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Foto: Poly Maria

Grenzenloses Herz

Nach sechs Jahren veröffentlicht Soap&Skin ihr drittes Album. Die grandiose Rückkehr einer Ausnahmekünstlerin.

Es ist einer der immensen Fortschritte der Gegenwart, dass Herkunftsorte von Künstlern immer unwichtiger werden. Niemand assoziiert mit Elfriede Jelinek die Stadt Mürzzuschlag, auch wenn sie sich irgendwann einmal gegen ein Denkmal nicht mehr wehren kann. Wobei hier seit Thomas Bernhards Testament und seinen sich schelmisch widersprechenden Wünschen natürlich auch für die Nachwelt einiges geregelt werden kann. Und auch Anja Plaschg alias Soap&Skin wird eher nicht in einem Atemzug mit ihrem Herkunftsort Gnas genannt werden. Ein Ort in der Ost-steiermark, eingebettet zwischen der Seniorentherme in Bad Gleichenberg, ein Ort, in dem die Zeit stehengeblieben ist, mit dem harmonischen Vulkankegel von Straden und den Weingärten von Klöch, das auch die Vorlage für jene Backhendlstation beherbergt, die Privatdetektiv Brenner im „Knochenmann“ von Wolf Haas beinahe zum Verhängnis wird. Die harmonisch hügelige Landschaft erstaunt und beruhigt die Besucher, die die Buschenschänken stürmen.

Damit die Preise stimmen und der Schein gewahrt bleibt, muss hinter den Kulissen gehackelt werden. Der Schinken schneidet sich schließlich nicht von alleine, die Mischungen wollen serviert, die Arbeitnehmer zum Wohle des Gastes angetrieben und die Säue geschlachtet werden. Und hier schließt sich der Kreis, denn Anja Plaschgs Vater war Schweinezüchter. Die Tochter hatte ein Herz für die Tiere, das diese durchaus verdient haben.

Still_c_Ioan_Gavriel_1.pngStill: Ioan Gavriel
Wenn man in so einem Ort heranwächst und schon früh erkennt, dass einen Bilder, Töne oder Sätze erfüllen, dann erkennt man auch schnell, dass die gleichaltrige Umwelt andere Prioritäten setzt. Wie überall ist der Initiationsritus der erste Vollrausch und dieser Brauch wird dann Wochenende für Wochenende aufs Neue gepflegt. Mopeds, Motorräder und Autos kommen dann dazu, um den Mädls zu imponieren und um sie in die Landdiscos und zu den Feuerwehr- und Landjugendfesten zu transportieren, mit der Hoffnung, auch den Rückweg bestreiten zu können. Das endet dann meist mit der Erfahrung des ersten Toten der eigenen Generation, denn Kraftproben auf Straßen mit klingenden Namen wie „Sterzautobahn“ enden nicht immer vor der Haustüre, sondern in manchen Fällen auch tragisch. So tragisch, dass Familien an den Langzeitfolgen zerschellen.

All das führt dazu, dass die eigene Geisteswelt verteidigt werden muss. Stete Verteidigung führt zur Stärke, seinen Weg zu suchen und letztendlich auch zu finden ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.  

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Soap&Skin

„From Gas To Solid / You Are My Friend“ 

(Play It Again Sam / Hoanzl / Rough Trade)  

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