article_1426_fo_inside_north_korea_p06_580x396.png
© Oliver Wainwright

Schöner Wohnen mit Kim Jong-un

Bonbonfarben, moderne Architektur und 20 Meter hohe Statuen, die dem Betrachter freundlich entgegen lächeln: Die Hauptstadt Nordkoreas zeigt sich anders als man denkt – zumindest auf den ersten Blick.

Pastellfarbene Einrichtungselemente. Architektur, deren Aussehen irgendwo zwischen Nostalgie und Sci-Fi-Visionen liegt. Symmetrie wohin man blickt. Riesige Mosaike erstrahlen in allen Bonbonfarben. Fast könnte man diese Szenarien mit Bildern aus einem Wes-Anderson-Film verwechseln. In Wahrheit sieht der Betrachter aber die irritierend menschenleeren Räume, Plätze und Architektur Nordkoreas. Vor allem jene, die sich davor noch nie mit dem Aussehen Pjöngjangs beschäftigt haben, wird dieser Anblick vermutlich irritieren. Hat man sich eine der strengsten Diktaturen der Welt doch irgendwie anders vorgestellt. Düsterer vielleicht. Oder militärischer. Und nicht mit dieser eigentümlichen Zuckerl-Ästhetik versehen. Doch ist das wirklich so? Ein genauerer Blick lässt dann doch erahnen, dass hier irgendetwas faul ist. Genauso, als würde man als Erwachsener in sein Kindheitsparadies Disneyland zurückkehren, erschleicht einen auch hier das Gefühl, dass das Wort Kulisse angebrachter wäre als Kultur. In Nordkorea gehen die Uhren anders – Väterchen Stalin hat sie schließlich noch persönlich aufgezogen. Im Koreakrieg weitgehend zerstört, wird die Hauptstadt Pjöngjang seit 1953 von den Kims als Hauptbühne ihrer wahnhaften Machtinszenierung laufend neu gestaltet. Wie das aussieht: Totale Überwachung, Straflager, rhythmisches Klatschen und freudig gelebter Konsumverzicht manifestieren sich in wuchtiger Herrschaftsarchitektur vergangener Jahrzehnte, in Großmonumenten, gigantischen Granit- und Bronzeskulpturen, Triumphbögen und riesigen Mosaiken zur Verherrlichung des Staatsgründers. Gepaart wird dies allerdings mit dem Vorhaben, Pjöngjang in eine hypermoderne Vorzeigestadt mit Achterbahnen, Skateparks, Minigolf, Schwimmbad und 4-D-Kino zu verwandeln. Womit wir wieder beim Vergleich mit berühmten Themenparks wären. Aber im Gegensatz zu diesen bunten Vergnügungsorten kommt man hier nicht schwer hinein, sondern, zumindest als Staatsbürger, fast unmöglich wieder raus. Kein Wunder also, dass Nordkorea unter Touristen nicht gerade zu den Spitzenzielen zählt. Am Strand vom Malle wird man schließlich nicht so leicht zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Umso besser, dass Journalist und Fotograf Oliver Wainwright es gewagt hat und einen umfangreichen Einblick in das Land bietet, das sich vom Rest der Welt weitgehend abgeschottet hat. Seine Fotografien nordkoreanischer Architekturen werfen ein Schlaglicht auf die Ambitionen des herrschenden Regimes, „das ganze Land in ein sozialistisches Märchenland zu verwandeln“ ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.

INSIDE_NORTH_KOREA_Cover.png 

INSIDE NORTH KOREA
Oliver Wainwright
TASCHEN Verlag, Köln 2018
Hardcover mit Lesebändern,
240 Seiten, € 40
www.taschen.com

Tags: