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Ajla Ayidan, Foto: Nikolaus Weitzer

Die Poesie der Kleidersprache

Text: Jenni Koutni Fotos:

Ruhm und Selbstdarstellung – für viele Designer die schönen Dinge, die eine erfolgreiche Karriere mit sich bringt. Auf Ajla Ayidan trifft dies nicht im Geringsten zu: Sie macht Mode um der Mode wegen. Geboren in Sarajevo, Absolventin der Modeklasse der Universität für Angewandte Kunst Wien unter der Leitung von Raf Simons und Veronique Branquinho, tätig unter anderem für Haider Ackermann in Paris. Die nötigsten Fakten zu der Designerin, die sich viel lieber über ihre Mode präsentieren möchte. Und tatsächlich spricht Ajla über ihre Kollektionen, als ob sie gerade ein Gedicht aufsagen würde. Es geht um eine Sinnlichkeit, nicht um Direktheit oder Sexiness. „Ich beobachte Menschen in meinem Alltag und sehe, wie sich Kleidung bewegt, die kleinen Details, die zunächst nicht zu erkennen sind, sich aber auf den zweiten Blick offenbaren.“

Ayidans Entwürfe sind nicht laut, sondern einfühlsam, poetisch und voller Geschichten. Und so sucht sie auch bei Stoffen das Besondere. Sie verzichtet gänzlich auf synthetische Stoffe, verwendet stattdessen hochwertige Materialien aus natürlicher Herkunft, die sie von alten Tuchfabriken in Frankreich, England oder Italien erwirbt. „Für mich ist der Gedanken, dass sie aus traditionellen, europäischen Unternehmen stammen, wundervoll. Man hat schon beim Berühren dieser Stoffe eine ganz andere Wahrnehmung, wenn man die Geschichte dahinter kennt.“ Denn auch in Zukunft werden jene Dinge, die uns ein Leben lang begleiten, die wichtigsten für uns sein. „Haben wir nicht alle Stücke von unseren Müttern oder Großmüttern, die nach Jahrzehnten eine emotionale Bedeutung bekommen?“ Und so findet man in allen Kollektionen Zeitloses, Experimentelles und Modernes zugleich – Stücke, die einen ein Leben lang begleiten sollen, nicht nur eine Saison lang. Kurzzeittrends haben in Ayidans Vision von Mode keinen Platz, genauso wenig wie Instagram und Facebook. Und trotzdem ist jedes Modell, das in Handarbeit in Wien hergestellt wird, ein Zeichen der Zeit. „Ich arbeite auf einer sinnlichen Ebene, es geht um Aura und Intuition.“ Und um die Liebe zu vergangenen Epochen und fernen Destinationen.

Designerinnen wie Ajla Ajidan sind es, die der Mode ihre einstige große Bedeutung wiedergeben und der Welt ein bisschen mehr Poesie.


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