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Selfstorage-Container an der südlichen Peripherie in Wien

Geparkte Emotionen

„Wo die Dinge wohnen“, diesem Thema widmet das Wien Museum eine Ausstellung. Es geht um Selfstorage. Ein rätselhafter Titel für ein banales Phänomen, könnte man meinen. Die Essenz: Gefühle brauchen Platz – und zwar ganz real.

Geheimnisvolle Schlüssel tauchen immer wieder auf in Büchern und Filmen. Sie gehören dann oft zu Schließfächern in Banken, wo noch rätselhaftere Funde warten. Zwar sind auch seltsame Funde in Lagern ein etabliertes Motiv, aber hier dürfte die Fiktion der Realität hinterherhinken. Denn Selfstorage boomt. „In Wien gibt es das Angebot seit 1999“, beginnt Martina Nußbaumer mit den Fakten, „zuerst war es eine langsame Entwicklung, in den letzten Jahren hat sie sich beschleunigt.“ Die Kultur-Historikerin mit Schwerpunkt Alltagsgeschichte und ihr Kuratoren-Kollege Peter Stuiber haben 10 bis 15 Anbieter identifiziert – genau eingrenzen lässt sich die Zahl nicht, manche haben nur einen Standort. Damit ein paar vermietete Kellerabteile als Selfstorage-Dienstleiter gelten, muss das Angebot einigermaßen professionell organisiert sein. Die Anfänge machte ein großer Anbieter, der eigene Gebäude baute. Diese Lager erfüllen hohe Standards in Sachen Organisation, Flexibilität – und Komfort, man könnte fast von Atmosphäre sprechen.

Urbane Verhältnisse
Hohe Standards und große Standorte haben natürlich ihren Preis. Aber wo das Service einmal bekannt war, konnte sich ein Markt differenzieren. Mittlerweile gibt es einfachere und günstigere Angebote, die trotzdem keine kalten Keller sind. „Zuletzt war eine starke Entwicklung in Leerständen im Erdgeschoss zu beobachten“, fasst Peter Stuiber den aktuellen Trend zusammen. Hier haben sich neue Anbieter positioniert, die mehr Standorte mit weniger Store-Einheiten betreiben. Selbst der umtriebige Immobilien- und Handels-investor René Benko soll bereits in diese Branche investiert haben. Erdgeschosse beschäftigen die Immobilienbranche schon seit langer Zeit. Wo früher Gewerbe von Schuster bis zum Krämer ums Eck zuhause waren, fehlt heute oft die Kundschaft. Die ist viel mobiler geworden, das Geschäft konzentriert sich in Hauptstraßen und Einkaufszentren. Die ganze Stadt ist nun das Grätzel, die Nebenstraßen verwaisen schon lange.

Mehr Raum, weniger Platz, viel Zeug
Große Neubauprojekte am Rand verändern die Gesamtstruktur. Die Stadt wächst mit der Zahl der Wohnungen, doch nicht deren Ausmaße. Es gibt immer weniger Keller und Dachböden, viele Wohnungen haben nicht einmal ein Abstellkammerl – auch weil solche Stauräume nicht mehr eingeplant werden müssen. Vielleicht wäre ohnehin keine Zeit, was einzuräumen: Die Mobilität nimmt zu, beruflich oder durch befristete Mietverträge motiviert. 2017 gab es in Wien 365.000 Umzüge – also 1000 am Tag! Wer jammert da noch, dass die Leute nicht flexibel wären? Dem steht eine andere Entwicklung entgegen: „Wir haben mehr Dinge: Konsumartikel sammeln sich an, das begann schon bei den Generationen vor uns“, konstatiert Martina Nußbaumer. Umso mehr fällt bei den Erben an, wenn jemand stirbt – alles weg damit?

Vollständiger Artikel in der Printausgabe.


Wo die Dinge wohnen
14.2. bis 7.4. 2019
MUSA, Felderstraße 6-8, 1010 Wien

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