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Kreisverkehr, Foto: blickfang Wien

Back to the Roots

Text: Lena Style Fotos: Blickfang

Die Designmesse blickfang wird am letzten Oktoberwochenende im Wiener MAK wieder eine bunte Besucherschar erwarten. Geboten werden Produkte mit Charakter und Geschichte, denn das Publikum setzt derzeit mehr denn je auf Wertigkeit und Handwerk.

Die Blickfang ist nun seit fast 25 Jahren das größte Design-Shopping-Event in Österreich, Deutschland und der Schweiz, mit jährlich mehr als 70.000 Besuchern und über 650 teilnehmenden Designern. Dennoch fühlt sich ein Besuch immer noch wie ein intimer Einkaufsbummel an. Denn die Messe bietet eine einzigartige Mischung aus Einkaufserlebnis und direktem Kontakt mit den Machern der Produkte und das scheint immer mehr den Geschmack der modernen Konsumenten zu treffen. Obwohl Millennials und Co. gerne alles sofort mitnehmen wollen, wird ihnen immer wichtiger, wo das Produkt herkommt, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde und vor allem: von wem. Auch weil heute kein Monat mehr vergeht, in dem nicht verheerende Missstände in Fabriken und Minen aufgedeckt oder Medienartikel über giftige Ausdünstungen von Möbeln und Textilien veröffentlicht werden. Verunsicherung und Skepsis gehen um, man hat als Käufer heutzutage einfach bereits zu viel Negatives erlebt. Deswegen schießen gerade Begriffe wie Nachhaltigkeit, Minimalismus oder Entschleunigung durch die sozialen Netzwerke. Was heute cool sein will, muss entweder vegan oder umweltfreundlich sein. Die glorreichen Zeiten von billiger Massenware „Made in China“ scheinen zum Glück erstmal vorbei. Gefragt sind Authentizität, Liebe zum Handwerk und die Geschichte, die das Produkt erzählt. Obwohl, auf der blickfang erzählen nicht die Produkte, sondern ihre Hersteller alles über sich – vorausgesetzt, man will es überhaupt wissen. Die Chance auf den direkten Kontakt sollte man aber auf jeden Fall ergreifen. Denn wann bekommt man schon die Gelegenheit, ein Produkt zu kaufen und gleichzeitig alles darüber zu erfahren, was sich der Designer dabei gedacht hat? Eben. Also: Jutebeutel und veganen Energie-Riegel einpacken und zwischen 26. und 28. Oktober auf ins Museum für Angewandte Kunst.

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Rudolf Vienna

Storyline

Zum Geschichtenerzählen sind auch dieses Jahr wieder viele neue Gesichter eingeladen. Da wäre zum Beispiel das italienische Label Rruna. Die beiden Designerinnen Virginia Colonna und Martina Fortuni hatten die Idee, zeitgenössische Künstler mit erfahrenen Handwerkern zusammenzubringen. Kunst trifft Mode, neue Ideen treffen solide Tradition. Für die aktuelle Kollektion engagierte das Duo die türkische Künstlerin Gozde Ilkin. Farbenfrohe Seidenprints verweisen auf ihre kulturellen Wurzeln, während handgestickte Details auf die politische Situation in der Türkei Bezug nehmen. Einen zeitgemäßen Zugang zu einem der ältesten Handwerks-Materialien fand das Team von Additive Addicted. Das Label mit dem zungenbrecherischen Namen fertigt Porzellanbecher- und schalen, indem Keramik via 3-D-Drucker schichtweise aufgebaut wird. Eine altertümliche Technik in neuen „Händen“ – dadurch entsteht eine ganz neue, charakteristische Haptik und Struktur. Zu guter Letzt überrascht auch das Tiroler Label Almut mit seiner modernen, klaren Handschrift. Denn die Lampenschirme, die es produziert, sind aus sorgsam gepresstem Almheu gefertigt und haben dennoch nichts mit schwülstiger Heimatfilm-Romantik gemeinsam. Die minimalistischen Lampen machen sich gut in rustikalem Ambiente, passen sich zugleich auch an sehr moderne Raumkonzepte an.

2_RRUNA_blickfang_Wien.pngRruna

Hamburger Ästhetik in Wien
Die blickfang versteht sich aber nicht nur als Messe, sondern als Plattform für Design, wofür auch die vielen Sonderformate sprechen. Neben Designworkshops und -preisen mit namhafter Jury zählt der Kurator des Jahres zu den wichtigsten Fixstartern des jährlichen Events. Oder besser gesagt, die Kuratoren des Jahres, denn in diesem Jahr übernehmen gleich zwei Kreative diese wichtige Aufgabe. Wie ihre Vorgänger sind auch Marcel Besau und Eva Marguerre keine unbekannten Gesichter in der Design- und Architekturszene. Die Inneneinrichtung der skandalumwitterten Elbphilharmonie in ihrer Heimatstadt Hamburg ließ den Namen ihres Designstudios Besau Marguerre erstmals durch alle wichtigen Medien gehen. Aber auch mit Messe-Inszenierungen der tonangebenden Möbelmarke Vitra oder mit Produktentwürfen für E15, Petite Friture oder Fürstenberg erlangten sie Bekanntheit. Die Tischtuch-Kollektion „drop“, die sie letztes Jahr im Rahmen der blickfang entwarfen, veranschaulicht vielleicht am besten ihre einzigartige Herangehensweise: Für das blaue, zerfließende Muster schrieben die beiden eigens ein Computerprogramm. Es übersetzt die Prinzipien von Aquarellmalerei und der japanischen Falttechnik Shibori in ein digitales Handwerk. Traditionelle, zeitaufwändige Techniken werden so in unser digitales Zeitalter geholt. Mit innovativen Ideen wie diesen begleiten die zwei nun die blickfang-Macher eine ganze Saison lang. Es wird also wieder viel Aufregendes zu sehen geben, vor allem für jene, die sich im stressigen (Shopping-)Alltag nach ein bisschen mehr Wertigkeit sehnen. Aber trotz aller „Back to the roots“-Statements hat man auch an alle gedacht, die Schönes am liebsten rund um die Uhr shoppen. Im Onlineshop auf www.blickfang-designshop.com kann man auch dieses Jahr von der eigenen Couch aus einkaufen. Netflix and shop, wie es die Jugend von heute nennen würde.

FAQ verlost 3x2 Freikarten für die blickfang Designmesse in Wien.
Senden Sie bis 23. Oktober eine E-Mail mit dem Betreff
"blickfang" an gewinnspiel@faq-magazine.com 

blickfang Wien
26. bis 28. Oktober 2018 
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

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