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Fotos: Stefan Seelig

Aufregend unaufgeregt

Text: Lena Style Fotos: Press

Was entsteht, wenn eine Wiener Kunsthistorikerin beschließt, ein Modelabel zu gründen? Die perfekte Alltagsgeschichte namens Etaro.    

Das Wort „unaufgeregt“ schreiben sich die Designer heutzutage nicht sehr gerne aufs Etikett. Mode muss heute doch das Gegenteil sein: aufregend, spektakulär oder wenigstens schrill. Bei den großen Modemarken geht es heute mehr denn je darum, aus der Masse hervorzustechen – und das in kleinst-möglichen Abständen. Jede Saison muss etwas auf den Laufsteg, das die Zuschauer dazu bringt, vom Smartphone-Display aufzublicken. Nur um sie gleich danach wieder an eben dieses Smartphone zu fesseln, denn dann soll fleißig gepostet, geliked und geshared werden. Und das funktioniert eben besonders gut, wenn die gezeigte Mode so laut wie möglich ist. Das, was zwischen all diesen Herzchen und hochgestreckten Daumen aber immer zu kurz kommt, ist die Tragbarkeit. Denn das ist es, was Kleidung ursprünglich sein sollte – tragbar.

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Jemand, der dieses Konzept der Zweckmäßigkeit derzeit wunderschön umsetzt, ist Julia Stricker mit ihrem österreichische Modelabel Etaro. Dass es eine wahre Kunst ist, solchen unkomplizierten Looks das gewisse Etwas zu verleihen, weiß sie wohl am besten. Denn vor ihrer Karriere als Modedesignerin war Julia Stricker als Kunsthistorikerin in Wien tätig. 2015 folgte dann der Schritt zum eigenen Label samt Store, der sich in der Lerchenfelder Straße 7 befindet und Anfang des Jahres eröffnet wurde. Bei Etaro gibt es nicht hunderte neue Entwürfe pro Monat, sondern gut kuratierte Ready-to-wear-Kollektionen, zweimal jährlich. Gearbeitet wird ausschließlich mit Qualitätsstoffen, hochwertig verarbeitet in Europa. Alle Strickwaren werden sogar lokal in Österreich hergestellt. Bei den Entwürfen hat die Designerin meist die Vergangenheit vor Augen, vergisst dabei aber nicht den Blick auf das Heute. Sie schafft eine moderne Balance zwischen verschiedenen Stilen aus mehreren Jahrzehnten und trifft somit dennoch den Zeitgeist. Denn was bei Etaro im Vordergrund steht, ist das Unkomplizierte. Ein Outfit soll von morgens bis abends, vom Business-Meeting bis zum Dinner mit Freunden, entspannt tragbar sein und gleichzeitig die Persönlichkeit unterstreichen.

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Auffallend viele Elemente aus der Männerbekleidung sieht man in ihrer aktuellen Herbst-Winter-Kollektion. Gut geschnittene Hosen, Hosenanzüge und Mäntel spielen die Hauptrolle. Feine Farbwelten und selbst entworfene, grafische Prints lockern das Ganze ein wenig auf. Leichte Seide trifft dicke Wolle, gedeckte Tonklassiker wie Grau und Beige gehen Hand in Hand. Gemacht ist ihre Mode laut Julia Stricker wie „für die urbane, selbstbewusste Frau, die mit ihrem Stil nicht laut nach Aufmerksamkeit schreit, damit aber ihren ausgeprägten Sinn für Mode zur Geltung bringen möchte.“ Und damit lässt sie wie nebenbei das Wort „unaufgeregt“ in einem ganz neuen Licht erstrahlen.

www.etaro.at

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