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Perfume Genius, Fotos: Magdalena Blaszczuk

Gänsehaut im Unterleib(erl)

Die Freude im opulenten Kleid mit Korsett aufzutreten machte Mike Hadreas alias Perfume Genius dem Wiener Publikum nicht. Der angenehmen Außentemperatur entsprechend tat es ein schlichtes, ärmelloses Unterleiberl wie man in Wien sagt, auch. Dazu ein Beinkleid mit verspielten Fransen ab Kniehöhe. Weiters trägt der American Dandy Schuhe, von denen man auf keinen Fall einen Arschtritt verpasst bekommen möchte. Als einzige explizite homosexuelle Anspielung jagte Hadreas wie ein gehetztes Tier mit totalem Körpereinsatz über die dezent mit Topfpflanzen dekorierte Bühne und kann dem Publikum eine so in der Arena selten erlebte Aufmerksamkeit abtrotzen. Am linken Bühnenrand bediente Hadreas' Lebensgefährte und musikalischer Partner Adam Wyffels Keyboard und Electronics, mit dem sich Mike während der Show das eine oder andere Balzritual lieferte.

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Es muss Hadreas selbst in der Arena auch gefallen haben, immerhin gab er beinahe zwei Drittel seines vier Alben umfassenden Gesamtwerks zum besten und danach hatte das begeisterte Publikum noch immer nicht genug. Dieser erhebende späte Abend folgte einer ausgeklügelten Dramaturgie, die auf Blöcke mit fettem Glamour-Bandsound inklusive animalischem Shouting des schlacksigen Protagonisten (über weite Strecken sogar nur vom elektrischen Bass und ohne E-Gitarre begleitet) immer wieder leisere Teile mit Hadreas' solo am Keyboard folgen ließ. Das aktuelle Album "No Shape" wurde fast zur Gänze präsentiert. Der Bühnenboden musste jede Menge Schweiß aufsaugen und Besucher berichteten am Ende von extensiven Gänsehauterfahrungen. Ein Konzert des Jahres, mindestens. 

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