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Wanda © Florian Senekowitsch

FAQ40 Music Selection

Im Booklet von „Amore Meine Stadt“ verkünden Wanda ganz offiziell das Ende des ersten Teils ihrer Karriere. Das spricht nicht nur für eine realistische Weltsicht, sondern auch dafür, das Konzert in der vollen Wiener Stadthalle, das den Höhepunkt dieses Abschiedes vom Sturm und Drang markierte, aufzunehmen und für die Weihnachtssaison aufzulegen. Wer dabei war, kann bezeugen, dass es seit den besten Zeiten des Ostbahn Kurti keine solche Identifikation zwischen Band und Publikum gab und die Textsicherheit des Großteils der 12.000 Besucher bestechend war. All das und natürlich mitreißende Versionen aller Hits liefert dieses CD/DVD-Package und es fällt auf, dass Wanda etwas gelingt, das nur ganz wenigen Bands vergönnt war: Sie schaffen es, den ewigen Beat zu spielen, einen Beat, der für alle Zeiten Emotionen auslösen wird und den der Hörer nie mehr vergessen kann. Wahrscheinlich ist es die Magie des Moments, des Scheißens auf die Perfektion und der Rückzug aller Großhirnregionen, die das möglich machen. Und all das wird hier noch mit einem wahrlich ikonischen Cover mustergültig dokumentiert.

Mustergültig ist ein Wort, das in Zusammenhang mit Chrissie Hynde wohl nie gefallen ist. Sie ist die Blaupause des coolen Rockstars, der mit wachen und spöttischen Augen hinter den ewigen Stirnfransen hervorschaut und sich immer die Freiheit nimmt, ein herzhaftes „Fuck you“ in die Diskussion einzuwerfen. Nach langen Jahren reaktivierte sie ihre Pretenders wieder und holte mit Dan Auerbach von den Black Keys einen Produzenten an Bord, der dem Sound der Band neue Impulse geben sollte. Auerbach kam, sah und führte die Band zu neuen Höhepunkten. Hynde ist so bissig wie schon lange nicht mehr und im Fachgebiet der rotzigen Ballade immer noch unschlagbar. Den früher oft eher dünnen Sound verabschiedete Auerbach und so glänzen die Pretenders in einem neuen, rohen Glanz.Hynde kann sich wieder am Sofa zurücklehnen und den Mittelfinger der Grande Dame des Rock gelassen ausfahren.

Wenn Lady Gaga ein neues Album veröffentlicht, ist das Mediengetöse groß und der Druck einen ordentlichen Gewinn einzufahren, ebenso. Darum wurde gleich einmal Mark Ronson als Co-Writer fast aller Songs verpflichtet. Dass auch Wüstenrocker Josh Homme mitschreiben darf, erstaunt auf den ersten Blick, sein Einfluss bleibt aber unhörbar. Der ganz große Schatten, der über „Joanne“ liegt, ist natürlich der von Madonna – und Lady Gaga lässt diese Übermutter hier alt aussehen. Spielerisch schlüpft sie in die diversen Rollen, die die Vermarktungsmaschine verlangt – und solche, die sie sich aussucht. Reduziert man den Blick auf die Songs, bleibt ein abwechslungsreiches Album über, dass mit „Come to Mama“ und „Joanne“ herausragende Songs bietet und nicht vor dem Dancefloor kapituliert. Dass sich Lady Gaga gerade auf der Single „Perfect Illusion“ etwas zu billig an die Achtziger und die junge Madonna verkauft, bleibt da schon nebensächlich. Was überbleibt, ist ein Mainstreamalbum, das ausnahmsweise nicht enttäuscht und den Beruf Popstar wieder rehabilitiert.

In Ausnahmefällen sei auch ein Blick zurück erlaubt. 1992 nahm John Cale das Livealbum „Fragments Of A Rainy Season“ solo auf. Jetzt wird es mit weiteren Songs wiederveröffentlicht. Es zeigt einen rastlosen Künstler auf der Höhe seiner Kraft, am Ende eines kreativen Höhenflugs rund um die Alben „Music for a New Society“, „Carribean Sunset“ und „Words for the Dying“. Dazu kommen die ganz großen Songs aus den segensreichen Siebzigern, wie das immer überwältigende „Fear“ und natürlich der Song, der Cale seit Jahrzehnten verfolgt und an dem er sich bis heute wie ein Berserker abarbeitet: „Heartbreak Hotel“. In der nun erweiterten Auflage ist nun auch „Halleluja“ zu finden, jener Song von Leonard Cohen, den Cale exhumierte und der auf wundersamen Umwegen zum Welthit wurde. Schlicht und ergreifend ist dieser Fund im Archiv eines der besten, aber auch forderndsten Livealben aller Zeiten.

„Aber der Sound ist gut“ ist der Titel eines Doppelalbums, das den Anspruch hat, die Vielfalt der aktuellen Wiener Musikszene in aller Pracht zu zeigen. Dabei grüßen Altspatzen wie Valina ein letztes Mal und treffen auf die immer knallend krachenden Sex Jams oder Newcomer wie Tommy Moonshine. Die Auswahl der 29 Songs auf diesem Sampler zeigt ein unglaubliches Qualitätslevel der heimischen Musikproduktionen, und diese Tatsache kann auch gleich zu einem Aufruf genutzt werden. Liebe Leute, rennt nicht nur zum Popfestival im Juli, sondern schaut euch diese Bands auch für ein paar Euros in den Lokalen der Stadt an. Sie haben es sich verdient.

Verdient hat Moby in seiner Karriere schon genug, und nach einer Pause meldet er sich mit dem Void Pacific Choir und dem Album „These Systems Are Failing“ zurück. Seine Ausflüge ins weite Gebiet des Gospel waren von einer Kenntnis und Innovation geprägt, die die Erwartungshaltung für dieses Album hoch schraubte. Zu hoch, wie sich nun herausstellt, denn Moby wird zum Pet Shop Boy und die Frage sei erlaubt: Auch wenn Moby den Sound perfekt nachstellt, warum sollte man nicht zum Original greifen? Moby hat schon großes geleistet und der Fehltritt ist leicht zu verzeihen, da es eine prächtige Gelegenheit ist, wieder einmal „Westend Girls“ in voller Lautstärke zu hören. Wer von den Pet Schop Boys am Höhepunkt nicht genug bekommen kann, der kann hier blind zugreifen.


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