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© Alexander Schubert

AntroPOPhone Notwendigkeiten

Nach Tanz, Film und Fernsehen findet bei der 28. Ausgabe von WIEN MODERN nun das Thema Pop Eingang ins Festivalprogramm: Pop.Song.Voice. untersucht die Schnittstellen von zeitgenössischer Musik und Popkultur. Es wird über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Neuer Musik und die Artenvielfalt des Populären reflektiert, sowie deren Wechselbeziehungen aufgezeigt. FAQ nahm das Festivalmotto zum Anlass, den Gewinner des Erste Bank-Kompositionspreis 2015 Peter Jakober in seinem Studio in der Zacherlfabrik zu besuchen. Das Klangforum Wien unter Bas Wiegers spielt am 13. November im Wiener Konzerthaus die Uraufführung seines neuen Werkes „Substantie“. Jakobers Musik zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit den aktuellen Möglichkeiten der Live-Elektronik und der gezielten Klanggestaltung aus. Für FAQ assoziert er exclusiv zu dem Themenkonglomerat Pop.Song.Voice.

Keyword Pop: „Zur Neuen Musik kam ich über Bands wie Laibach, Einstürzende Neubauten aber auch Talk Talk. Superhits wie „Such a shame“ von Talk Talk schätze ich immer noch. Mich beeindruckt eben der Verlauf, den diese Band genommen hat, und ich finde vor allem die späteren Sachen von Talk Talk sehr spannend. Der Sänger Mark Hollis gibt ja anscheinend mittlerweile keine öffentlichen Konzerte mehr, sondern spielt in seiner Wohnung in London Morton Feldman. Bei Laibach waren Alben wie MacBeth oder Kapital sehr prägend für mich: Diese Spannung, diese Wut. Ich bin also nicht durch klassische Musik, sondern die erwähnten Bands zur zeitgenössischen Musik gelangt.“ Catchwort Song: „Ich höre zwischen meinen kompositorischen Arbeiten, vor allem wenn ich mit Stimmen arbeite, gerne Pop-Songs. Ich habe meine Achtung davor, würde mir jetzt aber auch nicht ohne längere Einarbeitungsphase zutrauen, einen Popsong zu komponieren. In Köln habe ich den Komponisten Marcus Schmickler, der mit Julee Cruise zwei Album aufgenommen hat, kennengelernt. Ich finde ihn toll. Und er hat sich dafür auch lange eingearbeitet. So schnell mal einen Popsong zu machen, ich denke das funktioniert nicht.“ Buzzword Voice: „Ich habe letztes Jahr das Stück ‚Stehende Zeit‘ geschrieben. Darin kamen Textcollagen von Strache-Aussagen vor, die von einer Sopranistin Silbe für Silbe nach einem leicht anderen Tempo als das der Instrumentalisten eingesprochen wurden. Ich arbeite ja gerne mit Tempoüberlagerungen, so auch hier mit dem Trio Unidas. Die Besetzung war barock, das Stück ‚Time stands still‘ von John Dowland diente mir als musikalische Vorlage. Diese Kontextverschiebung von ‚Time stands still‘ – im klassischen Sinne oft liebesromantisch eingesetzt – und ‚Times stands still‘, wenn du immer wieder die selben grauslichen, ausländerfeinlichen Aussagen hörst, das wollte ich in dieser Kompositon verarbeiten.“

Noch ein paar Hinweise auf junge Ensembles: In „Fruchtbares Grenzland“ lotet das Black Page Orchestra die Grenzbereiche zwischen komponierter Musik, multimedialer Komposition, Video und Elektronik aus und stellt dabei Bezüge zu Pop und Popkultur her. Einen Abend in Travestie gibt es im Fluc zu erleben: Das Ensemble Platypus lässt Hits der neuen Musik erklingen, die umgedeutet werden und dabei auch zum Tanzen einladen. Zum Finale des Festivals begeben sich das Ensemble Nikel und Alexander Schubert  in „Nikel – rAVE nIGHT vIENNA“ auf die Suche nach der Essenz des Pop. Mit Techno, Eskapismus, Film, Musik, Licht, Nebel, tosenden Gitarren, Schlagzeug und vielen Klischees geht die 28. Ausgabe des Festivals mit einer rauschenden Party im WUK dann schließlich zu Ende.

Wien Modern
5. bis 28. November 2015
www.wienmodern.at

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