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Gorillaz © J.C. Hewlett

FAQ Konzerte – Herbst

Der Konzertreigen in den Monaten Oktober und November neigt traditionell zum Überangebot, daher muss selbst der fleißige Konzertgeher eine Auswahl treffen. Hiermit sei hier eine kleine Hilfestellung angeboten. Am 20 Oktober tritt eine der am gröbsten unterschätzten Bands in der kleiner Halle der Wiener Arena auf. The Base rund um Songwriter Norbert Wally haben auf ihrer letzten Platte „Disco Bazaar“ die große gebrummte Ballade gegen die Discokugel eingetauscht, aber die Qualität der Songs bleibt ungebrochen. Wer im kleinen Rahmen auf große Entdeckungsreise gehen will, ist hier goldrichtig.

Der Zufall der Tourneeplanung will es, dass Nick Cave mit seinen Bad Seeds am 1. November in die Wiener Stadthalle kommt. Ausgerechnet an jenem Tag, der (theologisch natürlich falsch) mit dem Gedenken an die Toten assoziiert wird, wird Cave einige Songs aus seinem letzten Album „Skeleton Tree“ singen, das maßgeblich vom Unfalltod seines Sohnes beeinflusst wurde. Dazwischen packt er natürlich auch Klassiker der Moderne wie den „Ship Song“, den „Wheeping Song“ oder „Into Your Arms“ aus. Man kann davon ausgehen, dass die Bad Seeds wieder einmal in Bestform agieren und alle Register ziehen werden, die es zwischen Himmel und Erde gibt.

Einen Tag später, am 2. November, kommen endlich wieder die Gorillaz auf die Bühne der Wiener Stadthalle. Offiziell besteht die Band noch immer aus Comicfiguren, aber natürlich weiß inzwischen jedes Kind, dass die Band von Blur-Mastermind Damon Albarn angetrieben wird. Sieben Jahre haben sie sich für ihr Album „Humanz“ Zeit gelassen. Und es hat sich notabene ausgezahlt. Die Gorillaz haben den „Pop aus allem Himmelsrichtungen“ für sich erfunden, denn nur so kann der notorische Musikforscher Albarn seine Vorstellungen verwirklichen. Und dass dabei auch Hits wie „Clint Eastwood“ abfallen, wird von ihm wohl dankbar zur Kenntnis genommen. Die Gorillaz haben es geschafft, dass sie zwar alle großen Hallen bespielen können, sich aber trotzdem eine Portion Unberechenbarkeit bewahrt haben. Dabei soll es auch noch lange bleiben.

Unberechenbarkeit ist das Credo von Laibach. Wer hätte gedacht, dass die Intellektuellencombo aus Slowenien jemals in Nordkorea auftreten wird, dabei nur relativ wenige Kompromisse eingehen muss und das Publikum in bewährter kommunistischer Parteitagsmanier klatscht? Diese Gefahr besteht am 6. November in der Wiener Arena definitiv nicht, wenn Laibach ihr neues Opus „Also sprach Zarathustra“ präsentieren. Nietzsches Gedankenwelt ist vielleicht schon zu naheliegend missverständlich, aber wahrscheinlich hat gerade das das Kollektiv rund um Sänger Milan Fras besonders gereizt. Nach der Interpretation nordkoreanischer Volkslieder ruft wieder das schwere europäische Erbe. Life is Life.

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