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Ein Freund, ein Leben

Mit „Grant & Ich“ setzt Robert Forster einer großen Freundschaft ein grandioses Denkmal.

Die Go-Betweens waren zwischen 1986 und 1988 die beste Band der Welt. Sie teilten sich diesen Titel mit befreundeten Bands wie REM oder Hüsker Dü, die ebenfalls alle von mehreren Songwritern angetrieben wurden. Die Go-Betweens eroberten zehntausende Herzen in England, Europa und Australien, sie wurden von der gesamten Musikpresse in den Himmel geschrieben und dominierten auch in beängstigender Regelmäßigkeit die Jahrescharts von Blättern wie „Spex“, „NME“ oder „Rolling Stone“. In dieser ersten Phase der Band schufen die beiden Songwriter Grant McLennan und Robert Forster Klassiker wie „Streets Of Your Town“, „Spring Rain“, „Love Goes On“ oder „Right Here“ und machten nie ein Geheimnis daraus, dass sie einen großem Hit schreiben wollten. Der passierte aber trotz großer Hoffnungen nicht und so blieben am Ende drei große Platten und ein Haufen Schulden bei der letzten Plattenfirma über. Die Auflösung der Band änderte aber nichts an der Freundschaft der beiden zentralen Figuren der Band. Auf der einen Seite der Denker, Familienmensch und Planer Robert Forster, auf der anderen Grant McLennan, der Lebemann mit den traurigen Augen, der keine Party früh verlassen konnte und dem die süßesten Melodien der Band gehörten.

Die beiden schafften im Jahr 2000 sogar etwas, das keine Band zuvor und danach schaffen sollte: Ein Comeback nach mehr als zehn Jahren, das künstlerisch Sinn machte und der Gruppe ein größeres Publikum als jemals zuvor bescherte. Genau in dem Moment, wo sich erstmals wirklicher Erfolg ankündigte und auch die neuen Platten bestens aufgenommen wurden, starb Grant McLennan am 6. Mai 2006 mit 48 Jahren kurz vor einer Party in seinem Haus, zu der natürlich auch der Lebensfreund Forster eingeladen war, der aber nur mehr den Notarztwagen vor der Tür sah.

In den Tagen danach gab sich Robert Forster das Versprechen, die Geschichte dieser Männerfreundschaft aufzuschreiben und nach langen Jahren des Wartens erschien zuerst in Australien, und nun auch im Rest der Welt, endlich „Grant & Ich“. Der Überlebende erzählt in gewohnt sorgsamer, genauer und knapper Sprache natürlich die Geschichte seiner Band, ihrer Siege, Konflikte und Niederlagen – aber es ist vor allem die große Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Männern, die zwischen den Zeilen erzählt wird. Ganz am Schluss folgt dann ein Satz, der die Tiefe dieser Beziehung zusammenfasst: „We created the most romantic thing two heterosexual men can, a pop group.“ Ein Satz der keine Ergänzung mehr braucht.


Robert Forster: Grant & Ich

München: Heyne Verlag, EUR 22,70

Robert Forster – Lesung mit Musik
30. November, Wien, Theater Akzent, 19.30 Uhr

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