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Christophe Slagmuylder © Magdalena Blaszczuk

Mein Theater ist die Stadt

In Brüssel hat Christophe Slagmuylder seit 2007 erfolgreich das Kunstenfestivaldesarts geleitet. Nun zeigt der Belgier als neuer Intendant der Wiener Festwochen sein erstes Programm für Wien.

Man hört, Sie seien viel zu Fuß unterwegs. Beschreiben Sie die letzten Meter Ihres Weges, wenn Sie morgens ins Büro in der Lehárgasse in Mariahilf gehen. Was begegnet Ihnen da, Herr Slagmuylder?

Ich habe eine Wohnung im 8. Bezirk gefunden und ich gehe wirklich jeden morgen zu Fuß ins Büro. Das ist jetzt nicht die Antwort auf Ihre Frage, aber wenn ich sonntags in Wien bin, mache ich meistens einen großen Spaziergang, eine Wanderung. Zuerst habe ich die Innere Stadt durchquert, ich war in der Leopoldstadt, im Dritten. Dabei starte ich immer direkt von zu Hause. Ich möchte Wien auch geografisch verstehen lernen. Ich mag nicht hierherkommen und ein Festival machen, das ich genauso in Dubai, Miami oder Amsterdam machen könnte. Natürlich wird man bei den Wiener Festwochen einige internationale Künstlerinnen und Künstler sehen, die auch auf anderen Festivals auftreten. Aber ich möchte sehen, was an Wien speziell ist – und das geht nicht innerhalb von vier Monaten. Ich bin vergangenen September hier angekommen, musste diese Ausgabe der Festwochen sehr schnell schaffen. Darum sage ich auch immer: Heuer ist es nur eine Art Skizze von etwas von dem ich hoffe, es noch weiter entwickeln zu dürfen. Eigentlich kenne ich Wien noch gar nicht.

Wie weit sind Sie denn schon bei Ihren Wanderungen durch die Bezirke gekommen?

Erst bis zum vierten Bezirk. Aber vergangenes Wochenende habe ich eine Ausnahme gemacht und bin durch den 16. Bezirk gegangen, und von da aus in den Wienerwald. Zufällig habe ich dann auch noch die Steinhofgründe mit der Otto-Wagner-Kirche entdeckt und bin schließlich bei der Jubiläumswarte gelandet, von wo aus man die ganze Stadt sieht. Dann ging es hinunter zur Villa Aurora und dann wieder nach Hause.

Das war eine große Wanderung. Hatten Sie eine Karte dabei oder gehen Sie immer einfach so drauf los?

Ich hatte eine App. Aber die Orte habe ich zufällig entdeckt. Auch die Manner-Fabrik, die glaube ich im 17. Bezirk ist. Die haben ihre Fabrik mitten in der Stadt!

Haben Sie die Manner-Fabrik gerochen?

Es war Sonntag, da backen sie wohl nicht.

Abgesehen von den Wanderungen, sind sie auch oft in Wien unterwegs?

Ich gehe oft samstags auf den Yppenplatz, da gibt es den Markt und es ist nicht weit von zuhause.

Das klingt, als wären Sie in ihren ersten vier Monaten schon ein typischer Wiener Bobo geworden.

Das geht schnell. Ich kann nicht ein Festival planen und dabei nur dauernd in Flugzeugen sitzen. Ich muss mich selbst in die Stadt investieren. Ich liebe natürlich auch die Kaffeehauskultur. Auf dem Weg ins Büro, wenn ich sehr früh unterwegs bin, setze ich mich oft noch ins Café Sperl. Das ist ein guter Ort, den Tag zu beginnen. Es ist ruhig da, besonders um sieben, halb acht in der Früh. Es ist ein Klischee, aber ich mag die Atmosphäre. Ich versuche möglichst viele Meetings nicht im Büro zu machen, sondern in Kaffeehäusern. Im öffentlichen Raum erlebt man die Menschen anders als im Büro. Ich muss noch so viel in Wien entdecken und lernen.

Sie scheinen sich schon gut auszukennen.

In den ersten Wochen habe ich viele Menschen von den Kulturinstitutionen getroffen, mögliche Festivalpartner, habe mögliche Orte besucht. Zum Beispiel das Theater Hamakon im Nestroyhof. Das ist so besonders, was Geschichte und Architektur betrifft. Ich möchte ein Programm machen, das auch von solchen Orten inspiriert ist. Ich will nicht nur das Theater an der Wien oder die Halle E bespielen ...

Vollständiger Artikel in der Printausgabe. 


Wiener Festwochen 
10. Mai bis 16. Juni 2019
www.festwochen.at

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