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Am Limit

Michelle Williams zählt schon seit einigen Jahren zu den aufregendsten Schauspielerinnen des US-amerikanischen Kinos. Ob in Arbeiten renommierter Regisseure wie Martin Scorseses Shutter Island oder Independent-Produktionen wie etwa Wendy and Lucy und Blue Valentine, ihre Auftritte bestätigen jedes Mal aufs Neue ihr Talent und ihre Vielseitigkeit. Die unterstreicht Williams mit ihrer Leistung in My Week with Marilyn auf beeindruckende Art und Weise, ihre Darstellung der Ikone Marilyn Monroe ist dabei ebenso einfühlsam wie nuanciert. Basierend auf den Memoiren eines damaligen Regieassistenten fokussiert My Week with Marilyn auf die Zeit der Dreharbeiten des Films The Prince and the Showgirl aus dem Jahr 1957 in dem Marilyn Monroe neben der Schauspiellegende Laurence Olivier eine Hauptrolle übernommen hatte. Neben den Turbulenzen, die diese Zusammenarbeit zweier so grundverschiedener Charaktere mit sich brachte, zeigt der von Simon Curtis inszenierte Film aber auch die hinter der glanzvollen Fassade ihres Starimages von Selbstzweifeln gequälte Marilyn, die sich nur mehr in die Medikamentenabhängigkeit flüchten kann.

Zu Abgründen anderer Art führt Steve McQueen mit seinem neuen Film Shame. Der britische Video- und Installationskünstler McQueen hatte bereits mit Hunger ein beeindruckend radikales Spielfilmdebüt abgeliefert, das die Kompromisslosigkeit, mit der IRA-Mitglied Bobby Sands seinen Kampf um die Anerkennung als politischer Gefangener führte, drastisch zeigt. Mit Sexsucht hat sich der Regisseur in Shame eines Themas angenommen, das nicht viel weniger kontroversiell aufgenommen werden dürfte. Wie sehr der von Michael Fassbender – der bereits in Hunger für die Rolle von Bobby Sands bis hart an die physischen Grenzen gegangen war – gespielte Protagonist unter dieser Obsession leidet, macht McQueens Inszenierung mit einer in ihrer Schonungslosigkeit unter die Haut gehenden Inszenierung deutlich.

An seine Grenzen gehen muss auch der von Mark Wahlberg gespielte Charakter Chris Farraday in Contraband. Der hat sich von seiner Laufbahn als professioneller Schmuggler vollständig verabschiedet und führt mit seiner Familie ein höchst bürgerliches Leben. Doch als der Bruder seiner Frau sich auf kriminelle Machenschaften einlässt und sein Leben nur durch Begleichung seiner Schulden bei einem Dealer retten kann, sieht sich Chris gezwungen, noch einmal ins illegale Business zurückzukehren Doch sein Plan, Falschgeld an Bord eines Frachtschiffs von Panama ins heimatliche New Orleans zu schmuggeln, droht schon bald aus dem Ruder zu laufen. Basierend auf einem isländischen Film aus dem Jahr 2008 hat Baltasar Kormákur (der im Original nicht nur die Hauptrolle übernommen hatte sondern auch als Produzent fungierte) mit Contraband einen präzise konzipierten Actionthriller in Szene gesetzt, der durch sein konsequent hochgehaltenes Erzähltempo feines Genrekino bietet.

Einen ungewöhnlichen Thriller um Weltuntergang und Paranoia hat Jeff Nichols mit Take Shelter abgeliefert. Ein einfacher Bauarbeiter, der mit seiner Familie im ländlichen Ohio lebt, wird von Alpträumen apokalyptischen Visionen geplagt. Die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit beginnen zusehends unscharf zu werden, Nichols Inszenierung versteht es kongenial, eine Atmosphäre permanenter Anspannung und Verunsicherung zu generieren.

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