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Model und mehr

Erfolgsrezepte, Modelmaße und Modepreise: Die Wiener Designerin Jana Wieland im Porträt.

Models, die Mode designen – das geht nicht immer gut. Kate Moss startete beispielsweise gleich mehrere Versuche, von Capsule-Kollektionen für den Moderiesen Topshop bis hin zu Tapeten für einen britischen Traditionshersteller. Gigi Hadid wurde von Designer Tommy Hilfiger persönlich dazu eingeladen, Kollektionen für sein Modehaus zu entwerfen. Das Ergebnis war zwar sehr medienwirksam, der kreative Anspruch aber eher dürftig. Die Idee allerdings hat prinzipiell enormes Potenzial. Als erfahrenes Model weiß man nämlich, was sich gut trägt. Welche Schnitte sich dem Körper am besten anpassen, welche Stoffe sich angenehm tragen, welche Kleidung die richtigen Stellen hervorhebt und andere eher kaschiert. Voraussetzung dafür ist allerdings nicht immer der berühmte Name, sondern vielmehr ein Gespür für Mode, eine kreative Ader und auch ein Sinn für das Künstlerische. Jemand, der all dies vereint, ist die Wienerin Jana Wieland. Ihr Name ist definitiv kein unbekannter mehr, auch über die Grenzen von Österreich hinaus.

Vor sieben Jahren startete Jana Wieland ihre Modelkarriere und betrat damit bald internationales Parkett. Ihre Idealmaße und androgyne Ästhetik waren dabei eine große Hilfe. Neben vielen anderen Lektionen lehrte sie diese Zeit vor allem ein bisschen entspannter auf das Mode-Business zu blicken, wie sie FAQ im Interview erzählt: „Es ist wie bei vielen Dingen: Sobald man hinter schillernde Kulissen schauen kann, sieht man, dass alle schlussendlich nur mit Wasser kochen. Diese Erkenntnis hilft immer.“ Im Jahr 2013 begann sie mit dem Modedesign zu experimentieren, machte daraus Lookbooks, in denen sie diese Kleidung selbst vorführte. Auffallend war damals bereits der hohe künstlerische Anspruch dieser Kompositionen. Im Jahr 2016 wagte Jana Wieland dann offiziell den Schritt zum eigenen, nach ihr benannten Modelabel. Wissen über das Handwerk eignete sich die Nachwuchsdesignerin in der Modeklasse der Kunstuniversität Linz an, die zu dieser Zeit noch in Wien Hetzendorf angesiedelt war. Der Entschluss zur neuen Berufswahl war sogar ausschlaggeben dafür, nach einem Aufenthalt im Ausland wieder in die Heimat zurückzukehren, wie sie erzählt: „Ich war davor nur relativ kurz im Ausland und kam deshalb mit diesem Entschluss zurück nach Wien, weil ich plötzlich zwischen Sicherheiten, Freiheiten, Risiken, Strukturen und Selbstverwirklichungsimpulsen abwägen konnte.“ Bereits damals verfolgte sie eine Ästhetik, die sich bis heute nicht verändert hat: Simple Schnitte, die dennoch raffiniert den Körper einhüllen und dadurch umso eleganter wirken. Eine Vorliebe für den Oversize-Look und der Einsatz von transparenten Stoffen sind immer wiederkehrende Elemente in ihren Kollektionen. Oft sind es auch Gemütszustände und Gefühle, die ihre Mode inspirieren, oder eine Antwort auf den Zeitgeist. So hat die Designerin dem heutigen Hang zur Fast Fashion einiges entgegenzusetzen. Wer es nämlich gewohnt ist, jede Woche eine Fülle neuer Ware im Sortiment zu sehen, der ist bei der Wienerin ganz klar falsch. Hier gibt es nur Kleidung mit zeitlosem Stil, die ebenso lange hält: „Die Schnitte entstehen per Hand, oftmals sogar Freihand und selten gibt es davor genaue Skizzen. Impuls ist oft ein Tragegefühl, das ich umsetzen möchte, nicht ein bestimmter Look“, beschreibt Wieland ihre Herangehensweise. Produziert wird kontrolliert fair, in sehr familiären Betrieben in Bosnien, in der Ukraine und in Österreich. Die Schnitte der Kleidung werden oft an das direkte Feedback der Kunden angepasst, vieles wird nur als Einzelstück produziert. Der Hang zu eher androgynen Entwürfen springt zwar nicht konkret auf einen Trend auf, reflektiert aber ganz klar den aktuellen Zeitgeist. Denn derzeit sieht man so viel Unisex-Mode auf den Laufstegen wie nie zuvor. Selbst große Modehäuser zeigen Kollektionen für Männer und Frauen in derselben Show, oft wird auch ein und derselbe Entwurf von beiden Geschlechtern getragen. Was meint Jana Wieland: Ist Unisex die (Mode-)Zukunft? „Kleidung ist so körperlich und intim wie sie gleichermaßen spricht. Ich glaube, was man beim Thema Unisex beobachten kann, ist ein Aufweichen von bestimmten Kategorien, die noch in steinzeitlichen Geschlechterrollen verankert sind. Vielleicht wird Mode einfach zunehmend menschlicher, das fände ich toll. Sie kann ohnehin diskriminierend genug sein. Unisexmode ist aber, denke ich, nicht die Folge von dieser Tendenz. Sich zwischen Kategorien spielerisch zu bewegen ist sehr reizvoll, Unisex löst Diversität auf. Abgesehen davon sind wirtschaftliche Faktoren genauso ausschlaggebend. Mode ist immerhin eine Industrie.“ Ein Konzept, das definitiv aufgeht, immerhin wurde die Designerin Ende letzten Jahres im Zuge der AFA – Austrian Fashion Awards mit dem Modepreis der Stadt Wien ausgezeichnet – eine Auszeichnung, die immerhin mit 10.000 Euro dotiert ist. Wieland habe nicht nur eine klare Vision ihrer Marken-DNA, sondern auch eine fundierte und realistische Strategie zur internationalen Vermarktung entwickelt, so der O-Ton der Jury.

