article_1465_1_first_man_580x396.png

Weltall, Erde, Mensch

Ob „La La Land“ oder Mondlandung, Damien Chazelle trifft stets den richtigen Ton. Mit „First Man“ ist ihm erneut ein Triumph gelungen.

Es gibt für alles ein erstes Mal: Erste Liebe, erster Job, erstes Eigenheim. Natürlich, ließe sich jetzt einwenden, sind derart private Erfahrungen nicht gleichzusetzen mit einem so einschneidenden, ja epochalen Ereignis wie etwa der ersten Mondlandung. Und doch kommt der gewählte Vergleich nicht von ungefähr. Als erster Mann auf dem Mond und Inbegriff des amerikanischen Traums vom Sieg des Stärkeren, von der Eroberung der Welt und schließlich auch des Weltalls, war Neil Armstrong am 20. Juli 1969 mit einem winzigen Schritt auf staubigem Boden vom Kommandanten der Apollo-11-Mission zum Nationalhelden der Sonderklasse befördert worden: Ein Entdecker, der gemeinsam mit seinen Astronauten-Kollegen Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins und vor den Augen über einer halben Milliarde Menschen am Fernseher zu bisher unerreichbaren Ufern aufbrach und auf dem neu eroberten Erdtrabanten die amerikanische Flagge hisste, ohne dafür auch nur einen Funken des Ruhms zu beanspruchen, der ihm nicht nur nach Ansicht seiner stolzen Landsleute zweifelsohne gebührte. Denn Armstrong war kein Mann der großen Worte – nicht vor der Mondlandung und erst recht nicht danach. Deshalb kündigte der stille Ingenieur nicht lange nach der Rückkehr zur Erde seinen Job bei der Weltraumbehörde NASA und zog sich weitestgehend aus dem öffentlichen Leben zurück, tüftelte im Stillen weiter, lehrte vor Studenten und verbrachte seine letzten Lebensjahre im abgeschiedenen Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio, wo er im Juni 2012 verstarb.

Tatsächlich ist es genau diese Weltverbundenheit und Nähe zum Menschlichen, die Damien Chazelles First Man zu einer so trefflichen Versuchsanordnung über Neil Armstrong, seinen Werdegang und seine Verdienste macht. Ebenso wie sein Protagonist verzichtet auch der Regisseur im Film gewissermaßen von Natur aus auf Glanz, Gloria und Superlative und sieht sich vielmehr darum bemüht, die Inszenierung weitestgehend auf dem Boden der Tatsachen zu halten. Denn wenn für Armstrong alles von drei simplen Komponenten – der Technik, einem klaren Verstand und starken Nerven – abhing, um auf dem Mond zu landen, warum sollte ein Biopic über ihn dann nach den Sternen greifen? Für Chazelle, der vor zwei Jahren mit seinem technicolorfarbenen Musical-Hit La La Land im Grunde genau das Gegenteil von Zurück-haltung auf die Leinwand zauberte, scheint dem vorliegenden Ergebnis zufolge jene zutiefst persönliche Herangehensweise, auf die sich Josh Singers exzellentes Drehbuch stützt, eine willkommene Herausforderung gewesen sein …

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 


FIRST MAN / AUFBRUCH ZUM MOND   
Drama USA, 2018 – Regie Damien Chazelle
Drehbuch Josh Singer, nach dem Buch „First Man: The Life of
Neil A. Armstrong“ von James R. Hansen Kamera Linus Sandgren
Schnitt Tom Cross Production Design Nathan Crowley
Musik Justin Hurwitz Kostüm Mary Zophres
Mit Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke, Kyle Chandler, Corey Stoll,
Ciarán Hinds, Christopher Abbott, Patrick Fugit, Lukas Haas
Verleih UPI, 141 Minuten
Kinostart 8. November

Tags: