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oenm © Andreas Hechenberger, Markus Sepperer

Der Zeit entsprechend

So könnte man den Begriff „modern“ auch umschreiben. In der 27. Ausgabe von WIEN MODERN – vom im Jänner verstorbenen italienischen Dirigenten Claudio Abbado 1988 gegründet, richtet das Musik-Festival heuer sein besonderes Augenmerk auf die Schnittstelle von Film respektive Television und Neuer Musik. Schon vor der Eröffnung im Wiener Konzerthaus am 29. Oktober 2014 finden unter dem Programmschwerpunkt „on screen“ zwei Abende im Filmmuseum statt. Sieben Spielfilme zeigen Begegnungen mit Neuer Musik auf. Olga Neuwirth, die sich von Anfang an in ihren Kompositionen mit den Möglichkeiten des Mediums Film auseinandergesetzt hat, untermalt am 20. November im Gartenbaukino den Stummfilm Maudite soit la guerre (Verflucht sei der Krieg) von Alfred Machin, der die Geschichte einer unmöglichen Freundschaft und Liebe zu Zeiten des Krieges erzählt.

Ein besonderes Highlight des Programmschwerpunkts „on screen“ ist  die Uraufführung der siebenteiligen Sitcom-Oper Das Leben am Rande der Milchstraße. Die Musik steuert der österreichische Komponist Bernhard Gander bei, der von guter Musik nicht mehr und nicht weniger verlangt, als dass sie ihm „die Schädeldecke wegfetzt“. Unter der Dirigentenschaft von Simeon Pironkoff verwandelt das Ensemble PHACE den Berio-Saal des Wiener Konzerthaus in ein Fernsehstudio der Gegenwart und wird die moderne Arbeitswelt musikalisch illustrieren. So richtig eröffnet wird dann wie gewohnt im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. Unter der musikalischen Leitung von Cornelius Meister bringt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien gemeinsam mit dem Klangforum Wien das Stück „concerto grosso Nr. 2“ für Kammerensemble und Orchester des diesjährigen Schwerpunktkomponisten Georg Friedrich Haas zur Aufführung. Auch diesem alten Hasen der Neuen Musik sei hier ein O-Ton gegönnt: „Ich habe festgestellt, dass ich mich mit Tönen besser als mit Sprache ausdrücken kann, weil der Klang eines Akkordes so viel deutlicher die inneren Schwingungen und Dramen formulieren kann.“ Vom Gönnen und Können zum Gönner. Genauer zum Elektro Gönner. Hier findet am 16. Oktober wieder niederschwelligst das traditionelle Warm-up statt.

Mit „chiaroscuro“ bedient sich die Komponistin Manuela Kerer eines künstlerischen Stilbegriffs. Ursprünglich bezieht sich Chiaroscuro auf die Mal- und Sehweisen in der Malerei des Barock, wie das ins Licht gerückten Sujets vor dunklem Hintergrund. Die Kontrastwirkung von Hell und Dunkel hat im Film noir und der Low-key Fotografie als Chiarsoscuro-Effekt große Bedeutung. In der Musik bezeichnet diese einen Abstufungseffekt zwischen wechselnden Tutti- und Solo-Passagen wodurch sich die Lautstärke alleine durch die Besetzungsunterschiede ändert. Das Publikum erwartet ein Spiel mit Schatten und Licht. Interpretiert wird diese Uraufführung vom jungen Ensemble Platypus.

Es gibt natürlich noch viel mehr zu entdecken, deshalb sei hier auf die Webpräsenz sowie den umfangreichen Almanach zum Festival für weitere Erkundungen der Zukunft zwischen den Halbtönen verwiesen.

WIEN MODERN
Oktober – 21. November 2014
wienmodern.at 


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