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Bill Frisell © Jimmy Katz

Große Namen in kleinem Rahmen

Große Briten auf einer kleinen Bühne kann man im Wiener Chelsea am 24. März erleben. Der Exzentriker, Kritikerliebling, Freidenker, Ex-Soft Boy und Singer/Songwriter Robyn Hitchcock gibt sich endlich wieder einmal die Ehre und wird seine Songs zwischen Melancholie, Psychose und feinem Popgespür vorstellen. Sein Name wird immer in einem Atemzug mit Syd Barrett genannt, was ihm aber nicht gerecht wird, denn der Humor, der Hitchcock auszeichnet, ist sogar für britische Verhältnisse einmalig. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass diesen Abend die hypnotischen Gallon Drunk beschließen werden, die ihre Inspiration aus allen Richtungen ziehen und damit ihre Idee vom Blues verfeinern, verändern, aber nie verlieren.

Wenn Rufus Wainwright am 28. März die Bühne der Halle E des Museumsquartiers betritt, dann hat der konventionelle Popsong Pause und die ganz großen Gefühle werden ausgepackt. Wainwright war immer schon Liebhaber der Oper und mit Fortlauf seiner Karriere verpackte er immer mehr Versatzstücke dieser Liebe in seine Songs. Und somit verließ er seine Komfortzone und balanciert als Grenzgänger immer knapp am Absturz dahin. Taschentücher dürfen an diesem Abend ruhig eingepackt werden.

Diese wird man bei Mike Watt nur für den Schweiß benötigen. Der Hardcorepionier war Gründer der Minutemen und von Firehose und ist seit deren Reaktivierung Bassist und elementarer Bestandteil der Stooges. Watt steht immer für Einsatz, Kraft und bedingungslose Hingabe an sein Schaffen. Am 30. März gastiert er mit seinen Missingmen in altbekannter Triobesetzung in der Arena und den Spätgeborenen sei ein Spruch eines Altkanzlers ans Herz gelegt: „Lernen Sie Geschichte!“ Mike Watt ist zwar lebende Geschichte und erzählt diese auch gerne, aber er strebt immer nach neuen Ideen, neuen Erfahrungen und geht in seinem Bassspiel auf. Wenn Lärm zur wärmenden Größe aufsteigt, ist Mike Watt ziemlich sicher in Nähe und wenn er vor Ort ist, wird auch die Musikredaktion geschlossen diesem Titanen ihren Besuch abstatten. Der Mann ist eine Quelle der Inspiration.

Selbiges gilt auch für Bill Frisell, der mit seiner Gitarre am 3. April wieder die Bühne des Porgy & Bess betreten wird. Der Mann der Langsamkeit, der jeden Ton behutsam setzt und so eine Spannung schafft, die in den besten Momenten die Welt anhält. Frisell, der unverkennbare Gitarrist und Interpret, wird sich dem weiten Feld der amerikanischen Musik vom Blues eines Blind Willie Johnson über Benny Goodman bis zum Doo Wop widmen und trotzdem alles in seine übergreifende Vision eingemeinden.

Im B 72 hat am 8. April die Idee der Feinfühligkeit Pause. Die Monsters Of Liedermaching sind auf (vorläufiger) Abschiedstour und der deftige Humorhammer, der nie um eine fetzige Melodie verlegen ist, wird den Konzertraum übernehmen. Klare Bekenntnisse zum Alkoholkonsum sind ebenso zu erwarten wie maßvoll gehobener Unsinn, ihre ureigene Version des Laternenlieds und natürlich die „Salamandervorhautdiät“. Dem Slogan „Spaß statt Überintellektualisierung“ und der Idee vom ewigen Lagerfeuer können wir uns bedenkenlos anschließen.Gleichzeitig werfen wir alle Vorurteile über den deutschen Humor über Bord und prosten der Band ein letztes Mal zu.

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