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Cyber-Spektakel mit Herz

Mit „Alita: Battle Angel“ hat James Cameron nun endlich eines seiner Herzensprojekte realisiert. Regie führte Robert Rodriguez, die Hauptrollen spielen Rosa Salazar und Christoph Waltz.

Schon gut 20 Jahre trägt James Cameron, Mastermind hinter den Kino-Megaerfolgen „Titanic“ und „Avatar“, die Idee mit sich herum, aus der populären japanischen Manga-Serie „GUNNM“ oder „Ganmu“ (englisch: „Battle Angel Alita“) von Kishiro Yukito einen Realfilm zu machen. Kishiro, der schon als talentierter Jugendlicher Mangas gezeichnet hatte, begann als 24-Jähriger im Jahr 1991 mit seiner Serie, in eben jenem Jahr, als Cameron mit „Terminator 2“ einen Klassiker des Cyborg-Genres veröffentlichte, der – für Sequels ja eher ungewöhnlich – in puncto Qualität sogar den packenden ersten Teil aus dem Jahr 1984 übertraf. Es war unschwer zu erkennen, dass vor allem die avancierteren technischen Möglichkeiten dem Film zum Vorteil gereichten. Allein, wie Robert Patrick als fieser Terminator urplötzlich aus dem Boden wachsen oder sich in flüssiges Metall verwandeln konnte, war schon sehenswert.

Es mögen solche Überlegungen gewesen sein, oder auch nur der übliche Gang der Hollywood-Dinge, die Cameron davon abhielten, den Film umzusetzen. Immerhin hielten ihn ja auch seine diversen Großprojekte davon ab. Die Idee, den Film, der immer mehr Gestalt annahm, selbst zu inszenieren, wurde schließlich wegen seiner Arbeit an den diversen Sequels zu „Avatar“ endgültig ad acta gelegt. Deren erstes wird ja im Dezember 2020, also gut elf Jahre nach dem Originalfilm, in die Kinos kommen und ohne Zweifel für neue Kassenrekorde sorgen. Doch ein Mann mit seinen Beziehungen muss sich natürlich nicht sorgen. Mit Robert Rodriguez, mit dem Cameron die Begeisterung für 3D und für (kamera)technische Innovationen und Spielereien aller Art teilt, war bald der geeignete Mann für die Umsetzung des 200 Millionen Dollar teuren Spektakels gefunden. Cameron, das allein zeigt schon, wie wichtig ihm die Sache ist, blieb als Produzent und Drehbuchautor (gemeinsam mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Laeta Kalogridis, die u. a. auch das famose Buch zu Martin Scorseses Thriller „Shutter Island“ geschrieben hatte) an Bord.

Aus der überbordenden Geschichte von Kishiro Yukitos Manga hat man, wie immer in solchen Fällen, eine Art Kondensat geschaffen, das wesentliche Handlungsstränge enthält, ohne sich allzu sklavisch an die Vorlage zu halten. Bei all dem Riesenaufwand, der hier in technischer Hinsicht – mit 3D und Performance Capture und einer schieren Unzahl an Visual Effects – getrieben wurde, liegt im Herzen des Films, so meint jedenfalls Regisseur Rodriguez, eine innige Liebesgeschichte im 26. Jahrhundert zwischen „Vater“ und „Tochter“. Und es sind keine gewöhnlichen Figuren: Alita ist ein Cyborg ohne jede Erinnerung an ihr früheres Leben, eigentlich nur noch ein Rumpf, eine leere Hülle. Sie wird von Dr. Ido (im Manga war er kein Arzt, sondern Mechaniker) geborgen, der ihr neues „Leben“ einhaucht. Ido hat schon bald den Verdacht, dass in Alitas Vergangenheit ein großes Geheimnis schlummert, vor dessen Wiederentdeckung er sie beschützen will. Allmählich lernt Alita, sich auf den Straßen der postapokalyptischen Stadt Iron City (ein Mittelding aus Schrottplatz und Hölle) zu bewegen, ständig gefährdet durch die seltsamen Kreaturen, die dort leben. Und dann ist da noch ihr neu gewonnener Freund Hugo, der – ähnlich wie Ido – erkennt, was es mit Alita auf sich hat, der aber durchaus andere Interessen hat. Und bald sind auch die korrupten Mächtigen, die die Stadt tyrannisieren, hinter ihr her.

