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Identitätskrise

In „Nach einer wahren Geschichte“ entspinnt sich ein bizarrer Machtkampf.

Roman Polanski hat in seiner mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere eine ganze Reihe von Filmen geschaffen, die als Glanzstücke des Weltkinos gelten. Nach einem Studium an der renommierten Filmhochschule in Łódz´ gelang es ihm gleich mit seinem Regiedebüt Das Messer im Wasser (1962) eindrucksvoll auf sich aufmerksam zu machen. Nachdem er wiederholt in Konflikt mit Restriktionen der Kulturbehörden Polens gekommen war, verließ er 1963 seine Heimat. In Großbritannien dreht Polanski dann stilbildende Arbeiten wie den Thriller Repulsion (mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle), die schwarzhumorige Krimigroteske Cul-de-sac (Wenn Katelbach kommt ...) und die herrliche Horrorkomödie The Fearless Vampire Killers.

Durch diese Erfolge wurde man auch in Hollywood auf Roman Polanski aufmerksam, nach seiner Übersiedelung in die Vereinigten Staaten setzte er mit Rosemary’s Baby und Chinatown Filme in Szene, die längst zu Klassikern geworden sind. Den beruflichen Höhenflügen standen allerdings Tragödien im Privatleben gegenüber, Polanskis Mutter war in Auschwitz ermordet worden, er selbst entging als Kind während des Zweiten Weltkriegs nur knapp dem Holocaust – Erinnerungen, die er viele Jahre später in seinem Meisterwerk The Pianist (2002) aufarbeiten sollte. Polanskis Ehefrau, die Schauspielerin Sharon Tate, wurde im August 1969 in ihrem Haus von einigen Mitgliedern von Charles Mansons berüchtigter „Family“ grausam ermordet.

Mit dem psychologischen Horrorfilm Le Locataire (Der Mieter, 1976) begann Polanski wieder verstärkt in Europa zu arbeiten, wo ihm mit Filmen wie Frantic, Death and the Maiden und The Ghost Writer einige feine Regiearbeiten gelangen.

Roman Polanski, der im August 85 Jahre alt wird, ist immer noch höchst produktiv, sein neuer Film D’après une Histoire (Nach einer wahren Geschichte) feierte bei den Filmfestspielen von Cannes 2017 Weltpremiere. Im Mittelpunkt des psychologischen Thrillers steht dabei die Schriftstellerin Delphine (gespielt von Emmanuelle Seigner, Ehefrau Roman Polanskis und seit ihrer Zusammenarbeit in Frantic immer wieder eine seiner Hauptdarstellerinnen), die mit einem sehr persönlichen Roman über ihre Mutter einen großen Erfolg verbuchen konnte. Doch der hat sowohl physisch als psychisch Spuren hinterlassen. Da kommt es nicht ungelegen, dass Elle (Eva Green), eine große Bewunderin von Delphines literarischem Werk, in das Leben der Autorin tritt und anbietet, ihr zur Seite zu stehen. Anfangs scheint die Hilfe bei den Erledigungen die im Alltag so anfallen, ganz angenehm, doch Elles Assistenz nimmt immer obsessivere Züge an. Sie imitiert Delphine in Sachen Frisur, Kleidung und Verhalten, nistet sich sogar in der Wohnung der Autorin ein. Delphine befürchtet immer mehr, sich einer ungewollten Doppelgängerin gegenüber zu sehen, die sie immer stärker zu bedrängen und vereinnahmen scheint.


Nach einer wahren Geschichte /D’après une Histoire
Thriller/Drama, Frankreich 2017
Regie
Roman Polanski Drehbuch Olivier Assayas, Roman Polanski
Kamera Pawel Edelman Musik Alexandre Desplat
Mit Emmanuelle Seigner, Eva Green, Vincent Perez, Camille Chamoux
Kinostart 29. Juni


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