Apropos Wirtschaftlichkeit

Wie viele heimische Modedesigner auch, fasste Jana Wieland mit ihrem Label zuerst im Ausland Fuß. „Die Modelandschaft in Österreich ist zurückhaltend und ruhig in dieser Hinsicht. Ein schlummerndes Potenzial.“ Trotz Teilnahmen an heimischen Projekten, wie dem Wiener Take-Festival, zeigt sie ihre Kollektionen daher jedes Jahr in Showrooms in Paris und Tokio. In der japanischen Hauptstadt fand sie bislang die besten Absatzmöglichkeiten. Die geradlinige Ästhetik ihres Labels kommt gerade bei den modebewussten Asiatinnen gut an, die immer wieder nach Avantgarde-Mode aus dem Ausland suchen. Vor allem der hochdotierte Modepreis ermöglicht es der Designerin, mehr Zeit in Tokio zu verbringen und dort in persönlichen Kontakt mit wichtigen Einkäufern zu treten. Bei all dem Erfolg im Ausland verliert Jana Wieland ihre Wurzeln dennoch nie aus den Augen, wie sie uns erzählt: „Heimat ist für mich ein inniges Wohlfühlen, ortsgebunden. Also ja, es fließt auch immer ein bisschen Heimat in meine Entwürfe ein.“

Größen-Wirrwarr

Seit Beginn ihrer Karriere fungiert die Designerin selbst als Model für ihre Entwürfe. Das hat auf den ersten Blick einige Vorteile: Man muss nicht erst erklären, was man beim Tragen und Vorführen der Kleidungsstücke spüren soll, welche Gefühle man damit transportieren möchte. Das visuelle Aushängeschild für seine Mode zu sein, kann aber auch seine Tücken bereithalten. Zum Beispiel hinterlässt die Wienerin mit ihren Modelmaßen bei vielen den Eindruck, ihre Kleidung stünde nur großen und sehr schlanken Frauen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die fließenden Stoffe passen sich schmeichelhaft dem Körper an, auch jenseits der Größe 34. Dieses Thema will Wieland in zukünftigen Kampagnengestaltungen berücksichtigen.

Wer nun selbst einen Blick auf Jana Wielands Mode werfen möchte, der kann das natürlich auch außerhalb von Tokio machen. Erhältlich ist sie entweder direkt im Webshop, aber auch in Wien im Concept Store Sight in der Kirchengasse oder im Nachbarin Store in der Gumpendorferstraße.


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  • Fotos: Darius und Julian
  • Issue: 52
  • Keywords: Fashion