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Kelela © Dicko Chan

Alles bleibt anders

Performance, Theater, Film, Visual Arts, Clubkultur und viel Neues bei den Wiener Festwochen. Unter anderem mit der queer-feministischen R’n’B-Musikerin Kelela bei HYPERREALITY. Einige Programmempfehlungen.

Fünf Festwochenwochen lang – vom 11. Mai bis zum 17. Juni – wird das Wiener Festival wieder die Stadt auf den Kopf stellen und mit Uraufführungen, Gastspielen, Performances und Konzerten überraschen. Oder, wie Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin im Vorwort zum Programmbuch 2018 schreibt, uns Zuschauerinnen und Zuschauer dazu anregen, „mit einem anderen Blick die Welt in ihrer Komplexität zu erfassen und zu begreifen.“ Hier der Versuch, ein paar Highlights aus dem Programm zu präsentieren. Ein Versuch, der allerdings allein am ebenfalls recht komplexen Programm scheitern wird.

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Kelela © Dicko Chan

„Sie hat ihre eigene Nische im R’n’B gefunden“, schrieb die New York Times. Gemeint ist Kelela, und sie ist die musikalische Sensation, mit der die Wiener Festwochen heuer das Clubleben der Stadt aufmischen wollen. Die Musikerin nämlich ist einer der Hauptacts beim Festwochen-Festival HYPERREALITY. Gut so. Denn Kelela ist kein süßes Popsternchen, das von irgendwelchen Produzenten erfunden, auf Kommerz getrimmt auf die große Reise geschickt wurde. Sie ist eine selbstbestimmte Musikerin mit feministisch-queerem Background. Musikerin Solange, Beyoncés coolere Schwester, nahm Kelela 2012 mit auf Tour und schließlich, 2013, war da das berühmte Mixtape, von dem im Zusammenhang mit Kelela oft die Rede ist: „Cut 4 Me“, wunderschöner R’n’B-Gesang über 13 teils sehr dunklen Dance-Nummern, sogar Kollegen wie Gorillaz, Danny Brown oder Björk fanden’s super. Mit Mitte Dreißig war Kelela plötzlich Americas next big R’n’B-Hoffnung. 2015 erschien ihre erste EP „Hallucinogen“ mit dem Song „Rewind“, der für die New York Times zu den „25 songs that tell us where music is going“ gehört. Ihr Debütalbum „Take Me Apart“ kam vergangenen Herbst heraus – und man kann gar nicht genug bekommen von Kelelas gewaltigen chorisch übereinander gelagerten Stimmtürmen auf elektronischen R’n’B-Teppichen. Doch, man kann sogar dazu tanzen. Langsam halt.

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Arca © Daniel Shea

HYPERREALITY war eines der überraschendsten Formate, die mit der neuen Intendanz der Wiener Festwochen im vergangenen Frühsommer installiert wurden. Clubkultur und Konzerte – meist von hierzulande noch weitgehend unbekannten Acts – damals in Schloss Neugebäude am östlichen Stadtrand, ein Festival im Festival sozusagen, die Leute liebten es. Heuer geht es mit HYPERREALITY weiter in den Wiener Süden. Man möchte keine bestehenden Club-Strukturen nutzen, sondern temporär neue, unbekannte Orte bespielen und sie von der Crowd entdecken lassen. An drei Festwochentagen, dem vorgezogenen Wochenende vom Donnerstag, 24. bis Samstag, 26 Mai, wird so F23, eine ehemalige Sargfabrik in Wien Liesing, zum Konzert-, beziehungsweise Clubgelände. Eingangs erwähnte Kelela macht am zweiten HYPERREALITY-Tag den Headliner – wenn das die New York Times erfährt! Der venezolanische Sänger und Produzent Arca – er hat mit Björk oder Kanye West gearbeitet und auch Kelelas Album mitproduziert – ist Headliner am Eröffnungsabend. Man darf grenzüberschreitende musikalische Experimente erwarten. Genau so wie bei REAL GEIZT, hinter dem die Berliner Rapper-Legende Taktloss steckt, und der am 26. Mai sein vor 17 Jahren angekündigtes Album „wie prohezeit“ als Festwochen-Auftragsarbeit zum ersten Mal live performen wird (und dafür extra ein Team aus Instrumentalistinnen, Instrumentalisten und Visual Artist zusammengestellt hat). Freuen sollten sich Clubkids und Partymenschen aber auch auf Acts wie die Schweizer-nepalesische Künstlerin Aïsha Devi oder die Turntable-Künstlerin Shiva Feshareki, die mit dem Organisten Kit Downes erstmals in Österreich auftreten wird.

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Wiener Festwochen
11. Mai bis 17. Juni 2018

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