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Im Land der Träume

La La Land: Just singing in L.A.

Lieben sie Jazz? Wenn nicht, haben sie bei Sebastian (Ryan Gosling) eigentlich schon verloren. Denn für Leute, die seiner Passion nichts abgewinnen können, hat der fingerfertige Jazz-Pianist kein Verständnis. Und auch sonst ist Sebastian nicht der umgänglichste Typ. Er ist ein Träumer, ein Phantast, und einer, der für seine bedingungslose Liebe zur großen Musik des spontan gestalteten Augenblicks auch gerne einmal seinen Job riskiert. Die strauchelnde junge Schauspielerin Mia (Emma Stone) dagegen klammert sich umso mehr an ihre Anstellung im Coffee-Shop, denn auch sie tut sich schwer daran, in Los Angeles ihren großen Traum von der Hollywood-Karriere zu verwirklichen. Dennoch hangelt sie sich ebenso verbissen von einem demütigenden Vorsprechen zum nächsten, um am Ende auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden. Doch das soll sich ändern, als Mia und Sebastian sich eines Tages kennen und über drei Ecken schließlich auch lieben lernen. Er motiviert sie dazu, ihrem Talent fürs Schreiben und Inszenieren zu folgen, sie stärkt ihm den Rücken für eine Musik-Karriere, die ihm zumindest finanzielle Sicherheit und Ruhm einbringt.

Dazwischen singen und tanzen sich die beiden gemeinsam durchs Leben, denn La La Land, der dritte Spielfilm des gefeierten Whiplash-Regisseurs Damien Chazelle, ist nicht irgendeine Hollywood-Romanze im herkömmlichen klischeebeladenen Sinn. Bereits mit seinem Regiedebüt Guy and Madeline on a Park Bench (2009) hatte der damals gerade 24-Jährige seine Vorliebe für Musicals bekundet und mit La La Land hat er diese Leidenschaft nun zur Perfektion gebracht. Ob in beschwingten, gutlaunigen oder leise herzzerreißenden Gesangs- und Tanzeinlagen, die zwar an die großen Musical-Klassiker vergangener Zeiten erinnern, aber letztlich irgendwo zwischen Singin’ in the Rain, Jacques Demys Les Parapluies de Cherbourg und Alan Parkers Fame ihren ganz eigenen Platz finden, beweisen Stone und Gosling zudem, dass sie der Herausforderung des illustren Spiels durchaus gewachsen sind. Vor allem Stone mit ihrer leicht zögerlichen, fragilen Stimme zeigt hier erstmals, dass ihre Wirkungskraft als Darstellerin tatsächlich auch über ihre großen Reh-Augen hinaus Fuß fassen kann. Und wem das alles trotzdem zu sehr nach Schmalz und Schwärmerei klingt, der sei beruhigt. La La Land mag zwar auf den ersten Blick dem Ideal vom Film als Traumland verpflichtet sein, doch auch in Chazelles Versuchsanordnung zerplatzen die Hoffnungen und Illusionen der Träumenden mitunter an der harten Realität des Seins, dem es heute vielleicht dringlicher denn je für einen so famos inszenierten Moment des Kino-Glücks zu entfliehen gilt.


Musical/Drama/Komödie, USA 2016
Regie, Drehbuch
Damien Chazelle Kamera Linus Sandgren
Schnitt Tom Cross Musik Justin Hurwitz
Mit Ryan Gosling, Emma Stone, J. K. Simmons, Rosemarie DeWitt
Verleih Constantin Film, 128 Minuten
Kinostart 13. Jänner 2017

 

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