre anschließt, dann meist in einem Stadion vor zehntausenden jungen Fans. Dort, wo andere längst eine üppige Begleitband und eine Schar von Feuerwerkern engagiert hätten, um den Herausforderungen der größten Bühnen zu begegnen, da vertraut der immer etwas zerknautscht, aber blendend gelaunt wirkende Sheeran allein seiner Gitarre, seinem Looppedal, seiner Stimme und seinen Songs. Und er gewinnt damit ein ums andere Mal.

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Ed Sheeran, Foto: Ben Gibson

Der Wilde

Das ist die Gegenwart, aber welcher Zufall oder welcher ausgeklügelte Plan steht hinter der Erfolgsgeschichte des 27-jährigen Engländers? Seine Familie ist kunstaffin und die vermutliche Armut seiner aus Irland emigrierten Großeltern war 1991 schon längst graue Vergangenheit. In der privaten Volksschule hatte er vieles im Kopf und entwickelte sich rasch zum Unruheherd seiner Klasse. ADHS war damals noch nicht in aller Munde, daher blieb ihm eine ruhigstellende Ritalintherapie erspart, die seinen Weg in andere Bahnen gelenkt hätte. Auch als Teen änderten sich seine Noten nicht wesentlich, doch er hatte eine Menge Freunde. Ein Ereignis brachte ihn schließlich auf eine Idee. Sein Vater nahm ihn mit nach Irland zu einem Konzert von Damien Rice. Der „Elvis-Moment“ für den 13-jährigen Ed. Sein Vater war froh, dass sich der Bub für irgendetwas interessierte. Wie jeder brave Vater in den nuller Jahren versuchte er, seinen Sohn zu fördern. Mindestens einmal in der Woche fuhr das Gespann zu Konzerten und so sahen sie Auftritte von Bob Dylan bis zu diversen kurzlebigen Britpop-Bands. Im Rückblick auf diese Jahre und seine große Inspiration Damien Rice meinte Ed Sheeran letztes Jahr in einem Interview: „Jeder meiner Helden hat mit mir irgendwann geredet oder Kontakt aufgenommen, nur Damien Rice nicht, obwohl er in einigen meiner Songs vorkommt.“

Ungefähr zu dieser Zeit gab ihm sein Vater – der sicher schon ernste Zweifel an der Zukunft seines Sohnes hatte – einen Rat: „Wenn du dich nur für Musik interessierst, dann nimm doch wenigstens das ernst.“ Und der typische Teenager, der ohne wirklichen Grund voller Zorn auf die Welt war, hatte auf einmal einen konkreten Traum: Er wollte mit seiner Musik die Miete zahlen können und 100 CDs verkaufen ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 

Ed Sheeran live: 7. August und 8. August 2018,
Ernst Happel Stadion (ausverkauft)

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