Alita, das war schon im Manga so, hat von allem ein bisschen: Wer Grundzüge aus dem guten alten „Pinocchio“ erkennt, liegt nicht ganz falsch, da und dort gibt es Anleihen aus bekannten Märchen und populären Mythen, dazu kommt eine gehörige Dosis Cyberpunk, und das apokalyptisch-düstere Setting erinnert nicht von ungefähr an Ridley Scotts bahnbrechenden Sci-Fi-Thriller „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982. Einem profunden Kenner der modernen Populärkultur wie Robert Rodriguez – das hat er nicht nur mit seiner zweiteiligen Umsetzung von Frank Millers Graphic Novel „Sin City“ bewiesen – kann man zutrauen, dass er daraus etwas ganz Eigenes und Besonderes macht. Die bisherigen Trailer jedenfalls deuten darauf hin. Und, wie gesagt, die finanziellen Mittel dazu hatte er jedenfalls. So wurde, wie er stolz vermerkt, in Austin, Texas, nicht allzu weit von seiner Heimatstadt San Antonio entfernt, das bis dato größte Filmset in der Geschichte des Bundesstaates errichtet. Hunderte Spezialistinnen und Spezialisten aus allen digitalen/technischen Bereichen waren quasi rund um die Uhr beschäftigt, um das gewaltige Unterfangen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Trotz Performance Capture und allen digitalen Möglichkeiten, die Hollywood in diesen Tagen zur Verfügung stehen, ist ein solches Spektakel natürlich nicht denkbar ohne eine illustre Besetzung. Mit Christoph Waltz, dem zweifachen Oscar-Preisträger aus Wien, ist man sozusagen schon auf der sicheren Seite: Sein Dr. Ido ist neben Alita im Brennpunkt des Geschehens, und für einen Meister seiner Kunst wie Waltz ist das eine weitere großartige Rolle, die sich vortrefflich in seine beeindruckende Filmografie einfügt. Aber damit nicht genug: Mit Jennifer Connelly steht eine weitere Oscar-Preisträgerin zur Verfügung, die hier – eher untypisch – die böse Schurkin Chiren spielt. Und auch Mahershala Ali, für „Moonlight“ (2016) mit einem Oscar gekrönt, kommt hier als Bösewicht zum Einsatz: Er spielt Vector, einen üblen Zeitgenossen, der beauftragt wird, Alita zur Strecke zu bringen. Den ganz großen Coup hat sicherlich Rosa Salazar gelandet: Die 33-jährige Kanadierin, die mit „Die Bestimmung – Insurgent “(2015) und den beiden Maze Runner-Filmen einer brei-teren Öffentlichkeit bekannt wurde, wurde nach mehreren Casting-Sessions mit der Titelrolle betraut. Mit dem bisher vor allem aus dem Fernsehen bekannten Keean Johnson als Hugo hat ein weiterer Newcomer den schauspielerischen Jackpot geknackt. Nicht von ungefähr hat er aktuell bereits vier weitere Filme in Arbeit. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen: Den beiden steht eine große Zukunft offen.


ALITA: BATTLE ANGEL
Science-Fiction, USA 2018 – Regie
Robert Rodriguez
Drehbuch James Cameron, Laeta Kalogridis, Robert Rodriguez nach
der Manga-Serie „Gunnm“ von Kishiro Yukito Kamera Bill Pope
Schnitt Stephen E. Rivkin Musik Junkie XL Production
Design
Caylah Eddleblute, Steve Joyner Kostüm Nina Proctor
Mit Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali,
Ed Skrein, Jackie Earle Haley, Keean Johnson, Michelle Rodriguez
Verleih 20th Century Fox
Kinostart 14. Februar

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