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Die Shirt Boys

Text: Lena Style Fotos: Press

Das klassische Hemd, neu und kreativ interpretiert? Dafür kennt die Modewelt derzeit nur zwei Namen: Levi Palmer und Matthew Harding.

Ein Kragen, zwei Ärmel und eine Knopfleiste: Sieht man ein klassisches Hemd, dann scheint es nicht allzu viel Raum für Neuinterpretationen zu geben. Der Kragen variiert je nach Anlass, Farbe und Stoff verändern sich häufig, aber das Grundprodukt bleibt dennoch immer gleich. Für die Briten Levi Palmer und Matthew Harding war der Schlüssel zum großen Erfolg aber eben dieses Kleidungsstück.

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Die 2012 aus der Star-Designerschmiede des Central Saint Martins College hervorgegangenen Modedesigner zeigen ihre Kollektionen zweimal jährlich im Rahmen der Londoner Fashion Week und machten durch die immer wiederkehrenden Hemden-Designs von Anfang an auf sich aufmerksam. Presse und Käufer nannten die beiden fortan liebevoll „the shirt boys“. Innovative Schnitte, die die Silhouette verändern, Muster, die dem Stil ganz neue Richtungen geben oder Drapierungen, die man bis dato noch nie an einem Hemd gesehen hatte, brachten die Zuschauer immer wieder zum Staunen. Oft sind es nur kleine Kniffe, die große Wirkung entfalten. Gleichzeitig ist jedes Hemd durch exquisite Verarbeitung ein Kunstwerk für sich und bleibt dennoch immer tragbar. Das geschulte Auge merkt, dass die beiden Designer ihr Handwerk beherrschen. Nicht-traditionelle Techniken auf einem traditionellen Männerhemd anzuwenden ist allerdings nichts Neues mehr. Vor allem in den letzten zwei Jahren sah man bei so gut wie jedem großen Modehaus mindestens eine Version des dekonstruierten Hemdes auf dem Laufsteg. Dennoch kreierte das Duo daraus eine ganz eigene, unverkennbare Ästhetik und hat bis heute großen Erfolg damit. Ein beeindruckender Werdegang, wenn man bedenkt, dass er mit einem fast schon langweiligen Kleidungs-Basic begann.

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Für eine Renaissance des Hemdes wurde es auch höchste Zeit, denn kaum ein anderes Stück Stoff begleitet den Menschen bereits so lange Zeit im Alltag. Im Althochdeutschen bedeutete das Wort Hemd so viel wie Haut und hatte auch genauso viel Bedeutung. Um 1000 vor Christus war das einfache, bodenlange Hemd ohne Knöpfe allgegenwärtig, sowohl bei Männern als auch bei Frauen und Kindern. Nachdem es viele Jahrhunderte sein Dasein im Verborgenen fristete, kam das Hemd im 18. Jahrhundert als Oberbekleidung wieder zu neuem Ruhm. Nun wurde auch zwischen dem männlichen Hemd und der weiblichen, viel körperbetonteren Bluse differenziert, woran die an unterschiedlichen Seiten angebrachten Knopfleisten noch heute rudimentär erinnern. Und jetzt? Da wird das klassische Hemd gerne von beiden Geschlechtern in allen Farben und Varianten getragen. Man merkt, die Chance, ein gut geschnittenes Hemd zu erwerben, das irgendwann völlig aus der Mode kommt, ist gering. Ein Faktum, das sicher auch für den großen Erfolg von palmer//harding verantwortlich ist.

www.palmerharding.com

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