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Ludovico Einaudi © Ludovico Einaudi MGMT

Jazzfest Wien

Wenn die Oper in den letzten Junitagen in die Sommerpause geht, brechen die Musiker und Sänger zu den zahlreichen Sommerfestspielen auf, die das Land zu bieten hat. Während sie sich dort das Urlaubsgeld verdienen und/oder in ihrem Landhaus in Seenähe entspannen, übernimmt traditionsgemäß das Jazzfest die Bundeshauptstadt. Konzerte im altehrwürdigen Gebäude am Ring bilden sodann für eine Woche das Herz des Festivals.
Dieses beginnt heuer schon am 9. Juni, und zwar in Halle D der Stadthalle, mit dem italienischen Ausnahmepianisten Ludovico Einaudi und geht dann am 2.Juli mit einem speziellen Soloprogramm von Helge Schneider in der Oper weiter. Der Mann ist bekannterweise ein Gesamtkunstwerk. Egal welches Instrument er spielt oder welche Geschichte er in ihre Bestandteile zerlegt – alles was Schneider angreift ist einmalig, wahr und hochkomisch.
Fans des Jazzfests haben es am 3. Juli besonders schwer: Einerseits gastiert im Porgy & Bess mit Miles Mosley und Band der neue Stern am Himmel der Kontrabassisten. Er studierte bei Ray Brown und John Clayton und stellt seine unglaublichen Fähigkeiten so ziemlich jedem Genre zur Verfügung, das ihn anspricht. Er spielte mit Kendrick Lamar, Joni Mitchell oder Jeff Beck und leitet seine eigene Gruppe ebenfalls ganz im Stil der musikalischen Vielfalt sowie der guten Laune.
Andererseits hat die Staatsoper am selben Tag ein weiteres Highlight zu bieten: Dort treffen sich zwei Generationen aus verschiedenen musikalischen Welten. Da ist auf der einen Seite Max Mutzke, der den deutschen Soul befreien will (dieser Weg wird kein leichter sein) und die dominante Stimme des Liedgesangs der letzten Jahrzehnte, Thomas Quasthoff. Letzterer lehrt nach dem freiwilligen Rückzug aus der Klassikwelt als Professor an der Uni in Berlin und hat sich auch schon öfter klassischen Liedguts aus den sechziger und siebziger Jahren angenommen. Angekündigt ist jedenfalls ein gemeinsamer Abend; ob eine Version von „Tell it Like it is“ zustande kommt, ist ungewiss, darf aber zumindest mit Spannung erwartet werden.
Das Jazzfest sieht sich auch als Plattform für neue Talente und deswegen wurde der aufgehende Stern am Himmel der Schlagzeuger Ollie Howell am 4. Juli für einen Abend im Porgy & Bess verpflichtet. Am 7. Juli ist es dann in der Oper soweit: Little Steven & The Disciples of Soul feiern im fortgeschrittenen Alter ihr Debüt in Wien. Steve van Zandt ist als legendärer Darsteller des treuen Silvio Dante in den Sopranos bekannt und natürlich als Gitarrist der E-Street Band in ihren besten Zeiten. Neben seiner Arbeit als Radiomoderator besinnt er sich endlich auf seine ursprüngliche Kernkompetenz und wird als Frontmann mit seiner Version des Jersey-Rock die Besucher in Ekstase versetzen.
Der Arkadenhof des Rathauses wird traditionsgemäß ebenfalls genützt: Nach den elegischen nordischen Klängen der norwegischen Saxophonlegende Jan Garbarek am 8. Juli wurden für den Abschluss Woman To Woman engagiert, eine weibliche internationale All-Star-Band, der als Leiterin die kanadische Pianistin Renee Rosnes vorsteht. Rosnes ist eine Vertreterin der klassischen Jazzpiano-Schule im Geist von Oscar Peterson oder Art Tatum und hat für diese Tour Verstärkung aus aller Herren Länder zusammengetrommelt. Die Band selbst verspricht eine Gratwanderung zwischen Feinfühligkeit und Kraft. Wir lassen uns überraschen.


Jazzfest Wien
9. Juni bis 10. Juli
www.jazzfest.wien

 

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