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J.&L. Lobmeyr

Text: Brigitte Auer Fotos: Lobmeyr

Bei Lobmeyr bedingen und befruchten sich Tradition und Innovation stetig aufs Neue. Die 1823 gegründete und nunmehr in sechster Generation geführte Wiener Glasmanufaktur J. & L. Lobmeyr beherbergt im Stammhaus in der Kärntnerstraße 26 zahlreiche Klassiker und Ikonen der Designgeschichte, darunter auch das 1931 von Adolf Loos entworfene Trinkservice No.248. Das in seiner radikalen Einfachheit, Qualität und Eleganz unerreichte Vorbild der modernen Industriegläser ist nach wie vor weltweit gefragt. Ikonisch ist jedoch nicht gleichbedeutend mit unantastbar – ganz im Gegenteil: Immer schon suchte man bei Lobmeyr die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, Kreativen aus Architektur und Design, um Neues zu kreieren und Bewährtes neu zu interpretieren. So nahm sich die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer 2006 für die Jahresgabe der MAK Art Society (MARS) des Wasserbechers aus Loos’ Service an. „Sei wahr! Die Natur hält es nur mit der Wahrheit“, schrieb Adolf Loos; Holzer antwortete mit einem eingravierten „Truth“. Mit Unterbrechungen wurde die künstlerische Beschäftigung mit dem Wasserbecher fortgeführt und nun zu einer 13-teiligen Serie erweitert, die im Set, aber auch als Einzelstück in unlimitierter Auflage erhältlich ist. Die einzige Vorgabe an die 13 namhaften Künstlerinnen und Künstler war, die Form des Glases beizubehalten. Schleifen, Gravieren, Bemalen und Sandstrahlen stand zur Verfügung und führte zu einem Ergebnis, das mit Recht als „Kunstsammlung en miniature“ bezeichnet werden kann. Franz Graf entwarf ein mit schwarzer Schleife umgarntes „Glas für die Getränke der Nacht“, Heimo Zobernig vergrößerte den Loos’schen Brillantschliff (die Altersweitsichtigkeit sei teilschuld, so Zobernig), Arnulf Rainer widmete sich dem Anfang, Markus Schinwald dem Unter- bzw. Hinterteil, Brigitte Kowanz stellt den Becher auf ein Lichtpodest, Peter Noever setzt ihm einen Deckel auf und Helmut Lang sah gar schwarz. Diese, sowie die Designs von Eva Schlegel, Manfred Wakolbinger, Georg Salner, Gregor Eichinger und Gunter Damisch sind seit Ende November bei Lobmeyr erhältlich.


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