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Ed Sheeran © Warner Music

FAQ41 Music Selection

Wer redet noch vom schwierigen dritten Album, wenn Ed Sheeran, der König des Looppedals, an diese Aufgabe herangeht? Der Mittzwanziger aus Yorkshire stellte sich allein auf die Bühne des Wembley Stadions und verzauberte seine abertausenden Fans. Dieser Mann hat Mut, einen Haufen Talent und genug Sturheit, um sich nicht verwässern zu lassen. Auf „Divide“ (Atlantic/Warner) weitet er seine Wandlungsfähigkeit aus und traut sich sogar auf sanft tanzbares Terrain, und auch hier gewinnt der Charme des immer leicht zerknautscht wirkenden Sheeran. An Pharrell Williams kommt er in dieser Disziplin noch nicht ganz heran, aber der Weg stimmt definitiv. Dass er die große Breitwandballade beherrscht, die die Massen zu Tränen rührt, war schon bekannt, und er beweist es auch hier wieder eindrucksvoll. Trotz Megastarstatus bleibt er immer noch der Singer-Songwriter, der primär für seine Songs lebt. Wie lange er diesen Spagat zwischen Kunst und wirtschaftlichem Druck der Umgebung standhalten kann, ist eine Frage, die die Zukunft klären wird. Heute bleibt nur festzustellen, dass das dritte Album seinen Fluch verloren hat und der Superstar des nächsten Festivaljahrzehnts geboren ist.

Zum Titel Superstar reicht es bei Sinkane noch nicht ganz, aber wenn er ein Album aufnimmt, dann kann man auf die immer wieder neu gemischte Wundertüte gespannt sein. Auf „Life & Livin’ It“ (City Slang / Universal) spielt der gebürtige Londoner mit sudanesischen Wurzeln wieder mit allen Elementen, die Spaß machen und im weitesten Sinn tanzbar sind. Da brummt der tiefe Afro Funk, biegt flockiger Postrock um die Ecke, jubilieren die afrikanischen Gitarren oder sucht der erdig moderne Reggae den Weg in die Beine. Sinkane versteht nicht nur sein Handwerk perfekt, er hat auch den Anspruch relevante Musik zu produzieren, die unterhält. Dieser Ansatz ist zwar im Musikgeschäft naheliegend, aber selten. Noch seltener ist eine derartig gelungene Umsetzung, die in jedem Fall die Laune hebt.

Am Promozettel ist vom „grandiosen Comeback“ zu lesen. Das ist natürlich aufgelegter Blödsinn, denn Son Of The Velvet Rat waren nie weg. Sie spielten sowohl in Kalifornien als auch hier jahrein, jahraus famose Konzerte, veröffentlichten neue Songs auf diversen Plattformen und schärften ihr Profil da wie dort weiter. Der Abstand zwischen den Veröffentlichungen ist größer geworden – und das hat wohl damit zu tun, dass Bandvorstand Georg Altziebler genau weiß was er will. Gut Ding braucht eben Weile. „Dorado“ wurde mit Joe Henry, der unter anderem Solomon Burke, Elvis Costello und Ani Difranco produzierte, aufgenommen. Das Resultat ist ein Meisterwerk. Die Discografie von Son Of The Velvet Rat ist gespickt mit herausragenden Arbeiten, aber auf „Dorado“ verbinden sich makelloses Songwriting, neu gefundene Lockerheit, solides Selbstbewusstsein und ein Universum an Sounds zu einem großen Ganzen. Genau dieses Album hat man den Ratten immer gewünscht – dass man es nun hören darf ist ein absoluter Glücksfall. Eine kleine Vorschau auf die warme Jahreszeit sei noch gestattet: „Surfer Joe“ wird wohl der Sommerhit des Jahres.

Ein Glücksfall für die Musikliebhaber war in den letzten Jahrzehnten sicher auch Stephen Merrit. Er ist unter seinem Projektnamen The Magnetic Fields für den modernen Klassker „69 Love Songs“ verantwortlich – und noch für viele andere wunderbare Songs und Vignetten, die tief in sein Herz blicken lassen. Anlässlich seines 50. Geburtstags setzte er sich hin und schrieb für jedes seiner Lebensjahre einen Song. Der Titel ist daher so ehrlich wie konsequent: „50 Song Memoir“ (Nonesuch / Warner). Der Weg durch seine Vergangenheit führt zu wunderbaren Bekenntnissen wie „Stay True To Your Bar“, einem Song voller Trost und Lebensweisheiten, der nach dem ersten Hören nie mehr vergessen werden wird. In dieser Qualität geht es quer durch sein Leben, und bei einem derartigen Talent darf natürlich auch ein Ratschlag wie „Rock n’ Roll Will Ruin Your Life“ nicht fehlen. „50 Song Memoir“ ist eine Achterbahnfahrt durch das Leben eines wachen Geistes, scharfen Beobachters und gnadenlosen Analytikers, der die Gabe hat, alles, aber auch wirklich alles in große Songs zu übersetzen.

„Hob i di“(badermolden recordings) ist das dritte Soloalbum von Sybille Kefer, die in den letzten Jahren oft mit Ernst Molden auf der Bühne stand und seine Songs mit ihrer Stimme veredelte. Erstmals wagte sie es nun, Lieder in ihrer ersten Sprache, dem Ausseer Dialekt zu schreiben. Die Songs sind das Dokument einer Künstlerin, die ihre Jugend hinter sich hat, einer Liebenden, die geliebt hat und immer lieben wird und auch einer Frau, die weiß, dass sie nicht mehr jeden Blödsinn mitmachen muss. Unterstützt wird Kefer von der Gitarre Ernst Moldens und Musikern aus dessen Umkreis, wie dem unvergleichlichen Instinktharmonikaspieler Walter Soyka. Den Texten entsprechend bleibt auch die Musik zart, unmittelbar, spontan und an den richtigen Stellen rau. Eine Platte, die direkt aus dem Leben geschöpft wurde.

Ein gänzlich anderes Territorium bespielt Hauschka mit „What If“ (City Slang / Universal). Er verdient sein Geld eigentlich mit Soundtracks und kann auch schon eine Oscarnominierung für „Lion“ vorweisen. Dennoch bewegt sich der Deutsche, in dessen Taufschein Volker Bertelmann eingetragen ist, weg von den Streichersounds der klassischen Filmscores und versucht seine HipHopwurzeln wiederzufinden. Der Titel verweist auf Was-wäre-wenn Fragen, die vor allem Kinder so gerne stellen: Was wäre, wenn wir 1000 Jahre alt werden? Was wäre wenn unsere Kinder auf dem Mars leben würden? Der Komponist Hauschka schafft spröde Stücke im Spannungsfeld zwischen breiten Beats, Philipp Glass, Glenn Branca und seinem geliebten Klavier. Auch wenn der Film zu Stücken wie „Familiar Things Disappear“ erst gedreht werden muss, ist die Gänsehaut jetzt schon vorhanden.

 

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