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David Bowie and William Burroughs 1974 Photograph by Terry O’Neill © Courtesy of The David Bowie Archive 2012

David Bowie

Text: Brigitte Auer Fotos: Press

Die Titel Geheimniskrämer und Überraschungstäter des Jahres sind ihm seit seinem 66. Geburtstag am 8. Jänner sicher: An diesem Tag erschien „Where Are We Now?“, David Bowies erstes musikalisches Lebenszeichen seit gut zehn Jahren. Und die Frage, wo man – beziehungsweise Herr Bowie – nun wirklich steht, ist nicht erst seit seinem Rückzug an Heim und Herd nach einem Herzinfarkt 2004 aktuell, sondern stellt sich ganz grundsätzlich im Hinblick auf die schiere Fülle an Output und Einfluss, den er dieser Welt beschert hat. Ein paar Antworten verspricht die Ausstellung „David Bowie is“ des Londoner Victoria & Albert Museums. Wie keine Institution vor ihnen, durfte das V&A das Bowie’sche Archiv durchstöbern und in der ersten internationalen Retrospektive anhand von mehr als 300 Objekten die Stationen einer singulären Karriere durchwandern. Handschriften seiner Songtexte und Tagebucheinträge geben Einblicke in Bowies Arbeitsprozess, Originalkostüme wie die von Freddie Burretti designten Ziggy Stardust Bodysuits aus 1971/72 stehen neben anderen Anzeichen einer frühen ästhetischen Revolte, wie der im Alter von 17 Jahren gegründeten „Society for the Prevention of Cruelty to Long-haired Men“. Zum Stardust-Alter-Ego erklärte Bowie einmal: „I wanted to de-violence the look of Clockwork Orange and evoke the mystery of Japanese kabuki and Noh theatre.“ Die von ihm kreierten Charaktere gipfelten in ihrer vehementen Stilisierung in einer nicht immer gesunden Durchdringung von Fiktion und Realität. Bowies konstante Suche und Sucht nach Einflüssen, Selbststilisierung und Neuerfindung dockte mal an der dystopisch-explosiven Mischung aus George Orwells „1984“ und Fritz Langs Metropolis an (Diamond Dogs), tauchte dann in zweireihige Anzüge und amerikanischen Soul ein (Young Americans) und verstieg sich als The Thin White Duke in kokainumnebelte und nicht unproblematische, pseudo-okkulte Machtfantasien. „Bowie is“ beleuchtet Kollaborationen mit Künstlern und Designern aus unterschiedlichen Bereichen und stellt ikonische Fotografien, Filme und Musikvideos bisher nicht öffentlich zugänglichen Dokumenten und Objekten gegenüber.


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