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Edi Nulz © Antonia Renner

FAQ – Konzerte

Bevor im späten Frühling in den Open-Air-Spielstätten wieder die Sessel geputzt, die Sicherheitsmaßnahmen überprüft, die Ticketsysteme hochgefahren und die Gebete in Richtung Wettergott geübt werden, bietet sich jetzt noch die Möglichkeit, verwegene Konzerte im kleinen Rahmen und mit absoluter Trockenheitsgarantie zu erleben.
Eine Gelegenheit dazu ist der Auftritt von Edi Nulz am 16. März im Porgy & Bess. Das Trio sitzt musikalisch mit Bassklarinette, Schlagzeug und Gitarre zwischen allen Stühlen, die es von Jazz bis Postrock und zwischen Wien und Berlin gibt. Man meidet es geradezu puristisch, ausgetretene Pfade zu beschreiten. Für den Zuhörer bleibt vollkommen unklar, wo die Komposition aufhört und die Improvisation beginnt – was aber vollkommen egal ist, denn für Menschen mit offenen Ohren sind die Konzerte von Edi Nulz immer spannend.

Eine der großen deutschen Geheimtipps mit starkem Zug in Richtung Erfolg sind Isolation Berlin, die am 4. April in der viel zu selten genutzten Fluc Wanne ihr Wien Debüt geben. Der Heimathafen Berlin ist unüberhörbar, aber wer sich mit Ideal, Christiane Rösinger oder Sven Regener messen will, der braucht Talent und Selbstvertrauen. Isolation Berlin haben dies zur Genüge. Auf ihrem soeben erschienenen zweiten Album mit dem freundlichen Titel „Vergifte Dich“ zelebrieren sie Berlin in all seiner Trostlosigkeit und Grandezza. Am Ende verzweifeln sie nicht, sondern geben sich ihren Songs hin. Wie Sänger Tobi Bamborschke (lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen) das macht, ist Performancekunst. Ein vorlauter Schreiber nannte sie einmal Wanda aus Berlin, aber bekanntlich ist nicht alles was hinkt, auch ein Vergleich.

Der inneren Ekstase verschrieben haben sich die Grandbrothers, die mit Klavier und Rechner magisch anziehende Klangwelten schaffen und diese am 16. April zum zweiten Mal in Wien, diesmal im Pogy & Bess, vorführen. Dort wo ein Nils Frahm in Richtung Himmel abdriftet, bleiben die Grandbrothers immer am Boden und stellen mit ihrer Dynamik sicher, dass ätherische Klänge keinen Platz haben.

Verlassen wir Europa und wenden uns Tucson, Arizona zu. Dort gibt es nicht nur Wüstenrock der Marke Giant Sand oder Calexico, dort ist auch die selbsternannte „Greatest Rock’n’Roll Band in the World“ zuhause, die legendären Supersuckers rund um ihren Anführer Eddie Spaghetti. Sie stehen für jene Ideale, für die Lemmy Kilmister gestorben ist und werden am 18. April endlich wieder auf der Bühne des Wiener Chelsea stehen. Wer Alkohol, Schweiß, Leder, Lautstärke und Humor unter einen Hut bringen kann, der sollte diese rare Gelegenheit nutzen, denn für Bands wie die Supersuckers wäre ein Artenschutzprogramm notwendig.

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