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Foto: Doro Tuch

Einsame Größe

Christiane Rösinger beweist auch mit dem zweitem Soloalbum ihre Einmaligkeit

Wenn man Christiane Rösinger im persönlichen Gespräch mit Grande Dame ansprechen würde, dann wäre die Ohrfeige wohl nicht weit, zumindest ein ziemlich böser Blick aber gewiss. Was hätten mehrere Frauengenerationen aber ohne ihre selbstverständliche Do-It-Yourself-Ethik gemacht, wie viele Lacher wären bei den Touren der Lassie Singers unterblieben und wie viele Hektoliter Bier wären nie getrunken worden? Hamburg wäre ohne Rösinger und ihre leider verstorbene Songwritingpartnerin Almut Klotz um eine Stadthymne ärmer, und auch die „Männlichen Mitmenschen“ wären nie so wunderbar in einem Lied gezeichnet worden. Die Lassie Singers und die Nachfolgeband Britta sind längst Geschichte. Eigentlich müsste das unglaubliche kreative Erbe reichen um bis ans Lebensende im Spreepark gemütlich spazierenzugehen und die Gasrechnung in Kreuzberg locker bezahlen zu können.

Wenn man Christiane Rösinger im persönlichen Gespräch mit Grande Dame ansprechen würde, dann wäre die Ohrfeige wohl nicht weit, zumindest ein ziemlich böser Blick aber gewiss. Was hätten mehrere Frauengenerationen aber ohne ihre selbstverständliche Do-It-Yourself-Ethik gemacht, wie viele Lacher wären bei den Touren der Lassie Singers unterblieben und wie viele Hektoliter Bier wären nie getrunken worden? Hamburg wäre ohne Rösinger und ihre leider verstorbene Songwritingpartnerin Almut Klotz um eine Stadthymne ärmer, und auch die „Männlichen Mitmenschen“ wären nie so wunderbar in einem Lied gezeichnet worden. Die Lassie Singers und die Nachfolgeband Britta sind längst Geschichte. Eigentlich müsste das unglaubliche kreative Erbe reichen um bis ans Lebensende im Spreepark gemütlich spazierenzugehen und die Gasrechnung in Kreuzberg locker bezahlen zu können.

Aber das Leben schreibt andere Geschichten, gilt deswegen vollkommen zu Recht als unfair. Kreative Großtaten und der verdiente Heldenstatus als Vorreiter von Die Heiterkeit oder Wir Sind Helden zahlen keine Rechnungen. 2010 erschien das von Ja Panik!-Sänger Andreas Spechtl produzierte Solodebüt „Songs of L. and Hate“, dessen Cover eine wunderbare Nachstellung von Dylans „Bringing It All Back Home“ zierte. Diese Songs installierten Rösinger wieder am verdienten Songwritingthron. Eine Liebeserklärung an Berlin kam in Gestalt eines Wienerlieds daher, und das Thema ihres Schaffens, die Dekonstruktion des Phänomens Liebe, wurde melodiengewaltig ausgebreitet. 2017 schaut die Sache anders aus: Der Humor und der Optimismus sind auf „Lieder ohne Leiden“ nicht ganz verschwunden, aber die Grundstimmung ist trostloser geworden. Die selbstverständliche Einstellung des Prekariats, dass es sich am Ende wohl ausgehen wird und alle guten Menschen in den Regenbogen reiten, ist Zweifeln gewichen. „Lob der stumpfen Arbeit“ ist einer der ehrlichsten und tiefgründigsten Songs geworden, die seit langer Zeit zu hören waren. Und wieder zeigt sich warum Rösinger unverwechselbar ist und bleibt: Sie geht mit ihren Songs dorthin, wo sich die Kollegen nicht hintrauen. Dass sich auf „Lieder ohne Leider“ auch der spöttischen Kracher „Eigentumswohnung“ mit der wunderbaren Zeile „Erben muss sich wieder lohnen“ findet, passt nur ins vielschichtige Bild.
Wenn man Christiane Rösinger im persönlichen Gespräch mit Grande Dame ansprechen würde, dann wäre die Ohrfeige wohl nicht weit, zumindest ein ziemlich böser Blick aber gewiss. Was hätten mehrere Frauengenerationen aber ohne ihre selbstverständliche Do-It-Yourself-Ethik gemacht, wie viele Lacher wären bei den Touren der Lassie Singers unterblieben und wie viele Hektoliter Bier wären nie getrunken worden? Hamburg wäre ohne Rösinger und ihre leider verstorbene Songwritingpartnerin Almut Klotz um eine Stadthymne ärmer, und auch die „Männlichen Mitmenschen“ wären nie so wunderbar in einem Lied gezeichnet worden. Die Lassie Singers und die Nachfolgeband Britta sind längst Geschichte. Eigentlich müsste das unglaubliche kreative Erbe reichen um bis ans Lebensende im Spreepark gemütlich spazierenzugehen und die Gasrechnung in Kreuzberg locker bezahlen zu können.
Aber das Leben schreibt andere Geschichten, gilt deswegen vollkommen zu Recht als unfair. Kreative Großtaten und der verdiente Heldenstatus als Vorreiter von Die Heiterkeit oder Wir Sind Helden zahlen keine Rechnungen. 2010 erschien das von Ja Panik!-Sänger Andreas Spechtl produzierte Solodebüt „Songs of L. and Hate“, dessen Cover eine wunderbare Nachstellung von Dylans „Bringing It All Back Home“ zierte. Diese Songs installierten Rösinger wieder am verdienten Songwritingthron. Eine Liebeserklärung an Berlin kam in Gestalt eines Wienerlieds daher, und das Thema ihres Schaffens, die Dekonstruktion des Phänomens Liebe, wurde melodiengewaltig ausgebreitet. 2017 schaut die Sache anders aus: Der Humor und der Optimismus sind auf „Lieder ohne Leiden“ nicht ganz verschwunden, aber die Grundstimmung ist trostloser geworden. Die selbstverständliche Einstellung des Prekariats, dass es sich am Ende wohl ausgehen wird und alle guten Menschen in den Regenbogen reiten, ist Zweifeln gewichen. „Lob der stumpfen Arbeit“ ist einer der ehrlichsten und tiefgründigsten Songs geworden, die seit langer Zeit zu hören waren. Und wieder zeigt sich warum Rösinger unverwechselbar ist und bleibt: Sie geht mit ihren Songs dorthin, wo sich die Kollegen nicht hintrauen. Dass sich auf „Lieder ohne Leider“ auch der spöttischen Kracher „Eigentumswohnung“ mit der wunderbaren Zeile „Erben muss sich wieder lohnen“ findet, passt nur ins vielschichtige Bild.
Beinahe zeitgleich veröffentlicht Sie auch ihr drittes Buch: In „Zukunft machen wir später“ berichtet Rösinger über ihre Erfahrungen als Deutschlehrerin mit Flüchtlingen. Fake News sind hier definitiv auszuschließen.


Christiane Rösinger: „Lieder ohne Leiden“Staatsakt / Universal
Christiane Rösinger: „Zukunft machen wir später“ S.Fischer Verlag
Live: 11. April 2017 brut, Wien


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